Bedburg-Hau: Zwischen Schafen und Bäumen
VON SYBILLE MÖCKL - zuletzt aktualisiert: 14.08.2010Bedburg-Hau (RPO). 18 europäische Künstler haben in den vergangenen zwei Wochen ihrer Kreativität freien Lauf gelassen. Jetzt ist das Ergebnis im Kunstlabor ArToll unter dem Titel "Border-Lines" zu bewundern. Morgen Nachmittag wird die Ausstellung des Sommerlabors eröffnet.
Noch wird im ArToll gebohrt, gehämmert und gesägt. Hier wird an der Musikanlage gebastelt, dort noch gepinselt. Überall liegen Werkzeuge, Pinsel und Farben herum. Morgen soll aber alles fertig sein – dann wird die Ausstellung eröffnet.
18 Künstler aus ganz Europa wurden zum diesjährigen Sommerlabor eingeladen. "Das ArToll ist ein Haus von Künstlern für Künstler", erklärt Dini Thomsen, eine der künstlerischen Leiterinnen des Projekts. Kunst sei ungeplant und man gehe immer über Grenzen. Deswegen wurde "Border-Lines" als Titel gewählt.
Unterschiedlich umgesetzt
Dieses Motto haben die Künstler vollkommen unterschiedlich umgesetzt. Lobke Burgers etwa hat ihre Installation "You bähätter not entering!" (Besser nicht eintreten!) genannt. Sie zeigt zwölf Schafe, die mit goldenen Gewehren die obere Etage des Hauses verteidigen. Die Niederländerin arbeitet viel mit Tieren, erzählt sie. Die Schaffelle hat sie mitgebracht, die Installation entstand im Laufe der vergangenen zwei Wochen.
Border-Lines
Die Ausstellung ist zu sehen vom 15. bis zum 29. August, Dienstag bis Sonntag, von 14 bis 18 Uhr im ArToll in den Rheinischen Kliniken.
Vernissage ist morgen, 15. August, um 15 Uhr.
Ausstellende Künstler sind Caspar Pauli, Birgit Binder, Katja Thönissen, Andreas Schön, Elisabeth Schink, Gunter Hülswitt, Dini Thomsen, Silvia Liebig, Elke Nebel Karl Kilian, Lucia Morandini, Herrwich Tollschein, Jon Moscow, Barbara Nicholls, Marijke Schlebusch, Gerhard de Groot, Lobke Burgers und Martijn Bosman.
Ihr Landsmann Gerhard de Groot stellt ebenfalls eine Tierinstallation aus. Er zeigt abstrakte, fremdartige Tierfiguren mit menschlich aussehenden Gesichtern in den alten Isolationsräumen des ehemaligen Klinikgebäudes. "Sie sind traurig, aber auch total komisch", beschreibt de Groot seine Figuren. Im Nebenraum personifiziert Elisabeth Schink mit ihrem Werk ein Urwesen. Die in Fliegendraht eingenähten Apfelbäume stellen seine Arme dar, erklärt Schink. Von den Wurzeln kommt düsterer Sound. Ein Igel beobachtet von einer Wand aus das Geschehen.
Silvia Liebig hat ihr Werk "poor pattern" getauft. Sie erklärt: "Alltägliche Dinge verschwinden aus dem Fokus und geraten in Vergessenheit, wie etwa der Obdachlose von der Straße. Sie werden erst interessant, wenn man sie verändert." So vereinfachte die Künstlerin Fotos von Alltagsszenen zu stempelartigen Piktogrammen. Diese setzte die zu diametrischen Tapetenmustern zusammen und schmückte damit die Wand in einem der Ausstellungsräume. "Ich möchte den Besuchern nichts beibringen. Aber wenn ich sie mit meiner Arbeit zum Nachdenken anregen kann, freut mich das." Liebig ist bereits zum dritten Mal im Sommerlabor. Sie ist begeistert, "so viele kreative Leute auf einmal zu treffen". Für die Britin Barbara Nicholls dagegen ist es eine Premiere. Als Vorbereitung hat sie ihren Wagen mit Wasserfarben und Holzplatten vollgepackt. Wie eine Archäologin arbeitet sie sich durch die verschiedenen Schichten des Holzes, verarbeitet Landkarten und Buchstaben in ihre Bilder.
Alle Werke der 18 Künstler gibt es ab morgen im Kunsthaus ArToll zu sehen. Bis dann werden auch die letzten Leitern und Pinsel verschwunden sein.
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