Kreis Kleve: Warm ums Klever Herz
VON MATTHIAS GRASS - zuletzt aktualisiert: 18.11.2006Kreis Kleve (RPO). Was der Wanderer zwischen den Welten vor rund 150 Jahren schrieb, könnte auch ganz aktuell sein – erzählt er doch von der Stadt „Cleve, die eine ganze holländische Kolonie beherbergt“. Das tut sie heute auch wieder. Doch jener Wanderer, für den Kleve eine der schönsten Städte Deutschlands war, wandelte zu Koekkoeks Zeiten durch die Schwanenstadt, die „an und auf dem Berge liegt, die letzte Stadt echt deutscher Physiognomie“. Immer wieder kommt der Mann aus dem Badischen, Wilhelm Heinrich Riehl, über diese Stadt ins Schwärmen. So sehr, dass jedem Klever warm ums Herz wird.
Dr. Thomas Maier hat diesen Journalisten, Wanderer und schließlich Rektor der heutigen Elite-Uni München für den neuen Kalender für das Klever Land auf das Jahr 2007 ausgegraben. Dabei hat der Kalender wieder viele Geschichten gesammelt, bei denen nicht nur den Klevern warm ums Herz wird. „Ich mag ja besonders die Naturbeschreibungen“, sagte Kreisdirektor Wolfgang Spreen gestern bei der Vorstellung des Kalenders im Kreishaus. Dort überreichte ihm Verleger Heinz Sack, in dessen Boss-Verlag der Kalender seit „Menschengedenken“ – genau seit 1951 – erscheint, eines der druckfrischen Exemplare. „Lachsrot“ wird der in Apricot-Farben gehaltene Kalender beschrieben, dessen Titelblatt die St. Markus-Kirche Bedburg ziert, so Wilhelm Diedenhofen gestern bei der Vorstellung.
Kreis-Unterstützung
Der Kalender für das Klever Land auf das Jahr 2007 erscheint in einer Auflage von 4.000 Exemplaren. Die Herstellung des Heimatkalenders wird seit 1975 mit jährlich 6.650 Euro vom Kreis Kleve unterstützt. Das 256-Seiten starke Buch erschien beim Boss-Verlag und kostet 9,80 Euro.
Spreen bedankte sich nicht nur für den Kalender. Er lobte ausdrücklich das Engagement der Redaktionsmannschaft – Wiltrud Schnütgen, Wilhelm Diedenhofen, Hans Joachim Koepp und Bert Thissen –, die aus fast 100 eingereichten Artikeln schließlich die 50 von 40 Autoren aussuchten, die die Seiten 1 bis 256 des Kalenders füllen.
„Doch das Beste ist: Man muss nicht von Seite 1 bis 256 lesen – man kann immer wieder zum Kalender für das Klever Land greifen“, so Spreen. Stimmt: Und dabei immer wieder Geschichten aus diesem Land finden. Wie die von Helga Ullrich-Scheyda und ihrem Bericht über das Augustinerinnenkloster, auf den Wiltrud Schnütgen verwies. Zumal wenn es um die Missstände im Kloster geht . . .
Erheblich kürzer in der Textmenge, aber nicht weniger interessant erzählt Kleves Museumsdirektor Drs. Guido de Werd vom Porträt Herzog Wilhelms des Reichen aus dem Jahr 1591 vom Maler Johann Malthan, der am 30. Oktober 2002 als ein „unbekannter älterer Herr“ bei Sotheby’s in London versteigert wurde. Den Zuschlag erhielt der Freundeskreis Museum Kurhaus Kleve. Natürlich fehlen auch nicht die Mundartbeiträge, diverse Gedichte oder die Geschichte der zerstörten Gymnasien nach dem Krieg in der Klever Kaserne. „Ein Buch, wie gemacht für den Klever Gabentisch“, urteilte Spreen.
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