Goch: Wir sind Liebfrauen
VON THOMAS CLAASSEN - zuletzt aktualisiert: 30.10.2009 - 14:34Es war eindrucksvoll, stimmungsvoll, leise, und das Gefühl der Trauer war allenthalben spürbar: Zahlreiche Gocher feierten eine inoffizielle Abschiedsmesse von Liebfrauen und demonstrierten für den Erhalt.
Gänsehaut-Gefühl. Vorher, mittendrin, nachher. Schon draußen vor den Türen von Liebfrauen, weil so viele Menschen gekommen waren, ihren Unmut ob der Schließung des Gotteshauses zu bekunden. In der Messe, gehalten von Kaplan Schieb, ein intensives Gemeinschafts-Erlebnis, „Wir”-Stimmung, Andacht. Hinterher, draußen, am offenen Feuer, das in großen Blechtonnen brennt, Austausch: Erinnerungen, Geschichten, Gerüchte auch und ganz viel Traurigkeit. So viele Menschen waren gekommen, zu zeigen, sie wollen, dass Liebfrauen bleibt. Nicht nur als Immobilie, als geordnete Aufschichtung von Steinen, sondern als Gotteshaus, in dem auch Gottes-Dienst gefeiert wird.
„Unsere Heimat”
„Wir sind Liebfrauen Goch” heißt es da auf Kleidungsstücken, das Transparent „Liebfrauen Goch ist (war?) unsere Heimat” drückt vielleicht am besten aus, was die Menschen empfinden. „Wissen Sie, es ist ja nicht einfach so, dass wir an der Kirche kleben, um sie zu besitzen”, sagt eine alte Dame. „Es ist doch mehr als das Gebäude, es ist so, als ob ein Stück Leben verschwindet, wenn sie nicht mehr ist. Und es ist doch nicht nur für uns alle etwas Persönliches, es ist doch auch ein Stück Gocher Stadtgeschichte!”
Stimmt. Immer wieder kommen Erinnerungen daran, dass sie gebaut wurde in schwerer, von den braunen Verbrechern zur Gottlosigkeit verurteilten Zeit. Trotzig setzten die Gocher und ihr damaliger Bischof, der als Löwe von Münster hoch verehrte Bischof Clemens August Kardinal Graf von Galen, die Fertigstellung des Gotteshauses schon unter dem Nazi-Terror fort, setzten ein Zeichen.
Zeichen setzen
Und Zeichen setzen, das wollten die Gläubigen jetzt, viele Jahrzehnte später, erneut: „Wir wollen uns diese Kirche nicht nehmen lassen!” Protest und Schreiben nach Münster: Inzwischen, nach vielen Anläufen von Gläubigen aus der alten Liebfrauen-Pfarre, gibt es Antwort. Generalvikar Norbert Kleyboldt bot an, zu einem klärenden Gespräch persönlich nach Goch zu kommen. Der Prälat, Münsteraner Domdechant, bot das am Donnerstagmorgen ausdrücklich an. Kleyboldt ist persönlicher Stellvertreter des Bischofs bei allen Aufgaben der Bistumsverwaltung, und er handelt mit den gleichen Vollmachten wie ist der persönliche Stellvertreter des Bischofs in allen Verwaltungsaufgaben. Er handelt in diesem Bereich an Stelle und mit gleicher Vollmacht wie Bischof Felix Genn selbst. Kleyboldt hatte in vorher schriftlich gegebenen Antworten allerdings immer wieder betont, die Entscheidung stehe fest.
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