Kleve: Von Minne und Mauser
VON MICHAEL BAERS - zuletzt aktualisiert: 26.05.2009Kleve (RPO). An der Hohen Mühle bekamen die Zuschauer eine gelungene Mischung aus Falknerei und mittelalterlichen Wettkämpfen geboten. Die Ritterspiele sollen zu einem festen Termin im Uedemer Kalender werden.
UEDEM Zuvörderst galt es noch, einer Edelfrau den geforderten Wegzoll in klingender Münze auszuhändigen, um dem fahrenden und in diesem Fall vor allem kämpfenden Volke Ehrerbietung erweisen zu können; gleich ob Mann oder Weyb, Bürger oder Bettler, Uedemer oder Herbeigereister. Fortan war es den Besuchern der zweiten Ritterspiele rund um die Hohe Mühle am Wochenende gestattet, sich zum Schauplatz zu bewegen und Augenzeugen des dargebotenen Spektakels zu werden.
Duell in vollem Galopp
In der Arena verbeugt sich der Held ein letztes Mal vor dem Publikum, während das Pferd bereits unruhig an einem Ende der Tjostbahn vor- und zurückläuft. Dann klappt er sein Visier runter und das Gesicht verschwindet hinter dem silbrig glänzenden Metall. Der Griff um die mehr als drei Meter lange Lanze wird fester und zeitgleich mit dem Erklingen seines Kampfschreis gibt er seinem Pferd das Kommando zum Galopp. Die Zuschauer halten den Atem an und wenige Sekunden später prallt die hölzerne Lanze mit einem dumpfen Knall auf das Schild seines Gegners und zersplittert. Somit hat der große Favorit das Turnier tatsächlich gewonnen und badet im wohlverdienten Applaus.
Viele hundert Zuschauer erlebten an diesem Wochenende das Finale der Tjost, des wohl bekanntesten mittelalterlichen Zweikampfes hoch zu Pferde, der Ruhm und Ehre für den Triumphierenden bedeutete. Rittermärkte und -spiele liegen absolut im Trend, und die Besucher, die zum Teil der hohen Minne wegen sogar über die niederländische Grenze nach Uedem gereist waren, bekamen einiges geboten. Nicht nur die Tjost, sondern auch andere Disziplinen wie Ringstechen, Stafettenreiten durchs Feuer und die Schwertschaukämpfe sorgten für große Begeisterung. Sogar ein Heerlager vermittelte einen kleinen Eindruck vom ritterlichen Alltag.
Ebenfalls eine besondere Attraktion war die Greifvogelschau von Wilhelm Schnabel (von der Greifvogelauffangstation des Kreises Kleve). Die Besucher erfuhren viele interessante Dinge über Beruf und Tier. "100 Stunden Training braucht ein Greifvogel, bis er so weit ist, um vor Publikum aufzutreten", so Schnabel, der seit 26 Jahren mit den Tieren arbeitet und für die Ritterspiele von der Eule bis zum Adler Vögel verschiedener Größen mitgebracht hatte. Ebenso geduldig wie ausführlich beantwortete er Fragen nach der Mauser (dem Gefiederwechsel), dem Geschirr des Vogels und der langen Tradition des Berufs, während die Tiere im Schatten der Bäume die Besucher aufmerksam beobachteten. Bei wolkenlosem Himmel und sommerlichen Temperaturen hatten die Vögel es nämlich deutlich kühler als die Ritter auf dem Kampfplatz.
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