Kleve: Wen(n) das Meer lockt
VON GABRIELE KRAFFT - zuletzt aktualisiert: 19.07.2010Kleve (RPO). Abenteuer auf zwei Rädern verspricht das 16-tägige Projekt Zielpunkt Meer. In diesem Jahr machen sich 40 Kinder und acht Betreuer auf den Weg nach Norderney. Start war Samstag in Kevelaer.
goch / uedem / KEVELAER Dem Wasser entgegen: Von dem wird die Truppe auch unterwegs einiges verbrauchen. Immerhin sind rund 600 Kilometer zu bewältigen, bevor die Radfahrer ihre Füße in die Nordsee tunken können. Im Schnitt werden täglich 60 Kilometer geschafft, bevor die nächste Herausforderung lockt: Wo schlagen wir heute Abend unsere Zelte auf? Wenn man das um 21.30 Uhr immer noch nicht weiß, ist Abenteuer pur angesagt.
Kein Handy, kein Fernseher
Das hat System und ist Teil des pädagogischen Projekts, nämlich "unsere reizüberfluteten Kinder für zwei Wochen aus dem sonst so durchorganisiertem gesellschaftlichen Kontext zu reißen", betont Thomas Binn, Projektleiter und Vorsitzender des Vereins Zielpunkt Meer. "Kein Handy, kein Fernseher und nicht wissen, wo man abends schläft. Dafür gemeinsam ein Ziel erreichen, zusammen kochen, essen und schlafen, Sozialkompetenz und Körperwahrnehmung stärken und fördern." Hier muss jeder überall nach seinen jeweiligen Fähigkeiten mit anpacken
Internet
Die einen radeln, die anderen schauen zu:
Über die interaktive Web-Site www.zielpunkt-Meer.de können die Teilnehmer(innen) von unterwegs ihre Lieben daheim über Texte, Bilder und selbst gedrehte Videos an ihrem Abenteuer teilhaben lassen.
Das funktioniert. Und kommt an. So gut, dass in diesem Jahr mit 40 Jungen und Mädchen wegen enormer Nachfrage die bislang größte Gruppe unterwegs ist. Die Zehn- bis 14-Jährigen kommen aus Goch, Uedem, Kleve, Kevelaer, Bedburg-Hau und Xanten, etliche sind bereits als "Wiederholungstäter" dabei. Dank finanzieller Unterstützung einiger Sponsoren (Sparkasse Goch-Kevelaer-Weeze, Sparkassenstiftung Kleve, Lidl-Pfandspenden-Projekt, Kevelaerer Tafel) konnte die Ausstattung der Radler deutlich verbessert werden: "Wir haben jetzt ganz hochwertige Zelte, die Kinder brauchten keine eigenen mehr mitbringen", freut sich Binn. Insgesamt acht Zelte samt Zubehör, inklusive eingefrorener Suppenspenden von Eltern für den ersten Abend und Gepäck werden im Bulli transportiert. Den fahren bis auf den "Projekt-Chef" jeweils zwei Betreuer abwechselnd.
Viel Gepäck haben die Radler nicht dabei. "Regen- und Schwimmsachen sind das Wichtigste, natürlich ein gutes, verkehrssicheres Fahrrad, Fahrradhelme für Kinder und Betreuer."
Die Tauglichkeit des Transportmittels wird durch Zweirad Peters in Kevelaer sichergestellt, der vor Antritt der Reise alle Fietsen kostenlos durchcheckte. "Wir sind inzwischen ziemlich professionell unterwegs", hat Binn festgestellt. Bei der Quartiersuche haben sich vor allem hilfsbereite Sportvereine, möglichst in ganz kleinen Orten, auch der sanitären Anlagen wegen als gute Adresse erwiesen. Video- und Fotokamera sind ebenfalls mit an Bord, außerdem haben "dusch- und schwitzfeste" Notfallarmbändchen mit Telefonnummer die obligatorischen Kärtchen abgelöst.
Zurück mit der Bahn
Im Internet lässt sich der Weg nach Norderney daheim am Bildschirm sogar über einen eigenen Youtube-Kanal verfolgen. Elf Tage wird die Truppe unterwegs sein, dann gibt's vier Tage zum Erholen auf dem Jugendherbergszeltplatz in den Dünen von Norderney. Zurück an den Niederrhein geht es am 1. August. Mit der Bahn.
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