Neukirchen-Vluyn: Andreas-Bräm-Haus: buntes Fest zum 80-jährigen Bestehen
zuletzt aktualisiert: 12.08.2010Neukirchen-Vluyn (RPO). Mit einem bunten Spielefest und einer langen Kaffeetafel haben Bewohner, Gäste und Mitarbeiter jetzt das 80-jährige Bestehen des Andreas-Bräm-Hauses gefeiert und an die wechselvolle Geschichte erinnert. Benannt nach dem Gründer des Neukirchener Erziehungsvereins, Pfarrer Andreas Bräm (1797 bis 1882), gehört die heilpädagogisch-therapeutischeEinrichtung neben Haus Elim und dem Kinder- und Jugenddorf heute zu den drei stationären Jugendhilfeangeboten des Erziehungsvereins in Neukirchen-Vluyn. 73 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von acht bis 24 Jahren werden hier von einem Team aus Pädagogen, Therapeuten und Psychologen betreut. Angefangen hatte alles aber ganz anders.
Mit 50 Pfennig helfen
Gebaut wurde das Andreas-Bräm-Haus nämlich als Mütter- und Säuglingsheim. Die Initiative dazu ging von dem damaligen Vorsteher des Erziehungsvereins und späteren Mitgründer der Bekennenden Kirche, Karl Immer (1888 bis 1944), aus. 1927 rief er im Neukirchener Kalender zu einer "Müttersteuer" auf. Jede Mutter, die ein gesundes Kind zur Welt gebracht hatte, sollte 50 Pfennig spenden und damit den Bau des Heimes für "eheliche und uneheliche und uneheliche Mütter" ermöglichen. Sein Aufruf für die "Müttersteuer" erwies sich als geniale Idee. Spenden gingen unter anderem aus Dänemark, Finnland, Italien, der Schweiz und den USA ein.
Die Leitung des Hauses übernahm eine erfahrene Hebamme. Zur Belegschaft gehörten Schwestern des Mutterhauses des Neukirchener Erziehungsvereins. Das erste Kind, ein Mädchen, kam im Oktober 1930 zur Welt. 1931 wurde die angegliederte Säuglingspflegeschule staatlich anerkannt. Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte das Andreas-Bräm-Haus einen erneuten Aufschwung und war bisweilen sogar überbelegt. 1947 mussten sich zeitweise zwei Säuglinge ein Bett teilen. Erst nach dem Umbau im Jahre 1951 hatte wieder jedes Kind ein eigenes Bett. In den folgenden Jahren gingen die Geburtenzahlen allerdings immer weiter zurück, so dass die Entbindungsstation 1961 geschlossen wurde. Pastor Rudolf Weth, der damalige Direktor des Erziehungsvereins, sorgte in den 70er Jahren für eine weitere Differenzierung der sozialpädagogischen Arbeit und baute die Jugendhilfe aus. Das Andreas-Bräm-Haus wurde zum Kinderheim.
Hilfe und Unterstützung
"80 Jahre progressive Entwicklung sind schon ein Grund zum Feiern", sagt Christoph Thomé, der heutige Leiter des Hauses. Schließlich sei das Andreas-Bräm-Haus immer ein Ort gewesen, an dem Menschen in schwierigen Situationen Hilfe und Unterstützung erfahren hätten. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Und wer dort lebt und arbeitet, zeigte am Jubiläumstag auch mit einem gewissen Stolz, dass er dazu gehört. Mitarbeitende, Kinder und Jugendliche trugen den ganzen Tag über gelbe T-Shirts mit dem Namen des Hauses und einer großen "80" und ließen bunte Luftballons aufsteigen. Gefeiert wurde bis in den Abend. Zu den Attraktionen zählte eine mobile Kletterwand, die erst kurz zuvor angeschafft worden war.
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