Kreis Kleve: Spielmacher der Luftfahrt
VON CORINNA KUHS - zuletzt aktualisiert: 25.06.2010 - 11:09Kreis Kleve (RPO). Ryanair-Chef Michael O'Leary warnte gestern in Weeze im Deutschlandtrikot mit der Rückennummer 13 vor der Luftverkehrsabgabe. Er nannte sie eine "blödsinnige Steuer", gab sich aber sonst ungewöhnlich friedlich.
Das Herz von Michael O'Leary schlägt für Deutschland. Der Bundesadler prangt auf dem Fußballtrikot, das er unterm karierten Hemd versteckt bei der Pressekonferenz trägt. Die Deutschen sollen gegen England gewinnen, trötet er auf Nachfrage auch gerne heraus. "Das würde alle Iren freuen." Der Ire an sich, doziert er vergnügt, der würde lieber nackt gehen als ein Englandtrikot zu tragen. Die Sympathien des Ryanair-Chefs sind klar verteilt. Zumindest auf dem Platz.
Politisch klopft es in seiner Brust derzeit höchstens vor Wut. Die Pläne der Bundesregierung, eine Luftverkehrsabgabe einzuführen, mit der die marode Staatskasse um eine Milliarde Euro pro Jahr aufgefüllt werden soll, die hält O'Leary schlicht für "blödsinnig". Und dennoch für relevant genug, dass er gleich zwei Pressekonferenzen an einem Tag abhält – in Berlin und drei Stunden später in Weeze –, um ungewöhnlich ernst an die Bundesregierung zu appellieren, die Steuer nicht einzuführen. Einen Brief an die Regierung geschrieben habe er auch schon, berichtet der Ryanair-Chef. "Aber ich bin mir nicht sicher, ob sie auf Ryanair hört."
Die Pläne
Die Bundesregierung sieht in ihrem Sparpaket unter anderem eine ökologische Luftverkehrsabgabe vor. Für ab Deutschland startende Passagiere würde eine Steuer von zehn bis 15 Euro fällig. Fluggesellschaften lehnen die Idee ab.
Nicht für Passagierflüge
Was die irische Fluggesellschaft will, ist leicht zusammengefasst: Die Luftverkehrsabgabe soll es nicht geben. Punkt. Und wenn, dann nicht für Passagierflüge, sondern für Fracht, für Fluggesellschaften mit alten Maschinen oder für schlecht ausgelastete Flugzeuge. Aber eben nicht für Ryanair.
Für seine Argumentation hat O'Leary sich einen Experten an die Seite geholt. Jan Veldhuis gehört der Organisation "Amsterdam Aviation Economics" an; O'Learys Pressesprecherin bezeichnet Veldhuis als "Analysten der Flughafenindustrie". Veldhuis beschreibt am Beispiel der Niederlanden, was eine Flugsteuer anrichten kann. Ein Jahr lang gab es im Nachbarland die "Eco-Tax", bis diese wieder abgeschafft wurde. Die Passagierzahlen waren nach unten gesackt, die niederländische Wirtschaft spürte die Auswirkungen. Auch Irland hat eine solche Steuer eingeführt, im vergangenen Jahr fielen die Passagierzahlen um 13 Prozent. Ähnliches prophezeit O'Leary Deutschland – und damit auch den Umsätzen seines Unternehmens. Kommt die Steuer, würden Fluggäste in die Nachbarländer ausweichen, glaubt der Unternehmer. Ryanair zöge sich dann zwar nicht komplett aus Deutschland zurück. Aber die Gesellschaft würde Flugzeuge verlagern und in anderen Ländern stationieren, weil sie in Deutschland nicht mehr ausgelastet wären. Weeze könnte dann statt acht Maschinen nur noch die Hälfte haben.
Die neue Sachlichkeit
O'Leary spricht von Jobverlusten und Einbußen für die Wirtschaft und tut das für seine Verhältnisse ungewöhnlich friedlich. Den Clown, den er sonst gerne gibt, spielt er nicht. Und auch Drohkulissen baut er nicht auf, wie Ryanair es machte und von Abzug redete, als die Betriebszeiten für den Airport Weeze in der Diskussion waren. Das Enfant terrible der Branche trägt Ballacks Rückennummer 13. Als neuer Spielmacher ist Ernsthaftigkeit gefragt.
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