Kreis Kleve: Türöffnerin ins Leben
VON GESA EVERS - zuletzt aktualisiert: 23.02.2010 - 18:24Die junge Mutter Julia Schemetat macht an der Liebfrauenschule in Geldern eine Ausbildung zur Erzieherin. Die fachliche Theorie nutzt sie als Basis, um für jedes Kind ihre eigenes Konzept zu entwickeln. „Das ist der Reiz”, sagt sie.
Dass Julia Schemetat (27) heute eine Ausbildung zur Erzieherin macht, hat sie einer Art Trotzreaktion zu verdanken. Nach der Geburt ihrer Tochter schrieb die damals 19-jährige Realschulabsolventin eine Bewerbung nach der anderen. Sie wollte Arzthelferin werden. „Aber keiner hat mir zugetraut, Beruf und Kind unter einen Hut zu bringen”, erzählt sie. Nach einer gewissen Zeit war sie es leid. „Ich habe mir gedacht, jetzt zeige ich‘s Euch und mache mein Fachabi in Gesundheits- und Sozialwesen nach”, so die junge Frau aus Kevelaer.
Das neue Ziel
Nach zwei Jahren hatte sie ihren Abschluss in der Tasche und ein neues berufliches Ziel: Erzieherin. Denn zum Lehrplan für das Fachabitur gehört die Arbeit mit Kindern. „Ich habe gemerkt, dass mir das sehr liegt. Nicht nur, weil ich selbst Mutter bin.” Sie bewarb sich an der Fachschule für Sozialpädagogik, einem Bildungsangebot der Liebfrauenschule in Geldern, und ist heute im zweiten von drei Studienjahren.
Ein Ausbildungsvertrag beginnt gemäß Berufsbildungsgesetz mit der Probezeit. Sie muss mindestens einen Monat und darf höchstens vier Monate betragen. In der Probezeit können beide Vertragspartner jederzeit ohne Einhalten einer Kündigungsfrist und ohne Angabe von Gründen das Ausbildungsverhältnis beenden.
Die Ausbildung, die aus Unterricht und regelmäßigen Praktika in Kinder- und Jugendeinrichtungen besteht, ist ein „Full-time-job”, sagt Oberstudienrätin und Dozentin Sigrid Ridderskamp. Da es sich offiziell um ein Studium und nicht um eine Lehre handelt, bekommen die angehenden Erzieherinnen kein Geld.
Lediglich das dritte, das so genannte Anerkennungsjahr in einer Kindertagesstätte, wird vergütet. Doch auch wenn sie sich finanziell strecken muss, ist Julia Schemetat dort angekommen, wo sie hinwollte. „Wir lernen zwar sehr viel pädagogische Theorie, können sie aber selbstbestimmt und individuell umsetzen. Das ist der besondere Reiz.” Wenn ihr ein Kind auffällt, das Hilfe braucht, entwickelt sie ihr eigenes Konzept aufbauend auf den Lehrinhalten.
"Impulssetzung"
Darin findet sich etwa der Begriff der „Impulssetzung”, der schüchterne Kinder durch gezieltes Eingreifen aus der Reserve locken soll. Bei einem Mädchen, das keinen Anschluss fand, hieß Julia Schemetats Impuls „Schminkecke”. „Ich wusste, dass sie sich gern schminkt und verkleidet. Also habe ich ihr ein Tischchen mit Schminke hingestellt und Kleider darum drapiert.” Die Kleine taute auf und sah sich bald umringt von anderen Mädchen. Mit einem hat sich eine dauerhafte Freundschaft entwickelt.
Nach ihrem Abschluss zur „staatlich anerkannten Erzieherin” möchte die junge Mutter weiter in dem Kindergarten arbeiten, in dem sie schon jetzt regelmäßig ihre Praktika absolviert. Ihre Aufgabe sieht sie weniger darin, Kinder in gesellschaftlich gewünschte Bahnen zu lenken, als viel mehr, sie bei kleinen Schritten auf dem Weg zur Eigenständigkeit zu begleiten. „Wenn ein Kind ganz stolz zur Mutter läuft, weil es sich die Schuhe binden kann, und ich habe es ihm beigebracht, dann fühlt sich das einfach toll an.”
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