Niederrhein: Thomas Baumgärtel: Banane als Sinnbild des Lebens
VON UWE PLIEN - zuletzt aktualisiert: 30.07.2010 - 14:20Niederrhein (RPO). Der aus Rheinberg stammende Thomas Baumgärtel ist der "Bananensprayer". Markenzeichen des renommierten Aktionskünstlers ist die aufgesprühte Banane, mit der er bisher rund 5000 Kunst-Gebäude weltweit "geadelt" hat.
Die Kulturkneipe "Schwarzer Adler" in Rheinberg-Vierbaum hat eine aus alter Verbundenheit, und das Rheinberger Hifi-Geschäft Komossa ebenfalls: eine Banane vom Bananensprayer Thomas Baumgärtel. Gelb mit schwarzer Kontur, mit Farbe auf die Hauswand gesprüht. Und an vielen, vielen anderen Gebäude mit kulturellem Anstrich in aller Welt prangen sie ebenfalls – besonders an Museen. Sogar in Moskau und New York. "An die 5000 werden es mittlerweile wohl sein", sagt Thomas Baumgärtel, der Erfinder dieser fruchtig-farbigen Kunst-Marke. Der bald 50-jährige Rheinberger, seit vielen Jahren beruflich und privat in Köln zu Hause, hat schon vor langer Zeit den Sprung aus der künstlerischen Illegalität zum renommierten, weltweit geachteten Aktionskünstler geschafft.
Thomas Baumgärtel betreibt eine sehr informative und umfangreiche Internetseite, die Aufschluss gibt über sein Leben und sein Werk.
Eine weitere Seite befasst sich ausschließlich mit dem Großprojekt „Phönix aus der Asche“.
Freie Kunst und Psychologie
Was hat der ebenso sympathische wie gebildete Blondschopf (er hat Freie Kunst und Psychologe studiert) nicht alles für Aktionen auf die Beine gestellt: hat eine Mega-Banane in den Eingang des Kölner Doms gestopft, hat in Wien Straßenbahnen in quietschgelbe, rollende Obstlieferanten verwandelt, hat in Duisburg-Ruhrort eine Bananenhaus-Fassade gestaltet und hat sich unter der Überschrift "Krumme Dinger" im Sträflingsgewand und in Handschellen anlässlich einer Ausstellungseröffnung aus dem Oberlandesgericht Köln abführen lassen.
Auch wenn Thomas Baumgärtel längst auch ohne Bananenfimmel künstlerisch originell sein kann, tolle Sachen malen kann, so hat er die Südfrucht doch für immer zu seinem Kennzeichen gemacht. Sie sei für ihn "zu einem Sinnbild des Lebens, der Sinnlichkeit und des Dialogs" geworden, hat Stephan Mann im Vorwort zum Buch "Thomas Baumgärtel 1997-2007" formuliert.
Dass es ausgerechnet eine Banane wurde, hat mit Rheinberg zu tun. 1983 leistete der damals 22-Jährige Zivildienst im katholischen St.-Nikolaus-Krankenhaus. "Ein Holzkreuz war leer, der Korpus fehlte, er war abgefallen und nur ein Nagel schaute aus dem Holz", erinnert sich der Künstler. "Da habe ich die Gunst der Stunde genutzt und meine Frühstücksbanane daran geheftet." Fertig war das erste Bananenprojekt, das ihm reichlich Ärger einbrachte, aber wie eine Initialzündung wirkte. Seit 1986 bringt Baumgärtel sein Signet offiziell auf. Im nächsten Jahr also seit 25 Jahren.
Seit fast zwei Jahren nun ist der Bananensprayer mit dem Projekt "Phönix aus der Asche" befasst. Thomas Baumgärtel hat angeboten, den Wandel des Ruhrgebiets in eine Kulturregion mit einer bisher größten Banane aus Stahl auszuzeichnen und ein bleibendes Zeichen zu setzen, dass das Ruhrgebiet 2010 Europäische Kulturhauptstadt war. Die Stadt Dortmund hat als Standort für die 30 Meter große Skulptur den Hochofen 5 auf dem Gelände Phoenix-West in 65 Meter Höhe angeboten. Der Rheinberger: "Die Genehmigung dafür habe ich, wenn auch erst einmal bis zum Ende des Jahres befristet. Dass es noch dauert, liegt am Geld." Die Hoffnung hat der 49-Jährige noch nicht aufgegeben. "Ich glaube fest daran, dass die Aktion ein krönender Abschluss des Kulturhauptstadtjahres werden kann."
Immer noch oft in Rheinberg
Zu Rheinberg hat Baumgärtel immer noch eine innige Beziehung. "Meine Eltern wohnen dort, ich besuche sie oft. Und kürzlich gab es erst ein Klassentreffen 30 Jahre nach dem Abitur am Amplonius-Gymnasium." Im Gespräch ist er auch mit der Stadt Rheinberg. Für die Local-Heroes-Woche im November soll er eventuell eine Skulptur fertigen. Ihm schwebe vor, eine Kombination aus Ideellem und Nützlichem zu schaffen. Baumgärtel: "Vielleicht eine Banane als Spielgerät für Kinder vor dem Stadthaus." Das würde zur "privaten Umbruchphase" passen, wie er sagt. Denn erst vor etwas mehr als zwei Wochen ist Baumgärtel zum ersten Mal Vater geworden. Lenn heißt sein Sohn. "Eine ganz neue Erfahrung", schwärmt der Künstler.
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