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Niederrhein: Wilhelm Brinkhoff: Ein Räuber, zwei Geschichten

VON UWE PLIEN - zuletzt aktualisiert: 21.07.2010 - 14:09

Niederrhein (RPO). Wilhelm Brinkhoff ist als Räuber von der Bönninghardt zur Legende geworden. In Hermann Jungs Roman wird er als strahlender Held glorifiziert, die Aufzeichnungen des Polizisten Schild zeigen ihn als skrupellosen Mörder.

Wilhelm Brinkhoff aus Alpen wurde am 13. März 1838 geboren und wurde als "Räuber Brinkhoff" zur Legende.  Foto: Kreß
Wilhelm Brinkhoff aus Alpen wurde am 13. März 1838 geboren und wurde als "Räuber Brinkhoff" zur Legende. Foto: Kreß

Wenn man die Geschichte von Wilhelm Brinkhoff erzählt, muss man zwei Geschichten erzählen. Die eine ist die des strahlenden Helden, des "Schinderhannes vom Niederrhein", des Pendants zum glorreichen Robin Hood.

Dass Wilhelm Brinkhoff, Tischler aus Alpen, geboren am 13. März 1838, zur Legende wurde, ist Hermann Jung zu verdanken. Der Schriftsteller aus Duisburg hat die Moritaten und Streiche jener Tage recherchiert und zusammengestellt und hat ein Buch daraus gemacht: "Die Vogelfreien der Bönninghardt – Räuber am Niederrhein", erstmals 1929 und bis heute in sieben Auflagen erschienen, ist eine echte Räuberpistole. Schön zu lesen, weit von der Realität entfernt.

Info
"Die Vogelfreien"

Das Buch „Die Vogelfreien der Bönninghardt (Räuber am Niederrhein)“ von Hermann Jung ist im Duisburger Mercator-Verlag erschienen.

Es ist derzeit zum Sonderpreis von 4,95 Euro erhältlich.

Das Buch ist gebunden, 208 Seiten stark und hat eine Woche Lieferzeit).

ISBN: 3-87463-283-0

www.mercator-verlag.de

Jung hat die damaligen Verhältnisse in der bettelarmen Bönninghardt verklärt. Hat in seinen Geschichten Brinkhoff mit den Reichen und Mächtigen Katz und Maus spielen lassen; hat den jungen Alpener zu einem gerissenen Helden hochstilisiert, der trickreich und bauernschlau durchs Leben manövrierte und sich der Sympathien der kleine Leute sicher sein konnte, weil er ihnen stets zur Seite stand. Wann immer er Unterschlupf bei den Besenbindern auf der "Hei" zwischen Alpen und Sonsbeck benötigte, bekam er ihn.

Der Polizeibeamte

Die andere Geschichte Brinkhoffs ist eine weitaus nüchterne. Es ist die eines Ganoven, eines Hochstaplers und eines Polizisten-Mörders. Diese Seite Brinkhoffs hat in den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts W. Schild aufgeschrieben. Schild war Polizeibeamter im gehobenen Dienst.

Der Schriftsteller Hermann Jung, Jahrgang 1901, hat die Moritaten und Streiche recheriert und zusammengestellt, erstmals 1929. Foto: RPO

Brinkhoff hat den "Preußischen Criminal-Polizei-Commissar" nachhaltig beeindruckt – so sehr, dass Schild ein Buch über ihn verfasste: "Wilhelm Brinkhoff und seine Häscher – Die Erlebnisse des Polizeibeamten W. Schild Anno 1860" heißt das kleine, rund 60 Seiten starke Buch, das Schild damals verfasste. Es erschien 1869. Vor sechs Jahren hat es Karl Bröcheler, Bönninghardter Heimatforscher, neu aufgelegt. Schild hat Brinkhoff einmal selbst festgenommen. Seine Aufzeichnungen decken sich weitgehend mit den Presseberichten der damaligen Zeit und auch mit den handschriftlichen Protokollen der Behörden. Der Polizeibeamte beschreibt Brinkhoff als einen verschlagenen und hinterhältigen Verbrecher, der Staat, Gesetze und Gesetzesdiener verhöhnte.

Räuber Brinkhoff trieb von 1855 bis 1860 sein Unwesen am Niederrhein. Schon 1857 – der Übeltäter war gerade 19 Jahre alt – verurteilte ihn ein Gericht wegen verschiedener Delikte zu vier Jahren Zuchthaus. Doch Brinkhoff floh aus der Haftanstalt Werden, kehrte zurück an den Niederrhein und entzog sich nur durch den Gebrauch einer Schusswaffe einer weiteren Verhaftung. Brinkhoffs abenteuerliches Leben führte ihn 1858 nach Amerika, wo er zu Geld kam. Nach seiner Rückkehr war er wieder inhaftiert, u.a. in der Klever Schwanenburg. Wegen der Tötung des Polizeidieners Murman wurde er im März 1860 zu zehn Jahren Haft verurteilt.

Und wieder folgte eine spektakuläre Flucht. Er setzte sich erneut in die USA ab. Der Staatsanwaltschaft Kleve teilte er seine Ankunft in der neuen Welt freudig mit. Danach verliert sich seine Spur – für immer.

Quelle: RP

 
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