Kalkar: Tibet-Traum platzte
VON SABRINA TILGNER - zuletzt aktualisiert: 26.06.2008Kalkar (RPO). Weltenbummler Norbert Bergmann wollte erstmals nach Tibet und damit einen Schwur brechen. Doch der 70-jährige hatte Pech. Ausländern wurde die Einreise verweigert. Stattdessen lernte er die Grenzregion kennen.
Norbert Bergmann hatte sich geschworen, erst dann nach Tibet zu reisen, wenn es unabhängig von China ist. Sein Gelübde, das er vor der tibetischen Exilregierung in Indien abgelegt hatte, wollte der 70-Jährige jetzt auf seiner Chinareise brechen. Aber: Bergmann, der außer in Westafrika nahezu alle Länder dieser Welt bereist haben will, hatte keine Chance. Die Einreise war seit den Unruhen im März für Ausländer wegen Sicherheitsbedenken der chinesischen Regierung unmöglich, sein Traum platzte.
„Die Polizei verfolgte mich“
Bergmann verkauft Textilien aus China in arabischen Ländern, reist deshalb sechs Monate im Jahr durch die Welt. „Das Reisen ist fast wie eine Krankheit, eine Sucht. Deshalb bin ich mit 70 Jahren noch so viel unterwegs“, sagt Bergmann und zeigt seine 28 Reisepässe voller Einreise-Stempel. Tibet und seine Unabhängigkeit von China liegen ihm besonders am Herzen. Den Dalai Lama, das geistliche Oberhaupt der Tibeter, habe Bergmann sechs Mal in Privataudienzen getroffen.
Jetzt also der Einreiseversuch nach einer zweimonatigen Geschäftsreise durch Burma, wo er indirekt die Überschwemmungen nach Zyklon Nargis erlebte, durch Laos, Vietnam, Korea, Japan und China, eine Woche nach dem verheerenden Erdbeben in der Provinz Sichuan. 1500 Kilometer fuhr Bergmann in zehn Tagen an der tibetischen Grenze entlang auf der Suche nach einem Schlupfloch. „Ich wurde von der Polizei verfolgt, konnte mich nirgendwo länger als 24 Stunden aufhalten“, erzählt er.
So viele Soldaten habe er in der bergigen Grenzregion noch nie gesehen. Dahinter stecke unter anderem die Angst der Chinesen vor den Unruhen in Tibet kurz vor Olympia. „Früher war die Einreise schon schwierig, aber mit Geld konnte man da etwas regeln“, sagt Bergmann. Stattdessen besuchte er in China unter anderem tibetische Mönche im Kloster. „Ich hatte ein Foto von mir und dem Dalai Lama dabei.“ Eine Art Eintrittskarte, mit der sich der dreifache Vater im Kloster frei bewegen konnte. Der erste Schritt in Richtung seines Traumlands Tibet.
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