kalaydo.de Anzeigen stellen auto immobilien kleinanzeigen tiere ferienwohnungen inserieren
  RP Providing |  RP Shop |  PremiumCard |  RP Reise
         
  Newsletter |  RSS |  Mobil |  Apps
Abo & Service | Anzeigen | ePaper | Schulprojekte  
 
       
 
  Gast
Kommentare ()

Moers: Alter als neue Chance

VON HERIBERT BRINKMANN - zuletzt aktualisiert: 04.06.2007

Moers (RPO). Henning Scherf, der frühere Bürgermeister in Bremen und Autor des Bestsellers „Grau ist bunt“ vor seiner Lesung in Moers über Perspektiven für das Leben im Alter.

Henning Scherf sprach über Perspektiven für das Leben im Alter.  Foto: RPO
Henning Scherf sprach über Perspektiven für das Leben im Alter. Foto: RPO

„Wir haben unseren Job an den Nagel gehängt, nicht unser Leben. Nur wenn die Generationen gemeinsame Sache machen, bleibt unsere Gesellschaft lebenswert.“ Hennig Scherf hat mit seinem Buch „Grau ist bunt – Was im Alter möglich ist“ den Nerv getroffen. Das 2006 bei Herder erschienene Buch ist bereits über 100 000 mal verkauft worden, und jede Woche muss nachgedruckt werden.

Der SPD-Politiker ging mit 67 Jahren im Oktober 2005 in den Ruhestand. „Ich möchte ein Leben nach der Arbeit führen und nicht mit den Füßen zuerst aus dem Rathaus getragen werden“, sagte Scherf. Er wohnt mit seiner Frau Luise zusammen mit befreundeten Paaren in einem Mehrparteienhaus in der Bremer Innenstadt. Aus seiner eigenen Erfahrung wendet er sich gegen Altersdiskriminierung und Panikmache.

Info

„Grau ist bunt“

Henning Scherf (68) liest morgen, 5. Juni, 20 Uhr, in der Zentralbibliothek Moers aus seinem Buch „Grau ist bunt“. Darin setzt sich der SPD-Politiker mit der Frage auseinander, wie wir in Zukunft im Alter leben wollen. Karten gibt es in der Zentralbibliothek und im Haus der Bücher Spaethe im Vorverkauf für fünf Euro.

Herr Scherf, welches konkrete Ereignis hat Sie bewogen, früh Ihren Rückzug aus der Politik einzuleiten?

Scherf Früh? Das war nicht früh, ich habe von 1971 an 34 Jahre lang in der Politik mitgemacht, ich gehöre schon zu den dienstältesten Politikern. Aber wie Millionen andere im Rentneralter wollte ich auch noch ein Leben nach der Politik haben. Man darf nicht zu sehr an seinem Stuhl kleben, dafür gibt es viel zu viel schlechte Beispiele.

Welche Zielgruppe hatten Sie genau vor Augen, als Sie Ihr Buch schrieben?

Scherf Keine bestimmte. Das Buch richtet sich an alle Menschen, die sich Gedanken machen, wie sie einmal im Alter leben wollen und wie das Miteinander der Generationen aussehen kann. Und solche Gedanken machen sich Alte wie Junge. In meinen Lesungen sitzen nicht nur Grau- und Weißhaarige, die Alterszusammensetzung ist durchaus bunt.

Sie reagieren auf Frank Schirrmachers Buch „Das Methusalem-Komplott“. Was genau stört Sie an diesem Buch?

Scherf Schirrmacher stellt den großen demographischen Wandel als Katastrophe dar, er prophezeit einen „Clash of generations“. Solch großen Umwälzungen darf man nicht mit Panikmache begegnen. Die alten Menschen können in der Gesellschaft nicht ausgegrenzt werden. Man muss sie vielmehr positiv zum Mit-Gestalten gewinnen, sie müssen das Alter als Chance begreifen. Anders als unsere Eltern und Großeltern leben wir im Frieden und werden immer älter. Dieser neue lange Lebensabschnitt bietet neue Gestaltungsmöglichkeiten, etwa für ehrenamtliche Aufgaben und für das Zusammenleben mehrerer Generationen auch außerhalb der eigenen Familie, die man nutzen sollte.

