Niederrhein: Willi Maywald: Der Fotograf der Bohème
VON MATTHIAS GRASS - zuletzt aktualisiert: 02.08.2010 - 12:34Niederrhein (RPO). Willi Maywald wurde im Paris der 50er Jahre als Modefotograf berühmt, gilt als Wegbereiter für elegante aber ungezwungene Modefotografie. Er gehörte zur Künstlerbohème, porträtierte Picasso, Chagall, Marlene Dietrich.
Er arbeitete mit kleinem Aufwand. Eine Mittelformatkamera, ein paar Lampen. Fertig. Schon hatte er die Models der großen Pariser Modelabels im Bild. Die Modezaren Christian Dior und Jacques Fath gehörten zu seinen Stammkunden, keine Modenschau in den frühen 50er Jahren, auf der er als Fotograf nicht willkommen gewesen wäre. Willi Maywald, 1907 in Kleve als Sohn des gleichnamigen Hoteliers geboren, wird heute in einem Atemzug mit den berühmten Modefotografen Helmut Newton oder Peter Lindbergh genannt. Seine Fotos erschienen in wichtigen Modezeitungen wie "Harper's Bazaar" oder in der berühmten "Vogue". Er wurde der Wegbereiter einer ungezwungenen, eleganten Modefotografie und porträtierte die Pariser Bohème wie den Maler Fernand Leger, wie Pablo Picasso oder Marc Chagall. Humphrey Bogart und Lauren Bacall saßen ihm ebenso Modell, wie er die mondäne Dietrich fotografieren durfte. Es fehlen nicht die vom Winde verwehte Vivian Leigh und erst recht nicht Deutschlands Kleiderschrank Curd Jürgens.
Glanz und Eleganz
Das Buch zur Ausstellung im Klever Museum 2007 "Willy Maywald. Glanz und Eleganz" zeigt seine berühmten Modefotografien und Künstlerporträts ebenso, wie Bilder vom Niederrhein. Mit Texten von Drs. Guido de Werd und Valentina Vlasic vom Klever Kurhaus. ISBN 078-3-89413-271-2, 29,50 Euro, Boss-Verlag.
Bücher und ein Film
Als sich Willi Maywalds Geburtstag vor drei Jahren zum 100. Mal jährte, gab es in Paris und in seiner Geburtsstadt Kleve Ausstellungen mit seinen Fotos, dazu erschienen Bücher und Kataloge, erinnerte der ZDF-Kultursender 3sat mit seinem Film an die "Eleganz des Blicks" des Klever Fotografen.
Es war genau diese ungezwungene Eleganz in seinen Bildern, die ihn berühmt und als Fotograf begehrt machte. Wie er die Models aus dem Atelier auf die Straße holte und dort mit besagtem kleinen Aufwand fotografierte. Wie beiläufig, fast natürlich und doch absolut perfekt. So setzte er auch die Prominenten in Szene. Ohne Technik-Schnick-Schnack mit dem Blick fürs richtige Bild: Zu einem der bedeutenden Fotos Maywalds zählt ein Picasso-Porträt, das er am Strand von Golfe-Juan an der französischen Küste machte. Zuvor hatte er seine Rolleiflex fallen gelassen und musste die Bilder mit einer geliehenen Kinderkamera machen. Das Ergebnis: perfekt wie immer.
Mit 18 Jahren hatte Maywald das Klever Gymnasium verlassen, ging an die Kunstgewerbeschule Köln, liest Maxim Gorki und Zola, setzt sich mit Bauhaus-Ideen auseinander. Von Köln führt der Weg an die künftige Werkkunstschule in Krefeld, dann zur "Kunstschule des Westens" in Berlin. 1931 wird sein erstes Foto veröffentlicht. Er geht nach Paris, lernt den Modeschöpfer Dior kennen, veröffentlicht erste Fotos in "Vogue".
Dann der Rückschlag: der Klever Künstler muss vor den einrückenden Nazis fliehen. Für die Fremdenlegion ist er untauglich, die Franzosen wollen ihn internieren. Er flieht über Marseille und Cagnes-sur-mer 1942 in die Schweiz und findet Unterschlupf bei einer Pfarrersfamilie.
1946 kehrt er nach Paris zurück – in Kleve war sein Elternhaus, das mondäne Hotel des Vaters, 1944/45 total zerstört worden. Seine Karriere setzte sich fort. Als er sich Ende der 50er Jahre aus der Modefotografie zurückzieht, gerät er in Vergessenheit bis Mitte der 70er Jahre seine Fotos wiederentdeckt werden. Es folgen Ausstellungen weltweit. Maywald stirbt 1985 in Paris.
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