Kleve: Zug mit Elsa und dem Wulff
VON LENA STEEG - zuletzt aktualisiert: 20.02.2012 - 17:35Kleve (RPO). Gemeinsam mit 35 000 Jecken feierten die Klever Karnevalisten gestern ihren Rosenmontagszug. 84 Wagen, Fuß- und Musikgruppen schlängelten sich bei bestem Wetter ihren Weg von Materborn durch die Innenstadt nach Kellen.
Aktuelle Themen fanden ebenso Platz wie altbewährte Motive. Wenn Rosenmontagszug in Kleve ist, kommen sie alle: Panikrocker Udo Lindenberg (das Humusballet brachte gleich die ganze Reeperbahn mit), Popsänger Tim Bendzko (der Wagen der „Wilden Horde“ will mit ihm „nur noch kurz die Welt retten“) und, natürlich, Ex-Bundespräsident Christian Wulff. Dem und seinem BILD-Skandal hatte der CKJ Nütterden sogar einen ganzen Wagen gewidmet. „BILD, die mit dem Wulff tanzt“ ist da zu lesen, der Ex-Präsident selber wird als Karikatur mit Schafspelz und Maschinengewehr gezeigt.
Für einen Wagen mit Quasi-Nachfolger Joachim Gauck blieb keine Zeit und überhaupt zierte die wenigsten Wagen in diesem Jahr ein politisches oder gesellschaftliches Motto. Stattdessen konzentriert man sich, und das ist in Zeiten, in denen die Nachrichtenlage tagtäglich gehörig schwankt, ja meistens so: auf altbewährte Themen. So segeln bei bestem Seefahrtswetter etliche Narrenschiffe von Materborn durch die Klever Innenstadt bis nach Kellen.
Alkohol sichergestellt
Für den Zug meldete die Polizei zunächst „keine besondern Vorkommnisse“. Es wurden bei den kontrollierten Jugendlichen 67 Alkohol-Gebinde sichergestellt oder vor Ort vernichtet, so die Polizei.
Es gab eine Festnahme wegen Widerstand.
Insgesamt hatte der Klever Zug 84 Nummern.
Auch immer wieder gern durch die City getrieben wird der Klever Schwan, am Liebsten in überdimensionaler Größe, wie beim Prinzenwagen von Thommy, dem Bärigen. Dessen Gefährt machte beim optimalen Karnevalswetter (nicht zu warm, nicht zu kalt, kein Regen, viel Sonnenschein) einiges her.
Originalität beweist dagegen der Oldi-Club-Keeken, der mit einem Citybus-Themenwagen das Malheur des vergangenen Jahres auf die Schippe nahm. Im November hatte ein Citybus-Fahrer den Elsa-Brunnen gerammt und dabei nicht nur eine Ecke abgefahren, sondern auch unschöne Schrammen in der roten Ziegelmauer hinterlassen. Der Motto-Wagen rief deshalb dazu auf „Elsa, hol die Kinder rein, der Bus kommt“. Ebenso thematisierte der SV Siegfried Materborn aktuelle Klever Themen, darunter die neue Volksbank und den Bau der Hochschule Rhein-Waal.
Trotz Verpflichtung zum Brauchtumserhalt machte sich die Klever Jecken in diesem Jahr auch fit für die „neuen Medien“. Die Brejpott-Quaker Kellen mit ihrem Präsidenten Helmut Vehreschild fuhren auf ihrem Wagen ihr eigenes Smartphone, das „Br-iPod-Quatschen“, spazieren, der KC Keeken gestaltete einen Facebook-Wagen.
Die Feiernden setzten mit ihren Kostümen ebenfalls auf alt bewährtes.
Bei den männlichen Zugbesuchern dominierte vor allem die Uniform, egal ob Feuerwehrmann, Pilot oder Polizist – die Fliegerbrille fehlte bei kaum einem Feiernden. Die Damen setzten dagegen auf Märchenhaftes. Elfenflügel, bunte Perücken und glitzerndes Make-up entzückten auch die konsequentesten Uniformierten so sehr, dass sie ihre gesammelten Kamelle widerstandslos den Damen abtraen.
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