Moers: "Angst vor der Heuschrecke" bei der Niag
VON TOBIAS SCHWERDTFEGER - zuletzt aktualisiert: 27.08.2010Moers (RPO). Die Angst geht um bei der Niag in Moers. Das Klima zwischen Geschäftsführung und Angestellten sei angespannt, anders als sonst. Mehr möchte Jürgen Rieck, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender, nicht sagen. Zwei Personalentscheidungen versetzen die gesamte Belegschaft in Unruhe. Die Rhenus Veniro GmbH, Mehrheitseigner mit Sitz in Mainz, hat die Umsetzung des Personalchefs und eines Abteilungsleiters angeordnet. Nun befürchtet die Belegschaft, dass weitere Umsetzungen und Streichungen folgen könnten.
"Mit Magenschmerzen" geht Rieck in die anberaumte Sitzung am kommenden Dienstag. Dort soll das Mainzer Modell vorgestellt werden. "Die Mainzer Herren" werden nicht anwesend sein. Bis dahin mag sich niemand äußern. Auf Anfrage der RP hieß es in Mainz lediglich "Fragen Sie in Moers", in Moers gab es seitens des Unternehmens "keinen Kommentar". Erst der Verdi-Landesfachgruppenleiter Straßenpersonenverkehr, Thorsten Neufeld, bricht das Schweigen und bringt Licht in die heikle Angelegenheit.
Wenn der Kreis Wesel den Betrieb des Nahverkehrs 2013 neu ausschreibt, könnte sich Mehrheitseigner Rhenus sowohl mit dem Hauptsitz in Mainz bewerben, aber auch mit der Niag in Moers. Am Ende des Tages zähle nur der Profit, sagt Neufeld. Bekäme Rhenus Mainz den Zuschlag, so befürchtet Neufeld, könnte das Druckmittel für die Fahrer der Niag lauten: Entweder 30 Prozent unter Tarif fahren (Tariflohn derzeit 1990 Euro brutto), oder Rhenus würde ein anderes Privatunternehmen mit dem Transport der Fahrgäste beauftragen.
In vielen anderen Betrieben sei dieses Prinzip bereits praktiziert worden, sagt Neufeld. Zuerst würden wichtige Entscheidungsträger ausgetauscht, danach folge schnell die Optimierung, und am Ende stehe die Wahl: Rauswurf oder Beschäftigung weit unter Tarif. "Wir mussten das leider so feststellen", berichtet Neufeld von ähnlich gelagerten Fällen, zum Beispiel bei der Teutoburger Waldeisenbahn. Die Politik hätte Möglichkeiten, das zu verhindern, indem sie zwei Prozent Anteile zukaufen würde.
"Das würde sich Rhenus mit Sicherheit teuer bezahlen lassen", ist sich Neufeld sicher. Er hofft auf die soziale Verantwortung des Mehrheitseigners. Die Betroffenen hätten "Angst vor der Heuschrecke".
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