Moers: Altes Rathaus ohne Dämmung
VON HERIBERT BRINKMANN - zuletzt aktualisiert: 19.02.2010Moers (RPO). Die Grünen geben sich mit der Information, das Alte Rathaus werde ohne Wärmedämmung saniert, nicht zufrieden. Trotz Denkmalschutz sei eine alternative Dämmung möglich. Doch die Kosten der Isolierung sind nicht kalkuliert.
Aus dem Ratsbeschluss
Das Alte Rathaus wird unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes saniert. Nach der Sanierung sollte das Alte Rathaus dem Energiestandard eines Neubaus entsprechen. Die Errichtung der neuen Gebäude und die Sanierung des Alten Rathauses erfolgt unter Einsatz ökologischer Baustoffe. Die Neubauten müssen die Energieeinsparverordnung 2007 der Bundesregierung um 30 Prozent unterschreiten. Der Betrieb erfolgt unter Ausnutzung eines modernen regenerativen Energiemix.
Sachstandsbericht klingt so harmlos. Beim Thema Rathausneubau ging es im Bau- und Grundstücksausschuss durchaus hoch her. Als sich herausstellte, dass bei der Sanierung des Alten Rathauses die Dämmung kein Thema spielte, hagelte es Fragen. Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Christopher Schmidtke sah sogar den Ratsbeschluss durch die Verwaltung unterlaufen. Projektleiter Knauf wurde es zu mulmig und versprach seine Antwort für das Protokoll. Sind die im Ratsbeschluss geforderten Standards der Energieeinsparverordnung 2007 oder 2009 umgesetzt worden? In der Niederschrift steht heute: "Der angekündigte Bericht wird auf Grund seiner Komplexität zu einem späteren Zeitpunkt zugestellt."
Für Hochtief dagegen ist der Fall klar. Andreas Steiner, Leiter Kommunikation von Hochtief PPP Solutins GmbH in Essen, erklärt, eine Dämmung des Alten Rathauses sei nie ausgeschrieben worden. Außen komme der Denkmalschutz zum Tragen, die Dämmung nach innen zu verlegen, birge gewisse Risiken – bis zur Schimmelbildung – und sei teuer. Nach einer Kosten-Nutzen-Rechnung mache dies keinen Sinn. In der Summe werde aber die Forderung des Rates nach einer nachhaltigen Energieeinsparung eingehalten. Hochtief will beim Neubau alles wieder herausholen, so dass unterm Strich weniger Energieverbrauch herauskomme.
Grüne sind enttäuscht
Im Alten Rathaus gar nichts zu machen und an anderer Stelle zu sparen, "ist lächerlich", findet Grünen-Chef Schmidtke. Die Grünen wollen dran bleiben und nachverhandeln. Das Vorgehen der Verwaltung findet er enttäuschend. Bei den Grünen meldeten sich inzwischen Fachleute mit alternativen Vorschlägen. Etwa Uwe Löffler mit seiner Firma Ökotec in Moers. Er meint, es sei eine Sache von wenigen Minuten, zu prüfen, ob sich hinter der gemauerten Fassade ein Hohlraum befinde. Mit einem kleinen Loch und einem Endoskop sei dies leicht zu bewerkstelligen. Gebe es einen Hohlraum, könne dort Isoliermaterial hinein geblasen werden. Löffler hat während seiner Lehre 1970 mit geholfen, neue Fenster ins Alte Rathaus einzubauen. Der Erinnerung nach gebe es dort eine Hohlschicht, die zu nutzen wäre. Er selber hat auch für Hochtief am Centro Oberhausen mit Rigibead, einem Polystyrol-Partikelschaum-Granulat, als Dämmmaterial für Hohlräume gearbeitet.
Die Politik macht für sich auch die Rechnung auf, über Jahrzehnte hohe Energiekosten für ein nicht gedämmtes Altes Rathaus bezahlen zu müssen. Wacht die Politik zu spät auf? Beigeordneter Günter Wusthoff erinnert an den Projektausschuss vom 7. Januar 2009. Die Mitteilung, auf Grund des Denkmalschutzes sei keine Dämmung der Außenfassade vorgesehen, sei ohne Diskussion zur Kenntnis genommen. Doch Hochtief beruhigt. Die Energieeinsparungsverordnung 2007 werde auch beim Altbau eingehalten. Neue Fenster, die Dämmung von Dach, Heizkörpernischen und Fensterleibungen sowie ein Sanierungsputz sorgten für eine deutliche Verbesserung.
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