Niederrhein: Uwe Lyko alias Herbert Knebel: Dem Ruhrpott sein Paradeopa
VON TOBIAS SCHWERDTFEGER - zuletzt aktualisiert: 05.08.2010 - 11:34Niederrhein (RPO). Als Herbert Knebel kennt ihn vermutlich die ganze Republik – Uwe Lyko (56) ist der Mann hinter dem schrulligen Lautsprecher und notorischen Besserwisser. Seiner Heimat, dem Niederrhein, ist er noch immer sehr verbunden.
Ganz Deutschland kennt ihn, den hornbebrillten Prinz-Heinrich-Mützen-Träger (Modell Cord, royalblau mit Eichenlaubstickerei ) und bekennenden Trinkhallensteher Herbert Knebel. Ein Mann mit Nerven aus Drahtseilen und Hosenbeinen aus Polyesterfäden. Das einzige, was ihm überhaupt Angst machen kann, ist die rentnergespickte Schlange vor der Wursttheke – im Knebelschen Fachjargon auch einfach Wurstschlange genannt. Wenn er mal nicht gerade "nackend am Baggerloch" über die Vorzüge eines textilfreien Lebens sinniert ("Nackend ist man ein ganz andrer Mensch, weil man hat ja effektiv nicht so viel an"), dann macht er mit seinen Freunden auch gerne mal einen Ausflug ins "Volkswang"-Museum, gleich um die Ecke vor der Essener Haustür. Der eine oder andere "Pappelo Pikazzo" für im Männerclubheim anne Wand hätte es, fein eingeschlagen in Zeitungspapier, schon sein dürfen. Doch wo Knebel drauf steht, ist nicht Knebel drin. Der Mann hinter dem kultigen Ruhrgebiets-"Oppa" heißt Uwe Lyko, 56, geboren in Duisburg-Neumühl und gelernter Fernmeldetechniker.
Im Fernsehen ist Knebel in der WDR-Sendung Mitternachtsspitzen (immer 21.45 Uhr) zu sehen: am 4. September, 9. Oktober, 6. November und am 18. Dezember. In Moers tritt er mit seinem aktuellen Programm „Ich glaub, ich geh kaputt“, am Donnerstag, 26. August, 20 Uhr, auf. Tickets gibt es an der Stadtinfo, Telefon 02 84 1 14 07.
Als Lyko zehn war, zog er mit seinen Eltern in die Grafenstadt Moers. An der Josefstraße büffelte der kleine Lyko fleißig für den Unterricht, den er zuerst auf der Diesterwegschule, dann auf der Adolf-Reichwein- und zuletzt auf der Maximilian-Kolbe-Schule tapfer über sich ergehen ließ. Die Rolle als Klassenclown habe ihm ohnehin mehr gelegen als die des Musterschülers, sagt er heute. Nach dem Abschluss machte er eine Ausbildung bei der Post in Krefeld und lernte als Fernmeldetechniker Neukirchen-Vluyn und Umgebung vor allem von unter Tage kennen. Nach der Arbeit fuhr Lyko gerne mit dem Rad zum Schwafheimer Meer oder zu den Nieper Kuhlen. Ob ihm dort bereits die Inspiration zu nackend am Baggerloch gekommen ist?
Comedy-Arts-Festival verbunden
Einige Zeit wohnte er noch in einer WG in Moers-Meerbeck, bevor er mit 26 Moers den Rücken kehrte, allerdings nicht für lange. Früh schon trat er beim Comedy-Arts-Festival auf, damals noch nicht als Knebel sondern mit einer Gruppe unter dem Namen "Nik – Notstand im Kabarett". Dem Festival ist Lyko, mittlerweile in Essen wohnend, bis heute treu geblieben, was nicht zuletzt auch mit dem tollen Moerser Publikum zu tun habe, wie er sagt. "Das ist noch ein Stückchen Heimat", schwärmt er von der Grafenstadt, die für ihn tiefstes Ruhrgebiet ist. "Trinkhallensteher? Die gibt es auch in Moers", sagt er. Hinter ihren Essener Kollegen müssten die sich keinesfalls verstecken.
Den Stoff für seine Knebelnummern holt sich Lyko auch schon mal beim Spaziergang durch die Moerser Innenstadt. Berührungsängste hat er dabei nicht. "Wer mich ordentlich anspricht, der bekommt auch ein Autogramm, das ist doch klar", sagt Lyko, der im Gegensatz zur Bühnenfigur nichts von Verkleidung mit Brille und Mütze hält.
Wie unkompliziert sein Verhältnis zu seinen Fans ist, weiß auch Karl-Heinz Theußen vom Moerser SCI. Wer beim SCI in der Telefonwarteschleife steckt, der hört nicht die kleine Nachtmusik, sondern den Knebel vom Band. "Das sind alles große Knebel-Fans beim SCI, die haben mich gefragt und ich hab's gemacht", sagt Lyko über seinen Einsatz als AB-Besprecher.
Mit Rad durch Sonsbecker Schweiz
In seiner Freizeit flieht er gerne zurück in seine alte Heimat. Das Rennrad im Kofferraum, geht es meistens nach Neukirchen-Vluyn und von dort aus mit dem Drahtesel zu ausgedehnten Radtouren am linken Niederrhein, durch die Sonsbecker Schweiz und über Kerken zurück nach Neukirchen. "60 Kilometer pro Tour", sagt Lyko, dessen Bruder ebenfalls eine sportliche Ader besitzt: Er trainiert die Asberger Fußball-Senioren.
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