Niederrhein: Werth – Erfolgsstory im Sattel
VON RENE PUTJUS - zuletzt aktualisiert: 06.08.2009Niederrhein (RPO). Auf "Gigolo" startet eine junge Amazone aus Rheinberg Anfang der 90er-Jahre eine Bilderbuch-Karriere. Heute ist Isabell Werth die weltweite erfolgreichste Dressurreiterin. Derzeit steht eine Doping-Sperre im Raum.
Es war der Auftritt im Viereck am 30. Mai 2009 bei einem Turnier in Wiesbaden, der ihr soviel Ärger und Kummer einbrachte. Ein Vorfall, der so gar nicht hineinpasst in ihre eindrucksvolle Erfolgsvita mit Olympiasiegen und WM-Titeln. Es war ein Schlag ins Kontor. Plötzlich sah sich Isabell Werth, die weltbeste Dressurreiterin, mit Dopingvorwürfen konfrontiert. "Whisper", eines der Nachwuchspferde aus dem heimischen Stall in Rheinberg, war positiv auf das verbotene Beruhigungsmittel Fluphenazin getestet worden.
Ein Schock. Doch die Fans halten zu ihr, glauben der 40-Jährigen, dass sie eine Weiße Weste hat, wie sie anschließend beteuerte. Wann die Bilderbuchkarriere, die 1991 mit den Goldmedaillen bei der Deutschen und kontinentalen Meisterschaft ihren Anfang nahm, allerdings weitergeht, steht derzeit nicht fest. Eine Sperre steht im Raum, die Internationale Reiterliche Vereinigung hat ihr Urteil noch nicht getroffen. Werth will ohnehin pausieren, da sie ihr erstes Kind erwartet.
Der aufmerksame Nachbar: Mitte der 80er-Jahre entdeckte Dr. Uwe Schulten-Baumer das Talent der 17-jährigen Isabell, die damals noch das Springreiten und die Vielseitigkeit favorisierte. Fortan trainierte Werth auf den Pferden des "Doktors", der ihr großer Mentor wurde. Es stellten sich schnell erste Erfolge ein. Auf Fuchswallach "Gigolo" ritt Werth schließlich in den Fokus der breiten Öffentlichkeit.
Zurück im Winterswicker Feld
1992 wurde die Rheinbergerin erstmals Olympiasiegerin, zwei Jahre darauf erstmals Weltmeisterin. Bis 2001 arbeiteten Werth, die mittlerweile als Anwältin tätig war, und Schulten-Baumer zusammen. Es folgte ein kurzer Abstecher nach Mellendorf zu ihrer neuen Förderin Madeleine Winter-Schulze, bevor Werth nach Rheinberg an den elterlichen Hof ins Winterswicker Feld zurückkehrte und sich hier seit 2004 ganz der Reiterei widmet. Im hochmodernen Ausbildungsstall und Zuchtbetrieb genießt auch noch ihr einstiges Top-Pferd "Gigolo" (26), das sich 2000 in den Ruhestand verabschiedete, sein Rentendasein. Dort trainiert Werth mit seinen jüngeren Nachfolgern, "Satchmo" und "Warum nicht", auf denen der Dressur-Queen nach dem Umbruch ein beeindruckendes Comeback und die Rückkehr in der Weltspitze gelang. Trotz der vielen Erfolge und dem Rummel um ihre Person ist Isabell Werth bodenständig geblieben. Kürzlich beim Besuch des Landrates Dr. Ansgar Müller sprach sie Vater Heinrich immer wieder mit "Papi" an und hob seine Arbeit hervor.
Bescheidenheit und Familiensinn haben stets zu der Charaktereigenschaften die fünfmaligen Olympiasiegerin gezählt. Die große Schwester Claudia wohnt mit Ehemann und Kindern nur einen Steinwurf entfernt. Die Vorfreude auf den ersten Nachwuchs der berühmten Rheinbergerin ist im Hause Werth riesengroß. "Dem Wurm geht's gut", teilte die Dressurreiterin am Ende des Müller-Besuchs mit einem glücklichen Lächeln mit. In solchen Momenten sind die Gedanken an eine Doping-Sperre ganz weit weg. Natürlich sei die Situation belastend, gab Werth einen kurzen Einblick in ihre Gefühlswelt.
So oder so: Der Deutsche Meistertitel im vergangenen Juni soll nicht der letzte Triumph im Sattel gewesen sein. So lange es der Körper erlaube, sagt die 40-Jährige, wird der Name "Werth" im internationalen Spitzensport vertreten sein.
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