Kleve: Wenn die Schule Stress macht
zuletzt aktualisiert: 05.01.2010 - 10:06In einer Serie stellt die RP die Schwerpunkte der Caritas-Beratungsstellen vor und sammelt Expertentipps für Probleme von Kindern, Jugendlichen und Familien. Psychologin Brigitte Fletcher berät bei Schulproblemen.
"Mach deine Hausaufgaben", sagt die Mutter. Paul reagiert aber nicht. "Fang jetzt endlich an", wiederholt die Mutter ihre Aufforderung. Aber nichts passiert. "Wenn du nicht sofort mit den Hausaufgaben beginnst, dann darfst du heute nicht fernsehen", droht die Mutter. Wenn Paul jetzt den Hausaufgabenstart noch weiter hinauszögert, verliert die Mutter zunehmend die Geduld, sie fühlt sich ohnmächtig und reagiert vielleicht mit Schreien oder Schimpfen.
Szenen wie diese kennen viele Eltern. "Hausaufgaben sind ein Thema, an dem sich häufig Konflikte zwischen Kindern, Eltern und Schulen entzünden", sagt Brigitte Fletcher von der Familienberatungsstelle des Caritasverbandes Kleve. Manchmal geht es dabei wirklich um die Hausaufgaben, manchmal sind diese jedoch Austragungsort für andere Konflikte. Die Ursachen sind sehr vielschichtig. "Es gibt die Trödler, die ihre Hausaufgaben immer wieder vor sich herschieben, die scheinbar Hilfsbedürftigen, die wollen, dass die Mutter ihnen immer hilft und es gibt Schüler, die sich emotional vernachlässigt fühlen und deshalb über die Hausaufgaben Aufmerksamkeit einfordern", weiß die Diplompsychologin.
Tipps für Eltern
Das Bemühen sehen und nicht nur die Noten.
Nicht schimpfen bei schlechten Noten, das hilft nicht.
Auch kleine Fortschritte erkennen.
Nicht nur die schlechten Noten merken.
Leistungen in Nebenfächern nicht herabsetzen.
Nicht mit Besseren vergleichen.
Hinweise auf eigene Schulzeit unterlassen.
Nicht das Kind vor Dritten mit schlechten Noten erniedrigen.
Nicht nur über die Schule sprechen.
Fletcher sucht nach Ursachen
Wie Eltern ihre Form der Unterstützung verbessern können, ist ein zentrales Thema in den Beratungen, die auch Lern- und Arbeitsstrategien für den Schüler mit einschließen. Zur Beratung kommen Grundschüler genauso wie die Schüler von weiterführenden Schulen. "Es geht dabei nicht immer nur um Hausaufgaben. Manche Eltern kommen, weil ihre Kinder wegen der Schule über Bauch- oder Kopfschmerzen klagen, aber auch Konzentrationsprobleme, Prüfungs- und Leistungsängste oder Schwierigkeiten im Sozialverhalten sind häufige Beratungsanlässe."
Psychologin Brigitte Fletcher sucht mit den Beteiligten die Ursachen. Und das können auch mal ADHS (Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom), schulische Über- oder Unterforderung, oder Teilleistungsstörungen wie Dyskalkulie (Rechenschwäche) oder Legasthenie (Lese- und Rechtschreibschwäche) sein. Am Ende der Beratung kann die Expertin Eltern, Schülern und Lehrern individuelle Hilfen und Lerntipps geben. "Gerade wenn Lerntherapien oder Förderung gefragt sind, sind die Schulen wichtige Ansprechpartner", sagt Fletcher. In vielen Fällen werden Schulprobleme zu Familienproblemen. "Lernprobleme belasten das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern in einem außerordentlich hohen Maße. Viele Eltern machen sich Sorgen um die schulische Entwicklung ihrer Kinder und geraten sehr unter Druck, wenn ihr Kind in der Schule Lernschwierigkeiten hat", sagt sie.
Zwei Dinge sind ihr sehr wichtig, um die Probleme zu entschärfen: Eltern sollten den schulischen Bewertungen keinen so hohen Stellenwert beimessen. Das Kind ist nicht nur ein Schulkind, es ist Sohn, Tochter und vieles mehr. Das Wichtigste ist aber: "Probleme sollten frühzeitig angegangen werden." Sonst könnte das Kind sogar depressiv werden und die Lust verlieren, zur Schule zu gehen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







