Moers: Architekt mit Herzblut
VON CHRISTIAN MEYER - zuletzt aktualisiert: 29.11.2006Moers (RPO). Das Diplom von Tobias Freytag aus Moers an der Bauhaus-Universität in Weimar wurde unter 38 Arbeiten als zweitbeste bewertet. Der 28-Jährige präsentierte einen Gegenentwurf zu den Plänen, Berlins Mitte zuzubauen.
Geld für die Besten
Traditioneller Abschluss und Höhepunkt eines akademischen Studienjahres an der Bauhaus-Universität Weimar sind die Graduierungsfeiern jeder Fakultät. Zu diesem Anlass werden für die besten Diplome des aktuellen Jahrganges Preise verliehen, die für die Fakultät Architektur von der „StiftungBaukultur Thüringen“ ausgereicht werden. Über die Preisträger entscheidet dabei eine Jury aus hochkarätigen Fachleuten aus ganz Deutschland, die in diesem Jahr Preise in Höhe von 500, 400 und 300 Euro für die drei besten Architekturdiplome vergab.
/ WEIMAR Am liebsten würde er seinem Hobby frönen und in einer „Bretterbude“ irgendwo an der Costa Brava oder Costa del Sol hungrige Sonnenanbeter mit gehobener Crossover-Küche verwöhnen. Doch Tobias Freytags Metier ist die Architektur – nach eigenem Bekunden „mit Herzblut“, seit Anfang Oktober mit Diplom und seit kurzem sogar mit Auszeichnung: Die Abschlussarbeit des Moersers, der an der Bauhaus-Universität in Weimar studiert hat, wurde unter 38 Architekturdiplomen als zweitbestes bewertet und mit einem Preisgeld in Höhe von 400 Euro gewürdigt.
„Bedrohte urbane Subkulturen“
„Refugium für bedrohte urbane Subkulturen“ lautet der zwar sperrige und erklärungsbedürftige Titel. Er spiegelt jedoch den Anspruch des 28-Jährigen wider, als Architekt auch in politischen Dimensionen zu denken. Konkret stellen seine Pläne einen Gegenentwurf zu der Idee dar, in Berlins Mitte das Dienstleistungsviertel „Media Spree“ zu errichten. Freytags architektonischer Widerspruch richtet sich dabei nicht gegen die Etablierung Berlins als zukünftige Medienhauptstadt, sondern gegen die Vernichtung von öffentlichem Raum.
Nämlich genau dort, wo Kreuzberg, Friedrichshain und Treptow aufeinander treffen und sich bis heute seiner Ansicht nach „bewahrenswerte urbane Zufluchtstätten“ gebildet haben. Als familiär orientierte Zufluchtsraum hingegen wird sich in Kürze wieder der Niederrhein erweisen. Stellte das Studium in Weimar eine Rückkehr zu den thüringischen Wurzeln seiner Kindheit dar, die er in Bad Liebenstein bis zum stattgegebenen Ausreiseantrag der Eltern verbrachte, soll Moers als Basisstation für die zukünftige berufliche Ausrichtung dienen. Dort besuchte Tobias Freytag das altehrwürdige Gymnasium Adolfinum, wo Erfolge mit der Theater-AG fast zu höheren Weihen am Schlosstheater geführt hätten – wäre nicht ein Schuljahr im englischen Brighton dazwischen gekommen. Dort „darf“ er ab und zu den 57er Alfa-Oldtimer seines Vaters steuern, bei dessen Restaurierung er als der „eher intellektuellere Typ“ nur Handlangerdienste leisten konnte. Und dort lebt auch seine Schwester Barbara Sturm nicht weit entfernt, die sich als Orthopädin in Düsseldorf, insbesondere bei Promis, einen hervorragenden Namen gemacht hat.
Dinieren mit Nick Nolte
Jüngst saß man mit dem gerade kurierten Hollywoodstar Nick Nolte gemeinsam im sternegekrönten Schlosshotel Lerbach in Bensberg bei Köln, als Tobias Freytag wieder an seine kulinarischen Ambitionen denken musste.
Dass der Kellner zur Toilette vorgeht, hat ihn irritiert; das neungängige Menü hingegen so sehr begeistert, dass er der „Bretterbude“ in Katalonien oder Andalusien in naher Zukunft doch den Vorzug gegenüber einem sterilen Architekturbüro geben könnte.
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