Düsseldorf / Moers: Babyglück trotz Brustkrebs
VON JUTTA LAEGE - zuletzt aktualisiert: 17.10.2010 - 18:04Düsseldorf / Moers (RPO). Yasemin Karabas hatte einen Tumor. Im Brustzentrum Düsseldorf wurde sie erfolgreich behandelt und fünf Jahre später auf natürlichem Wege schwanger. Ihr Arzt, Mahdi Rezai, ist jetzt Pate des kleinen Azay
Den Rummel um seine Person erträgt der kleine Azay ziemlich gelassen. Dabei ist er die Hauptperson der kleinen Patenfeier in Moers, zu der ein ganz besonderer Pate aus Düsseldorf angereist ist: Mahdi Rezai, Direktor des Brustzentrums Düsseldorf und seit 30 Jahren auf Brustkrebs spezialisiert, entschloss sich spontan, die Patenschaft für Azay zu übernehmen – denn dessen Geburt war nicht selbstverständlich.
Azays Mutter, Yasemin Karabas, erkrankte vor fünf Jahren an Brustkrebs. Zunächst glaubten die Ärzte, dass es sich bei dem Knoten in der Brust "nur" um eine Zyste handelt. Von ihrem Gynäkologen bekam sie die Empfehlung, sich ans Düsseldorfer Brustzentrum zu wenden. Dort wurde dann festgestellt, dass sie an einem bösartigen Tumor erkrankt war. "Ich bin so froh, dass ich dorthin geschickt wurde", sagt die heute 30-Jährige rückblickend.
Informationstag
Das Brustzentrum am Luisenkrankenhaus war 2004 das erste zertifizierte in NRW. Inzwischen gibt es die Zentren unter Leitung Mahdi Rezais auch am EVK und am Marienhospital. In nächster Zeit soll auch die Zusammenarbeit mit Krankenhäusern in ländlicheren Regionen ausgebaut werden.
Yasemin Karabas wird am 24. Oktober beim 11. Düsseldorfer Brustkrebs-Informationstag im Luisenkrankenhaus teilnehmen. Erstmals ist der Tag als Dialogveranstaltung zwischen Ärzten, Patientinnen und Angehörigen angelegt.
Denn Rezai und sein Team konnten sie in eine gerade angelaufene Studie zu einer neuen Art von Therapie aufnehmen. Rezai: "Frau Karabas war sogar weltweit die erste Patientin, die die Therapie so bekommen hat." Erstmals wurden gleich zu Beginn der medikamentösen Behandlung neben der Chemotherapie sogenannte Antikörper mit verabreicht. Mit 40 000 Euro Kosten über den gesamten Behandlungskosten über den Verabreichungszeitraum eine teure Therapie – aber in Frau Karabas' Fall äußerst wirksam. Als sie nach fünf Monaten Behandlung von Rezai operiert wurde, war der Tumor nicht mehr da.
Aus Sicherheitsgründen wurde die Stelle, wo er gesessen hatte, dennoch herausgeschnitten. Es folgten weitere Antikörper-Therapie, Bestrahlungen der Brust und eine über dreijährige hormonelle Therapie. Diese Methoden sind in der Brustkrebstherapie gängige Praxis, häufig führen sie aber dazu, dass Frauen in die Menopause kommen, nicht mehr schwanger werden können.
Schlimme Diagnose
Auch Yasemin Karabas war sich dieser möglichen Spätfolge durchaus bewusst. "Man hat mich darüber aufgeklärt", erzählt die junge Frau. Um dem Kinderwunsch später vielleicht noch künstlich nachzuhelfen, wurde ihr im Luisenkrankenhaus vor Beginn der Therapie Eierstocksgewebe entnommen. "Doch das haben wir dann ja glücklicherweise gar nicht gebraucht", strahlt sie und wiegt den kleinen Azay zärtlich in ihren Armen.
Vier Jahre nach der schlimmen Diagnose wurde sie ganz natürlich schwanger. "Das versuchen wir unseren Patientinnen immer mit auf den Weg zu geben", erklärt Rezai: "Es wird eine schlechte Zeit geben, aber es wird ihnen später besser gehen." Seiner Ansicht nach lernen viele Frauen in der Zeit der Erkrankung eine neue Art von Selbstwertgefühl kennen. "Das stimmt", pflichtet die junge Mutter bei. "Man genießt jeden Augenblick, denkt ein bisschen mehr an sich selbst."
Als Rezai von der erfolgreichen Schwangerschaft und Geburt des kleinen Azay erfuhr, war die Patenschaft gleich beschlossene Sache. "Das hat meine Frau Indriani und mich emotional sehr berührt", erzählt er. "Ich bin sehr froh, dass unsere Vorgehensweise Früchte getragen hat." Im wahrsten Sinne des Wortes.
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