Kleve: Von Kunst und Arbeit
VON MATTHIAS GRASS - zuletzt aktualisiert: 01.03.2011Kleve (RPO). "Günther Zins – schwerelos. Zeichen im Raum" heißt die Doppelausstellung im Museum Goch und im Museum Schloss Moyland. Das Kooperationsprojekt der beiden Museen entstand zum 60. Geburtstag von Zins und wurde jetzt in dessen Atelier vorgestellt.
Kunst ist gefährlich. Denn Kunst ist auch Handwerk. Vor der Skulptur sind sägen, schneiden, schweißen, schleifen angesagt. Der schwerelosen Leichtigkeit geht Arbeit voraus. Günther Zins, der wie kaum ein anderer diese Leichtigkeit der Kunst mit zarten silbrigen Linien auf Wände, in Räume und vor allem in die Natur zeichnet, kann ein Lied davon singen. Sein Finger ist dick mit einer Mullbinde umwickelt. Abgerutscht, sagt er. Mit einem Winkelschleifer, als er "mal eben" eine Kante glätten wollte.
"Das sieht schlimmer aus, als es ist", tröstete er gestern die Besucher in seinem Klever Atelier. Mit anderen Worten: Keine Sorge, bis zur großen Doppel-Ausstellung zu seinem 60. Geburtstag im Sommer in Goch und Moyland ist die Arbeit getan. Dann wird die Leichtigkeit in den Park von Museum Schloss Moyland einziehen, werden in den Räumen vom Museum Goch die Wandarbeiten die Perspektive verwirren, wird Zins dort einen Raum einrichten und wird man unterm Dach nicht nur seine Bildhauerzeichnungen sehen. In Moyland werden 18 Skulpturen im Park zu sehen sein, sechs davon eigens für diese Ausstellung gemacht.
Katalog
Der Katalog ist ein Gemeinschaftsprodukt der beiden Häuser und wird vom Gocher Haustypographen gestaltet. Er soll auch eine Werkübersicht über das Werk von Günther Zins bieten.
Wer eine der beiden Ausstellungen besucht und dort einen Katalog kauft, soll dazu eine Freikarte für die andere Ausstellung bekommen.
Doch bevor es heißt "Schwerelos. Zeichen im Raum" (so der Titel der Doppelausstellung) kommt die Arbeit. Es ist Präzision angesagt. Wie bei einer Pyramide, die für den Moyländer Park entstehen soll. Die Kantenlänge dieser zwischen den Bäumen schwebenden Skulptur liegt bei drei Metern, die Höhe ist fünf Meter. Die Ecken sind bereits gearbeitet, stehen auf dem Boden des Ateliers. Über sie werden später Edelstahlrohre geschoben und verschraubt. Rohre, die exakt auf Gehrung geschnitten werden müssen. "Montiert wird eine so große Arbeit erst vor Ort", sagt Zins.
Kein Wasser
An einer anderen Skulptur müssen die dünnwandigen Rohre noch verschweißt werden. "Das ist eine Skulptur für den Außenraum, da darf kein Wasser in die Rohre laufen", sagt Zins. Sorgfalt ist angebracht – nicht nur wegen des Wassers. Die perfekte Leichtigkeit funktioniert eben auch über die penible Ausarbeitung der einzelnen Elemente, die sich zum Ganzen fügen. Das gilt vor allem für die schlanken Edelstahlstäbe, die sich zu Würfeln, Quadern oder Tetraedern, zu geometrischen Formen fügen.
In Moyland und Goch ist man stolz auf die Zusammenarbeit der von Gochs Museumsleiter Dr. Stephan Mann und von Dr. Barbara Strieder, Museum Schloss Moyland, kuratierten Ausstellung. "Wir sind in der Lage zusammenzuarbeiten", sagte Mann gestern. Man freue sich sehr über das Projekt und die Kooperation laufe hervorragend. Das bestätigte auch Moyland-Sprecherin Sophia Tuchard. Man werde künftig weiter auf Kooperationen setzen – auch mit anderen Häusern.
Doch zuerst folgt die große Zins-Ausstellung, zu der es auch eine Führung mit dem Künstler durch die beiden Häuser gibt. In Goch werden die Arbeiten bis 25. September, im Moyländer Park bis 6. November zu sehen sein.






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