Kamp Lintfort: Angespartes Geld ist futsch
VON CHRISTIAN SCHROEDER - zuletzt aktualisiert: 23.11.2006Kamp Lintfort (RPO). Allein in Kamp-Lintfort stehen 53 BenQ-Mitarbeiter, die in Altersteilzeit arbeiten, vor dem Nichts. Denn BenQ hat das Wertguthaben nach der Übernahme von Siemens nicht gegen Insolvenz versichert. Ein weiteres Kapitel der Pleite.
Den Job zu verlieren und von Arbeitslosengeld leben zu müssen, ist schon schlimm. Aber Geld angespart zu haben und dieses dann zum Großteil auf einen Schlag zu verlieren – das ist besonders bitter. Rund 100 BenQ-Mitarbeiter sind derzeit in Altersteilzeit. Weil BenQ es versäumt hat, das Altersteilzeit-Geld zu versichern, stehen die betroffenen Mitarbeiter vor dem Nichts. Denn sie kommen nicht in die geplante Transfergesellschaft.
Monika Sarski ist seit fast zweieinhalb Jahren in Altersteilzeit. Seit Sommer 2004 arbeitet die 57-Jährige in Vollzeit für die Hälfte des ursprünglichen Gehalts. Die Agentur für Arbeit bessert den Lohn etwas auf. Im Januar beginnt dann die passive Phase der Altersteilzeit: Monika Sarski braucht nicht mehr zu arbeiten, bekommt aber zweieinhalb Jahre lang weiterhin Geld. So war es geplant, so steht es in dem Vertrag, den die Kamp-Lintforterin damals mit Siemens abgeschlossen hat. „Den kann ich jetzt wohl zerreißen“, sagt die 57-Jährige unter Tränen.
Termine am Solizelt
Das Alevitische Kulturzentrum Moers engagiert sich für die BenQ-Mitarbeiter. Unter dem Motto „Gemeinsam sind wir stark“ werden die Aleviten am Sonntag, 26. November, um 15 Uhr am Solizelt anatolische Spezialitäten anbieten und Folkloretänze präsentieren.
Bereits heute besucht der Arbeitskreis Kirche und Arbeitswelt um 18 Uhr das Solizelt.
Am Samstag, 25. November, findet von 11 bis 18 Uhr ein Weihnachtsbasar statt, dessen Erlös der Lintforter Tafel zugute kommt.
Und für Sonntag hat sich um 12.30 Uhr auch ein Biker-Corso angekündigt.
Fünf Millionen fehlen
„Bei Mannesmann war es so, dass das Geld durch eine Bankbürgschaft abgesichert war, die jeder einsehen konnte“, erklärt BenQ-Mitarbeiter Werner Pawelski, für den es bereits die dritte Insolvenz seines Berufslebens ist. Kollegen hatten schon lange vor Bekanntwerden der Pleite nachgefragt, ob denn die durch Siemens abgeschlossene Versicherung der Gelder von BenQ übernommen worden sei. Es kamen keine eindeutigen Antworten. Jetzt wissen die BenQ-Mitarbeiter: Bereits seit März ist offenbar bekannt, dass keine Versicherung besteht.
Entsprechend wütend sind die Betroffenen. Sie sehen Siemens in der Verantwortung. „Mit fünf Millionen Euro Zuschuss könnte die Altersteilzeit bei BenQ zu Ende geführt werden“, erläutert Betriebsrat Michael Gerber. „Wir sehen nicht ein, dass unsere ganze Lebensplanung durcheinander gebracht wird.“
Denn das Arbeitslosengeld, das die betroffenen Mitarbeiter erhalten würden, ist in der Gesamtsumme in jedem Fall geringer als das Altersteilzeit-Geld. „Und wenn das Arbeitslosengeld womöglich anteilig dem reduzierten Lohn in der aktiven Altersteilzeit-Phase berechnet wird, dann ist sowieso Ende“, sagt Monika Sarski. „68 Prozent oder noch weniger von 1000 Euro. . . was ist das denn schon?“ Wie Sarski behalten sich viele Mitbetroffene vor, eventuell gegen Siemens zu klagen.
Alle hoffen aber, dass morgen nach einer Besprechung in München eingelenkt wird und Siemens das Geld zur Sicherung der Altersteilzeit freigibt. „Außerdem erwarten wir morgen nähere Informationen über die Transfergesellschaft“, so Betriebsrat Gerber.
Kleinfelds Mail-Fach
Gestern punkt 12 Uhr mittags schickten Hunderte BenQ-Mitarbeiter je eine E-Mail an Siemens-Chef Klaus Kleinfeld und appellierten noch einmal an dessen Verantwortung. Das Mail-Fach des Konzernbosses dürfte wohl übergelaufen sein. . .
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