Kreis Kleve: Wen die Reiselust packt
VON BIANCA MOKWA - zuletzt aktualisiert: 16.10.2009Kreis Kleve (RPO). An einem ganz normalen Ferientag wie gestern werden am Airport Weeze rund 10 000 Passagiere abgefertigt. Im Terminal ist es rappelvoll. Der Airport rechnet mit 70 Prozent mehr Reisenden als im vergangenen Jahr.
"Kann ich gleich noch schnell was essen?", fragt der zehnjährige Lars besorgt. Er und seine vierköpfige Familie stehen in einer der zahlreichen Schlangen zur Gepäckabfertigung im Airport Weeze.
Die Familie Ropohl aus Düsseldorf nutzt die Herbstferien, um ihre Verwandten in Pisa zu besuchen. Früher sind die Rheinländer von Frankfurt-Hahn aus in den Süden geflogen.
Von Weeze fliegen sie zum ersten Mal. Irgendwer hat sie über Kaldenkirchen nach Weeze geschickt. Eine bessere Beschilderung hätten sie sich auf dem Weg hierhin gewünscht. Ansonsten lief alles bestens bei der Urlaubsorganisation: Für die paar Tage Ferien wurde der Hund in die Pension gegeben, und auf die Katze passt der Nachbar auf.
Armband gegen Übelkeit
"Hätten wir nicht schon Übergepäck, hätte ich noch Quark mitgenommen", erzählt Mutter Birgit in Urlaubsstimmung. Quark gebe es genau sowenig in Italien wie die schicken Armbänder ihrer Söhne. "Das sind Akupressurarmbänder aus Amerika. Die helfen wirklich gegen Reiseübelkeit", erklärt der achtjährige Jann. Er freut sich darauf, in Pisa seinen neunten Geburtstag zu feiern. Und darauf, den Turm zu sehen, den schiefen.
Reiselust verspürt Margot Deppe immer dann, wenn sie den Flughafen betritt. Tochter Laura schiebt den vollgepackten Trolli. Die Familie aus Issum wird im Garten der Schwiegereltern in Verona Bäume pflanzen. "Oder wir fliehen vor der Kälte", sieht die zehnjährige Luisa einen weiteren guten Grund, um in den Herbstferien gen Süden zu reisen.
"Fliegen ist ja auch billiger als Zugfahren", erklärt sich Laura den Nutzen einer Flugreise. Flugangst verdrängt die 47-jährige Margot Deppe einfach. Keine richtige Urlauberin ist hingegen die 35-jährige Marva Schreiber. Sie ist ständiger Ryanairkunde, seit sie eine Fernbeziehung hat. Ihre große Liebe wohnt in Mailand.
Für 35 Euro hat sie Hin-und Rückflug ergattert. Um die Beziehung zu pflegen, setzt sie sich alle zwei Wochen in den Flieger. Bis Ende des Jahres hat sie im Voraus gebucht. Mit ihrem Koffer eilt sie zu ihrem Freund, den sie in gut drei Stunden treffen wird.
Wer nicht ganz so viel Flugerfahrung hat, ist bei Susanne Ertmer am Informationsstand im Flughafen gut aufgehoben. "Sprechen Sie Holländisch?", fragt ein reiselustiger Niederländer. Fließend gibt Ertmer Auskunft, wo denn das Ticket im Internet auszudrucken ist. Ein anderer Fragender will wissen, wo sein Auto steht.
Das kann die 25-Jährige am Parkticket erkennen. "Tagtäglich kommen neue Fragen hinzu", berichtet Ertmer über ihre Arbeit. Viel Kundenkontakt hat zurzeit auch Agnes Zahir vom Reisebüro Last-Minute-Joy. Braungebrannt, da sie gerade drei Wochen Thailand hinter sich hat, verkauft sie kurzfristig Wunschziele. Die Nachfrage sei groß, vor allem die Kanaren und Ägypten seien beliebte Herbstferienziele. Holger Terhorst, Sprecher des Airports, rechnet an einem Tag wie gestern mit 10 000 Passagieren.
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