Kreis Kleve: „Wir sind ihre Familie”
VON GESA EVERS - zuletzt aktualisiert: 25.02.2010 - 18:17Während ihrer Ausbildung zur Altenpflegerin haben Lena Marquardt und Sarah Bogers gemerkt, dass sie oft die wichtigsten Bezugspersonen für die Senioren sind. „Es ist eine tolle Arbeit, aber sie verlangt viel Hingabe”, sagen sie.
Am Anfang war die Arbeit im Seniorenheim nur ein Job für Lena Marquardt. Nach dem Fachabitur wusste sie nicht so recht, wie es beruflich weitergehen sollte. Im Josef-Haus in Wetten konnte sich die junge Frau als Pflegehelferin etwas dazuverdienen. „Man hat ja diese Vorstellung, dass man den Leuten etwas zu Essen gibt und das war‘s”, sagt die 22-Jährige freimütig. Doch schnell fiel ihr auf, dass mehr dahinter steckt. Für die Bewohner sind die Altenpflegerinnen ihre täglichen, oft einzigen Bezugspersonen. „Genaugenommen sind wir ihre Familie”, so Marquardt, die inzwischen kurz vor dem Abschluss ihrer Ausbildung zur Altenpflegerin steht.
Die Ausbildungsdauer ist der Ausbildungsordnung des jeweiligen Ausbildungsberufes zu entnehmen. Gemäß Berufsbildungsgesetz soll sie nicht mehr als drei und nicht weniger als zwei Jahre betragen. Die Ausbildungszeit kann auf Antrag verkürzt und in Ausnahmefällen auf Antrag bei der zuständigen Stelle verlängert werden.
Sie kennt alle Lebensgeschichten
Von allen 16 Senioren, für die sie in ihrer Abteilung zuständig ist, kennt sie die Lebensgeschichte, weiß, welche Vorlieben und Schwächen sie haben. Sie begleitet die Bewohner morgens beim Aufstehen, hilft ihnen beim Waschen und setzt sich nachmittags mit ihnen an den Tisch, um „Mensch ärgere Dich nicht” zu spielen. Dass viele das kurz darauf nicht mehr wissen, weil sie dement sind, daran hat sich Lena Marquardt gewöhnt. „Am Anfang war es schon hart, dass eine alleinstehende Bewohnerin hundert Mal am Tag zu mir gesagt hat ,Junge Dame, rufen Sie zuhause an, ich möchte abgeholt werden‘. Aber in der Ausbildung lernen wir, damit umzugehen.”
Neben ihrer praktischen Arbeit in Pflegeeinrichtungen besuchen die Azubis ein Fachseminar für Altenpflege. Dort erfahren sie, wie man Spritzen setzt und bekommen Einblick in Krankheitsbilder wie Parkinson und Demenz. Doch es ist weniger das medizinische Grundwissen, das sie in ihrer täglichen Arbeit brauchen. „Wir lernen vor allem, wie wir den Bewohnern ein Umfeld schaffen können, in dem sie sich wohl und ernstgenommen fühlen”, sagt Sarah Bogers, 20, die wie Lena Marquardt ihre Ausbildung im Wettener Josef-Haus der Caritas absolviert.
So war es auch für sie am Anfang schwer, mit den immer gleichen, manchmal absurden Forderungen demenzkranker Senioren umzugehen. Dabei klingt die Lösung einfach: „Ruhig bleiben, Recht geben, nicht widersprechen.” Es ist ein anspruchsvoller Job, der neben der Begleitung der Senioren auch viel „Papierkram” erfordert, wie Lena Marquardt sagt. Jeder Toilettengang, jede Medikamentenabgabe muss dokumentiert werden. Deshalb äußern sich beide kritisch über die kürzlich getroffene Entscheidung, die Einstiegsvoraussetzungen für die Altenpfleger-Ausbildung zu senken. „Früher brauchte man einen Realschulabschluss, heute reicht ein Hauptschulabschluss”, so Sarah Bogers. „Es wird sogar überlegt, Schüler nach dem Ende der neunten Klasse zu nehmen.”
15-Jährige, da sind sich die beiden sicher, seien der anspruchsvollen Arbeit in einem Seniorenheim noch nicht gewachsen. „Es ist eine tolle Arbeit, aber sie verlangt viel Einsatz und Hingabe.”
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