Kreis Kleve: Stopp den Langfingern
VON THOMAS CLAASSEN - zuletzt aktualisiert: 09.03.2007Kreis Kleve (RPO). Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Im Vergleich zum Rest des Landes Nordrhein-Westfalen ist der Kreis Kleve ein sicheres Pflaster. Zahlen aus der Kriminalitäts-Statistik 2006 der Polizei untermauern das.
Nein, der Kreis Kleve ist kein wirklich gefährliches Pflaster. Da täuscht die „gefühlte Unsicherheit“ an manchen Orten dann wohl doch. Ja, hier passieren deutlich weniger Straftaten, sprich, weniger Überfälle, weniger Diebstähle, weniger Einbrüche als anderswo im Regierungsbezirk! Rainer Pannenbäcker, Leiter der Abteilung Gefahrenabwehr und Strafverfolgung bei der Kreis-Polizei, machte gestern keinen Hehl daraus, dass er „ausdrücklich stolz“ sein auf die Leistung, die „seine“ Beamtinnen und Beamten geleistet hätten im vergangenen Jahr:
Quote besser als im Land
„Bei der Aufklärungsquote insgesamt liegen wir mit 56,2 Prozent um sechs Prozentpunkte besser als der Landesdurchschnitt. Die Gewaltkriminalität ist rückläufig, die Zahl der Wohnungseinbrüche stark zurück gegangen“, sagte Pannenbäcker während eines Pressegesprächs zur Vorstellung der Kriminalitäts-Statistik.
Noch ein paar Zahlen
Eine deutliche Zunahme gab es im vergangenen Jahr im Kreis Kleve lediglich bei den Vermögens- und Fälschungsdelikten. Der Polizei wurden 2852 Fälle bekannt. 2005 waren es 3423. 171 Sexualstraftaten wurden bekannt – acht Prozent weniger als 2005. Zum Rückgang im Bereich Straßenkriminalität hat, so der zuständige Dezernent Heinz Vetter, aller Wahrscheinlichkeit nach auch die Aktion „Angsträume“ beigetragen. Sie führte zum Beispiel dazu, dass im Bereich eoc. stärker kontrolliert wurde.
Zwei Zahlen zum Vergleich: Im Jahre 1992 wurden 1232 Einbrüche bei der Polizei angezeigt – im vergangenen Jahr waren es 473. Ebenso deutlich ist der Rückgang bei der Straßenkriminalität: 1995 gab es mehr als 10 000 Vorfälle à la Raub oder Schlägerei – im vergangenen Jahr noch gut 7000. Ein Ergebnis auch der vorbeugenden Arbeit? „Bestimmt“, sagte Pannenbäcker. Exakt 24 010 Straftaten wurden der Polizei vergangenes Jahr im Kreis Kleve bekannt. Dazu zählen allein 10 600 Diebstähle. Von den 587 Fällen aus dem Bereich der Gewaltkriminalität wurden 82 Prozent aufgeklärt. Ein guter, ein auffällig guter Wert. Im Landesdurchschnitt liegt hier die Aufklärungsquote gerade mal bei 73 Prozent. Wer sich im Kreis Kleve an einem anderen Menschen vergreift, der kann davon ausgehen, dass er aller Wahrscheinlichkeit nach dingfest gemacht wird. „Ich betrachte das auch als eine Art von Vorbeugung“, betonte Pannenbecker gestern vor der Presse. Nimmt man aus dem Bereich der Gewaltkriminalität die Körperverletzungen, sprich, Prügeleien und Misshandlungen, als Beispiel, sieht die Bilanz der Polizei noch besser aus. Fast 92 Prozent der Täter wurden ermittelt, auf Landesebene sind’s fünf Prozent weniger.
Wasser im Wein
Ein paar Tropfen Wasser goss Pannenbecker dann doch noch in den Wein. Im Kreis Kleve wurden auch 2006 wieder wesentlich mehr Fahrräder als anderswo gestohlen (was angesichts der Zahl der Drahtesel hier ja auch kein Wunder ist), im Bereich Autodienbstähle ist der Kreis kein sichereres Pflaster als andere Regionen des Landes. Da macht sich die Nähe zu den Niederlanden bemerkbar. Und auch in diesem Bereich sieht der Kreis Kleve schlechter aus als andere Regionen: Die Zahl der ermittelten Straftäter, die Heranwachsende (also 18 bis 21 Jahre alt) sind, ist überdurchschnittlich hoch. Erklärung? Gibt es. Gerade hier, entlang der deutsch-niederländischen Grenze, werden viele Rauschgiftkonsumenten oder -händler aufgegriffen. Und von denen stammen besonders viele aus just dieser Altersgruppe.
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