Kleve: Wen interessiert eigentlich Software?
VON ULLI TÜCKMANTEL - zuletzt aktualisiert: 15.01.2007Kleve (RPO). In der Diskussion, welche Software in den Rathäusern künftig für die kaufmännische Buchführung eingesetzt werden soll, und ob mit oder ohne KRZN, würde sich die Mehrheit der lokalpolitischen Akteure lieber heute als morgen mit erhobenen Händen ergeben und den Deckel auf die Akte knallen.
Software ist ein ausgemacht ödes Thema. Was für Leute, die schon in der Schule viel Technik, aber keine Freunde hatten, in Langweiler-Jobs in noch langweiligeren Firmen hocken und so unterhaltsam sind wie ihre vertrockneten Büropflanzen. Diese Haltung ändert sich immer dann schlagartig, wenn Software nicht funktioniert. Was zuhause bloß ärgerlich ist („Windows-Fehler! Okay?“), kann Städte an den Rand den Ruins und Bürger in den Nervenzusammenbruch treiben. Das KRZN und die vom ihm angepriesenen Softwarelösungen sind in dieser Hinsicht führend: So fehlten zum 31. Oktober der Düsseldorfer Stadtkasse 45 Millionen Euro. Davon entfielen zehn Millionen Euro auf Müllabfuhr- und Straßenreinigungsgebühren.
Ohne Müll- und Kehrgeld ist das eine hausgemachte Minus-Steigerung um 20 Prozent gegenüber 2005. Erklärung der Düsseldorfer Stadtverwaltung: Der Anstieg sei auf die Einführung des Softwaresystems Kirp zurückzuführen, auch im Finanzdezernat. Die Entscheidung wird in Düsseldorf als „verhängnisvoll“ eingestuft, die Folgen sind dramatisch. Das Geld fehlt, die Verwaltung ersäuft in Arbeit. Derzeit werden in der Landeshauptstadt Großbeträge per Hand (!) gemahnt und vollstreckt, nur Kleingeld vertraut man der neuen Kassensoftware an.
Zur Eintreibung etlicher Gebühren wird in Düsseldorf mit so genannten Vorverfahren experimentiert, an deren „Entwicklung“ seit neun Jahren das KRZN mitschraubt (Kosten bisher: knapp 18 statt 6,7 Millionen Euro) – eine einzige Katastrophe. Im Sommer 2006 bekamen rund 14 000 Düsseldorfer Post: Die Stadt forderte aufgrund eines „Softwarefehlers“ Geld für Knöllchen ein, die bereits im Jahr 2003 geschrieben wurden. Betroffen sind jedoch fast alle Lebensbereiche – mit unzumutbaren Konsequenzen für die Bürger. So wurden in einigen Fällen seit über zwei Jahren die Kindergartengebühren nicht mehr eingenommen.
Die Folge: Sobald die Verwaltung sich bis zur entsprechenden Forderung durchgearbeitet hat, wird sie das Geld auf einen Schlag eintreiben. Weil das unrealistisch ist, steigt der Aufwand für Raten-Zahlungen und Schriftverkehr um ein Vielfaches...
Wie gesagt: Software ist ein Langweiler-Thema. Nur leider eben eines, von dem in der öffentlichen Verwaltung nicht weniger als der komplette Haushalt und der Gebührenverkehr mit allen Bürgern abhängt.
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