Kleve: Versessen auf die Schönheit
VON MATTHIAS GRASS - zuletzt aktualisiert: 10.10.2009Kleve (RPO). Coole, elegante Personen haben vom Museum Kurhaus Kleve mit ihrer Lässigkeit Besitz ergriffen, diskutieren in Gruppen oder tanzen übers Bild. Eine große Retorspektive zeigt die plakativen Porträts und Menschenbilder von Alex Katz, die oft wie stille, zeitlose Momentaufnahmen wirken.
Sie sieht ausgesprochen gut aus: die perfekt geschwungenen Lippen exakt mit dunkelrotem Lippenstift nachgezogen, das brünette, volle Haar zum Knoten zurückgebunden. Ihr Gesicht mit den hohen Wangenknochen ist ebenmäßig. Die Schöne hat den Kragen ihres hellgrünen Mantels hochgeschlagen, sie schaut mit großen braunen Augen zurück, hat die Augen geschlossen. Alex Katz hat sie 2004 zwei Mal auf dem Bild porträtiert. "Offene Augen, geschlossene Augen", so auch der Titel des schmalen großen Doppelporträts.
Katz ist versessen auf Schönheit – schreibt Kleves Museumsdirektor Drs. Guido de Werd im Vorwort des Katalogs zur großen Retrospektive des US-Malers, die nach Tampere in Finnland und Grenoble in Frankreich jetzt Station im Museum Kurhaus Kleve macht. Es ist die dritte große Ausstellung in diesem Jahr, die fast das ganze Haus in Anspruch nimmt und auch nur mit den beiden europäischen Partnern zu finanzieren war.
Retrospektive
Die Katz-Retrospektive mit Werken von den 50er Jahren bis heute setzt die Reihe der Ausstellungen mit US-Künstlern im Kurhaus fort – da waren Serra und Tansey, Green und Marden und nicht zuletzt Lucinda Devlin. Jetzt also Katz. Wieder einer der großen Maler seiner Zeit. Jener Maler, der den Durchbruch erlebte, als seine plakativen Frauenbilder 1977 auf riesigen Plakattafeln rund um den Times-Square standen. Der 1927 in Brooklyn, New York, als Sohn russischer Auswanderer geborene Künstler entschied sich fürs Figürliche, für Porträts und Personen, als seine Kollegen in Amerika noch abstrakt und expressiv malten – wie Jackson Pollock. Menschen sind das großes Thema seiner oft eleganten Bilder. Vor allem Porträts. Hier und da eine Landschaft oder eine Stadtansicht. Wie jene, die ein Stück New Yorker Nacht in den Doppelsaal des Klever Museums bringt. Der Mond strahlt durch die Dunkelheit, rechteckig zeichnen die erleuchteten Fenster einen Hauch von Heimat ins dunkle Nichts, geben der Verlorenheit der nächtlichen Szenerie ein bisschen Vertrautheit. Die Straßenlaternen leuchten in Kegeln. "Street Lights" nannte er die Szene. Fast abstrakt wiederum die wunderbar gelb strahlenden Forsythien, die mit ihrer Leuchtkraft einen ganzen Saal des Kurhauses in Beschlag nehmen.
"Es geht mir um die Schaffung einer Art Licht. Wenn die Leute dann das Gefühl dieses Lichtes erfassen, sehen sie es in Form und Farbe, deshalb denken sie, die Gemälde seien sehr bunt", sagt Katz. Das Licht und die Farbigkeit, die immer wieder große monochrome Flächen als Hintergrund formulieren. Wie der blaue Himmel, der in einen etwas dunkleren Streifen am Horizont in die ebenfalls blaue Wasserfläche übergeht. Rechts über der Schulter einer der beiden Personen auf dem Steg vor diesen fast abstrakten Hintergrund ein weißes Segel; wie ein Anker ein giftgrünes Geländer zwischen den beiden. Punkte, die Halt geben, die zeigen, wie strikt die so leicht und licht wirkenden Bildern Katz' komponiert sind, wie ausgewogen sie sind. Katz arbeitet mit seiner Malerei geradezu klassisch, wie Dr. Roland Mönig vom Museum Kurhaus erklärt: Skizzen, Zeichnungen auf Karton, dann das Gemälde auf Leinwand.
Spannend auch die "Cut-Outs", seine Ausschnitte – nur die Personen herausgeschnitten auf schmalem Sperrholz oder auf Alumium treten sie aus dem Bild heraus, werden figürlich, scheinen vor der Wand als vermeintlichem Bildhintergrund zu schweben. Oder sich zum Treff in der Wandelhalle versammelt haben . . .
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