Neukirchen-Vluyn: Alles fertig für die Straftäter
VON CHRISTIAN SCHROEDER - zuletzt aktualisiert: 28.08.2010Neukirchen-Vluyn (RPO). Der Erziehungsverein hatte gestern zum "Tag oder offenen Tür" auf dem Heckrathshof eingeladen. Viele Nachbarn erkundigten sich, wie dort demnächst die sechs straffälligen Jugendlichen wohnen – und wie sie bewacht werden.
Eigentlich sei sie ja für das Projekt. "An der Bürgerinitiative hab' ich mich nicht beteiligt", sagt die Familienmutter, die gestern mit ihrem Sohn zum Heckrathshof gekommen ist. "Aber meine 13-jährige Tochter hat ein mulmiges Gefühl, wenn sie daran denkt, wer hier demnächst einzieht", meint die Anwohnerin der angrenzenden Siedlung in Hülsdonk.
Nächste Woche wird der erste straffällige Bewohner in den umgebauten Bauernhof einziehen, ein 17-jähriger Räuber, berichtet Norbert Hauser, der die neue Wohngruppe leiten wird. Nach und nach werden sechs Jungen im Alter von 14 bis 18 Jahren aufgenommen. Hinzu kommen zwei weitere Plätze für Jugendliche in der Nachbetreuung. Sie leben in einem straff organisierten Alltag mit festen Hausregeln sowie Mitarbeit in Haus und Garten. Ein achtköpfiges Team aus Erziehern, Sozialarbeitern und Therapeuten begleitet die Jungen in der Regel drei bis vier Monate bis zur Hauptverhandlung.
Das Konzept
Das Konzept für die neue Außengruppe des Kinder- und Jugenddorfs stammt von dem Projekt "Stop and go NRW" in Herne und Iserlohn und war bereits im Mai auf einer Bürgerversammlung rund 150 Interessierten vorgestellt worden.
Vorher hatten besorgte Bürger Unterschriften gegen die Wohngruppe gesammelt.
Keine Süchtigen
"Und nach dem Urteil kommen sie nicht wieder hierher?", fragte die Mutter weiter. Nein. Entweder gehen sie ins Gefängnis oder in die Freiheit. Verfügt das Gericht, dass der junge Mensch weiter in der Jugendhilfe bleibt, könnte es sein, dass der Jugendliche für kurze Zeit zurück kommt an den Heckrathshof. Aber nur so lange, bis eine andere geeignete Maßnahme gefunden ist. Was auch viele Nachbarn interessierte: Was sind das für Straftäter? "Diebe, Räuber, Gewalttäter", erklärt Norbert Hauser. "Keine Sexualtäter und keine Alkohol- oder Drogensüchtigen." Handy-nutzung oder mp3-player sind ebenfalls verboten. Größere Geldbeträge dürfen die Bewohner nicht mit sich tragen.
Von außen sieht das denkmalgeschützte Haus mit dem markanten Torbogen nach wie vor wie ein Bauernhof aus. Auch die neu gestaltete Inneneinrichtung deutet nicht darauf hin, dass Straftäter einziehen werden. Die sechs Zimmer sind ansprechend, aber mit schlichten Möbeln ausgestattet. Die frisch renovierten Wände dürfen nicht beklebt werden. Fernsehen gibt's nur in Ausnahmefällen im Gemeinschaftswohnzimmer. Nebenan wird zu festgelegten Zeiten gemeinsam gegessen. Sich an die Regeln zu halten, sei das A und O, erklärt auch Mitarbeiterin Manuela Horstmann. Ausgang gibt es für die Straftäter nur in ganz begrenztem Umfang, je nach Betragen in der Gruppe, und niemals nach 19.30 Uhr. Bei Regelverstößen sind die Jugendlichen ruckzuck raus aus der Gruppe, bei massiven Fällen im geschlossenen Vollzug. "Aber sie werden sich benehmen", verspricht Norbert Hauser.
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