Niederrhein: Wohnen für Hilfe
VON MATTHIAS GRASS - zuletzt aktualisiert: 10.10.2009Niederrhein (RPO). In einer vierwöchigen Serie stellen RP und Wirtschaftsförderung Kreis Kleve die Hochschule Rhein-Waal vor. Für Studenten der Hochschule gibt es auch ein Angebot von Gabi Maas, das Senioren und Studenten zusammenführt.
Nicht nur zur Weihnachtszeit brennen Kerzen im Haus von Christa van Appeldorn. Denn wenn die Trübnis trister Niederrheintage im Herbst durch die Fenster kriechen will, sorgen die Kerzen für die heimelige Atmosphäre und lassen nieseliges Regenwetter draußen vor der Tür. Jetzt brennen vier Teelichter in einem Kranz auf dem großen Küchentisch, an dessen Kopf die 67-Jährige sitzt. "Das sind Elfen", sagt Christa van Appeldorn. Seit ihr Mann gestorben ist, lebt sie alleine. Die Kinder fanden nach dem Studium in anderen Bundesländern Arbeit.
Seit wenigen Wochen ist aber wieder junges Leben in das große Haus eingezogen. Johanna Nunweiler studiert an der Hochschule Rhein-Waal (HRW) Bio Science and Health. Sie kommt aus Giffhorn in Niedersachsen und suchte eine Wohnung. "Auf der Internetseite von Gabi Maas fand ich dann das Angebot", sagt Nunweiler. Das Angebot, in einen Seniorenhaushalt zu ziehen. Stichwort: Wohnen für Hilfe. "Die Wohnung war frei und ich bin auch nicht mehr so gut zu Fuß", so van Appeldorn. Einkaufen, mal die Fenster putzen und Treppe wischen, Hilfe im Haushalt, darauf einigten sich die Senioren und die Studentin. Doch man arbeitet nicht nur zusammen – denn Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung: Man trinkt zusammen Kaffee, erzählt noch ein bisschen, bevor die Studentin hinunter zur Hochschule muss.
Agrobusiness
Die Bürgermeister des Kreises Kleve zur Hochschule Rhein-Waal, hier Udo Rosenkranz aus Wachtendonk: "Die neue Hochschule Rhein-Waal in Kleve hat sicher ihre ganz besondere Bedeutung für den nördlichen Teil des Kreises. Für uns Wachtendonker im äußersten Süden ergänzt die Fachhochschule in Kleve ein bereits großes Angebot an schneller erreichbaren Fachhoch- und Hochschulen in der Nähe - wie beispielsweise in Venlo die Fontys, in Mönchengladbach, in Krefeld, Düsseldorf, Duisburg und Essen - und könnte für spezielle Studiengänge (z.B. Agrobusiness) interessant werden."
Frühstück
"Ich freue mich, dass ich nicht so allein bin. Zuhause haben wir eine Großfamilie – und auch dort habe ich oft mit meiner Oma zusammen gefrühstückt", sagt die 20-Jährige. Sie zahlt für ihre Wohnung lediglich die Nebenkosten. "Das kommt uns auch entgegen – denn hier in NRW muss ich ja Studiengebühren bezahlen", sinniert die Frau aus Giffhorn. Natürlich kann sie die Türe hinter sich schließen, sich konzentrieren, für die Hochschule arbeiten. "Wir haben ausgemacht, wenn ich viel Zeit habe, kann ich mehr tun", sagt sie mit Blick auf Christa van Appeldorn, die nickt. Wenn sie vielleicht später Blockpraktika machen muss, kann sie eben nicht so viel arbeiten. Das einzige, was ihr fehlt, ist ein Internet-Anschluss. Aber auch dort hat sie eine Lösung im Blick.
Johanna Nunweiler ist froh, dass Gabi Maas die Vermittlung von Studenten anbieten, die bei Senioren wohnen möchten. Die Maklerin nimmt dafür keine Gebühren. "Ich habe mich erinnert, wie es war, als meine Kinder studieren gingen und es so schwer war, für sie eine Studentenwohnung zu finden", sagt Maas. An großen Studienorten gibt es dieses Angebot auch.
Nunweiler fährt an den Wochenenden nach Hause. In Kleve fühlt sie sich wohl, vor allem an der HRW sei man sehr bemüht. Und die kleinen Macken einer Hochschule im Aufbau wecken im Moment noch den Pioniergeist. "Wir sollen bald auch Internet bekommen, die Bibliothek wächst", sagt Johanna Giffhorn. Nur mit dem öffentlichen Personennahverkehr, mit den Bus- und Bahnverbindungen – das wär doch eher schwierig.
Info zu Wohnen für Hilfe: www.gm-immo.de
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