Wenn Sie in Ihrem Buch Ihr Leben und Ihre Situation reflektieren, kann der Leser leicht zu dem Schluss kommen: Das war begnadet, der hat’s gut getroffen. Was, glauben Sie, ist allgemein übertragbar, was weniger?

Scherf Es stimmt, ich habe sehr viel Glück erfahren. Aber auch Geld ist nicht entscheidend. Ich kenne viele Gleichaltrige, die mit einer viel schwierigeren Situation umgehen müssen und trotzdem mit Energie und Kraft ihre Aufgaben meistern. Viele Reiche sitzen allein in ihren Häusern und haben Angst oder Langeweile. Es geht doch vielmehr darum, die Isolation im Alter zu vermeiden. Wir müssen Formen entwickeln, wie viele Menschen zueinander Nähe entwickeln und diese glücklich teilen können.

Ursprünglich strebten Sie in Ihrer Alten-WG eine gemeinsame Küche und Bibliothek an. Nun hat doch jeder seine eigene Wohnung.

Scherf Wir haben halt überlegt, wie es am besten geht. Man muss seine Ideen klug optimieren. Jetzt haben wir auf jeder Etage eine eigene Küche. Das bietet sogar mehr Möglichkeiten als eine gemeinsame und vermeidet die alltäglichen Reibereien.

Die kommende Rentner-Generation wird keine lückenlose Erwerbsbiografie mehr haben. Muss jede Generation ihr eigenes Alten-Buch schreiben?

Scherf Sicher muss jede Generation auf die anstehenden Fragen ihre eigenen Antworten finden. Aber ich will auch meiner Generation nichts vorschreiben. Die Menschen sind sehr individuell und verfolgen ganz unterschiedliche Lebensentwürfe. Niemand muss genauso leben wie ich. Das Gleiche für alle? Nein, man darf nicht alle über einen Kamm scheren.

Welche Reaktionen haben Sie bisher auf Ihr Buch erfahren?

Scherf Von den Reaktionen bin ich ganz überwältigt. Mein Buch fand eine ungewöhnlich positive Zustimmung. Auf meinen Lesungen erlebte ich eine große Anteilnahme, teilweise persönlich richtig anrührend. Die meisten Lesungen waren ausverkauft, es gab wunderbare und sehr lebhafte Diskussionen.

Ihre meisten Leser werden über 50 sein. Was raten Sie den heute Jungen, den 20- bis 30-Jährigen?

Scherf Sie sollen nicht warten, bis sie alt sind, sondern so früh wie möglich überlegen, wie und mit wem sie ihr Leben organisieren wollen, wo sie ihren Platz finden in einem generationsübergreifenden Zusammenleben. Ich spüre, dass die Bereitschaft dafür groß ist. Die Frauen und Männer, die einen Beruf ausfüllen, Kinder groß ziehen und vielleicht dann noch die Eltern betreuen, müssen mit einer Doppel-, ja Dreifachbelastung klarkommen. Man nennt sie ja schon Sandwich-Generation. Das kann man nicht alles alleine stemmen. Ich rate allen dazu, sich einzulassen auf Überlegungen, wie man das Zusammenleben und die Aufgaben, die sich daraus ergeben, am besten gestaltet.

Eine aktuelle Frage: Sehen Sie den Protest der Globalisierungsgegner in Heiligendamm bloß als eine Sache der Jungen an?

Scherf Nein, sicher nicht. Denken Sie an Heiner Geißler, der weit über 70 und also kein Junger mehr ist, der Attac-Mitglied geworden ist. Die Kritik an den Folgen der Globalisierung reicht durch alle Generationen. Man darf diese Menschen nicht alle kriminalisieren. Das wäre katastrophal. Ich halte die Kritik an Politik für durchaus ehrenwert.

