Kleve: XOX: "Aber Chouchou . . .!"
VON MATTHIAS GRASS - zuletzt aktualisiert: 19.07.2011Kleve (RP). Mit "Venedig im Schnee" hat das Klever XOX-Theater eine witzige französische Komödie in den Spielplan aufgenommen. Das Vier-Personen-Stück ist kurzweilig, humorvoll und voller böser Charakterstudien. Es steht ab September wieder auf dem Spielplan.
Es hätte im XOX-Theater ein schöner Abend werden können: Wäre da nicht Jean-Luc. Denn Jean-Luc ist selten dämlich. Bis zur Schmerzgrenze. Bei seinen Statements und dem Dauergeturtel mit Bald-Ehefrau Natalie ist immer wieder Fremdschämen angesagt. Natalie, sein Schatz, seine "Chouchou", steht ihm da allerdings in kaum etwas nach.
Ein bisschen naiv, ein bisschen zu direkt, ein bisschen zu verliebt, ein bisschen zu viel "so bin ich eben". Es wurde mehr, als ein schöner Abend: Es war amüsant, zuweilen bissig, witzig. Mit "Venedig im Schnee" von Gilles Dyrek bringt Wolfgang Paterok eine leichtfüßige Komödie auf die Bretter des XOX-Theaters, die beste Abendunterhaltung und laute Lacher garantiert.
Hotel im Meer
Letztmals vor der Sommerpause steht am Freitag, dem 22., und Samstag, dem 23. Juli, im XOX-Theater Kleve die bitter-satirische Groteske "Hotel im Meer" auf dem Programm. In dem Stück thematisiert die Autorin Ute Bergien Missverständnisse und Enttäuschungen beim Zusammentreffen unterschiedlich sozialisierter Menschen. Vorverkauf Buchhandlung Hintzen sowie an der Abendkasse.
Gnadenlose Turteltauben
Da sind die gnadenlosen Turteltäubchen Jean-Luc und Natalie, deren rosarotes Leben aus Chouchou hier und Chouchou da, Umarmen und Liebkosungen besteht. Sie wollen heiraten und leben in einer Wohnung, die sie für ihre Zukunft umbauen. Auch hier sind die Zwei nicht ganz geschmacksicher. Der Marmor vom Kamin musste ein Stückchen weichen, weil sonst der Fernseher nicht passt, die wunderschönen Balken sollen unter einer Spanlatte verschwinden . . .
Mitten in dieses Leben auf Wolke sieben platzten Jean-Lucs ehemaliger Studienfreund Christophe und seine schlecht gelaunte Freundin Patricia. Jean-Luc hat ihn auf der Straße getroffen und eingeladen, Patricia hat dazu partout keine Lust. Sie ist so abweisend, dass die Turteltäubchen sie als Ausländerin einstufen, die kein Französisch spricht, eine Frau vom Balkan sei. Patricia geht darauf ein: Sie sei aus Chouch-istan und die Hauptstadt heiße Chou-grad. Dass sie das Pärchen auf den Arm nimmt, merkt vor allem der Zuschauer. Und hat seinen Spaß an Situationskomik, den Bonmots Jean-Lucs und dem manchmal etwas hilflosen Christophe. Mehr sei nicht verraten.
Das Ensemble ist bestens aufgelegt, Jeroen Blok gibt den selten-dämlichen Jean-Luc hervorragend wie Nathalie das naive Dummchen. Sehr schön wandelt sich Renate Hendricks als Patricia sichtbar von ihrer grimmigen Abweisung zu einer strahlenden Frau, die ungemein Spaß daran findet, geradezu darin aufblüht, die beiden anderen vorzuführen. Dazwischen Thomas Freiss als Christophe. Bis zum knalligen Ende . . .
Das Publikum dankt mit kräftigen Lachern und viel Applaus. Vormerken für die Herbstsaison.
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