Quelle: RP

 
weitere Artikel
 
Links zu diesem Artikel
 

 
Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung:

       
Anzeige:

Aktuell bei RP Online
"Der ganz normale Basti"

Hückeswagen

"Der ganz normale Basti"

Im Interview mit unserer Redaktion spricht der 17-Jährige über seine Musik, seine Schulzeit ... mehr 

Ratingen

Navi-Diebe auf Reisen

Der Markt, auf dem gestohlene Navigationsgeräte (Navis) und Airbags unter der Hand verkauft ... mehr 

Videos

Video

Grefrather Eisbahn wird zur Filmkulisse

Die Schlittschuhläufer laufen eine Runde nach der anderen. Auf der Außenbahn des Grefrather Eisstadions ist dieses Mal alles etwas anders . ... mehr 

Tragischer Unfall: 400 Schafe fallen auf Autobahn

Hunderte Schafe sind in der Nacht zu Freitag auf eine Straße in Melbourne gefallen, als ein Tiertransporter auf einer Brücke umkippte und ... mehr 

Aus der Nachbarschaft

Tippspiel

Wir suchen den EM-Experten

Deutschland Niederlande Jubel Özil Klose Müller 2011 dpa

Wer übersteht die Vorrunde? Wer schafft es bis ins Finale? Das EM-Tippspiel von RP Online gibt Ihnen die Gelegenheit, Ihr fußballerisches Know-How unter Beweis zu stellen. Die besten Tipper erwarten tolle Preise. Jetzt anmelden und mitmachen! mehr 

Meistgelesen

Borussia Mönchengladbach

Anderson und Rupp kehren zurück

Neue Namen werden viele gehandelt in diesen Tagen, wenn von möglichen Zugängen bei Borussia die Rede ist. Zunächst rücken jedoch zwei alte Bekannte wieder in den Fokus. VON Thomas Grulke  mehr

 

Notfall-Szenarien für Griechenland

Wird die neue Drachme schon gedruckt?

 

22-jährige Studentin stirbt bei Autounfall

Marina Keegans Tod bewegt das Netz

 
 

Klose vor der Nase, Dzeko im Nacken

Mario Gomez trifft – und schmollt

Meistkommentiert

Notfall-Szenarien für Griechenland

Wird die neue Drachme schon gedruckt?

Während die Politik öffentlich noch über den Verbleib Griechenlands im Euro streitet, wird eine Neuauflage der alten griechischen Nationalwährung offenbar schon gedruckt. Von Thomas Reisener  mehr

MEHR

Kreis Wesel

20 Blutproben und 19 Drogentests

In der zurückliegenden Woche wurden bei Kontrollen auf den Straßen im Kreisgebiet zahlreiche Verkehrsteilnehmer angehalten und kontrolliert. Die Beamten ließen insgesamt 6740 ins Röhrchen pusten. Es kam zu 20 Ordnungswidrigkeitenverfahren, also ... mehr

 

Moers

Mit Sasol und Fernwärme gegen Klimakiller

MOERS/DUISBURG „Angela Merkel müsste uns dankbar sein“, meinte am Ende Dr. Gregor Lohrengel, Geschäftsführer von Sasol Solvents Germany, in Anspielung auf die Klimadebatte beim G8-Gipfel. „Die Umwelt ist der Gewinner“ einer ... VON heribert brinkmann  mehr

 
 
 
 
 
Bilder aus Moers
Das Bettenkamper Meer erstrahlt in neuem Glanz
Das Bettenkamper Meer erstrahlt in neuem Glanz
Bilder aus dem Naturfreibad nach der Modernisierung. mehr 
 
Das Bettenkamper Meer erstrahlt in neuem Glanz
Das Bettenkamper Meer erstrahlt in neuem Glanz
Bilder aus dem Naturfreibad nach der Modernisierung.
mehr 
Helge Schneiders Heimatabend in Moers
Helge Schneiders Heimatabend in Moers
Bilder vom Heimatabend mit Helge Schneider beim Moers Festival.
mehr 
Moers Festival 2012
Moers Festival 2012
Das 41. Moers Festival lockt am Pfingstwochenende Jazzfreunde aus ganz ..
mehr 
Dachstuhlbrand im Schloss Dieprahm
Dachstuhlbrand im Schloss Dieprahm
Der Dachstuhl des Wasserschlosses ist ausgebrannt. Vermutlich hat ein ..
mehr 
 
$imgtext

Wählen Sie den Service-Weltmeister!

43 Firmen aus dem Kreis Wesel stellen sich dem Wettbewerb: Wer bietet den besten Service? Wer hat die zufriedensten Kunden? Bis zum 23. Juni können Sie Ihre Bewertungen abgeben - und dabei tolle Preise gewinnen. Jetzt abstimmen 

Familienanzeigen