Kamp-Lintfort: „Ich bin sauer auf die Stadt“
VON CHRISTIAN SCHWERDTFEGER - zuletzt aktualisiert: 22.08.2008Kamp-Lintfort (RPO). Die „Weißen Riesen“ in Kamp-Lintfort sollen aus dem Stadtbild verschwinden. Problem: Mit dem Eigentümer der Vorbauten gibt es noch keine Einigung. Der Grafschafter sprach mit den Pächtern der Ladenlokale.
Die „Weißen Riesen“ in der Klosterstadt sollen aus dem Stadtbild verschwinden. Das ist beschlossen. Auf der Fläche möchte die Ten Brinke Projektentwicklungs-GmbH aus Bocholt ein modernes Einkaufszentrum errichten. Die Stadt Kamp-Lintfort hat einen Architekturwettbewerb initialisiert. Sechs Architekturbüros haben bis Ende September Zeit, Konzepte auszuarbeiten. Klingt auf den ersten Blick gut. Ein noch ungelöstes Problem trübt allerdings weiterhin die Euphorie des Investors und der Stadtoberen.
Die Flachbauten vor den Hochhäusern sind nicht im Besitz der Stadt oder der Ten-Brinke-Gruppe. Der Eigentümer der Flachbauten verhandelt zurzeit über einen Verkauf. Eine Einigung scheint allerdings vorerst auf Eis gelegt zu sein. „Wir konnten uns mit dem Eigentümer noch nicht finanziell einigen“, sagt Heinz-Günter Schmitz, SPD-Fraktionsvorsitzender. Der Eigentümer hat die Vorbauten an Geschäftsleute verpachtet.
Keine Informationen
Der Grafschafter fragte gestern drei Ladenbesitzer nach ihrer Meinung zur momentan ungeklärten Situation. Wilfried Wortmann, der dort einen Tabak- und Zeitschriftenhandel seit 1986 betreibt, ärgert sich besonders über die schlechte Informationspolitik der Stadt Kamp-Lintfort: „Ich bin richtig sauer auf die Stadt. Wir wissen eigentlich gar nichts. Keiner sagt uns etwas. Von der Stadt bin ich enttäuscht. Ich fühle mich im Stich gelassen. Vor rund zwei Jahren haben sie ja schon zwei der Hochhäuser dicht gemacht, ohne ein Konzept zu haben. Ich lebe aber von den Bewohnern, musste schon starke Umsatzeinbußen hinnehmen. Ich will endlich wissen, was Sache ist.“
Maria Cadeddu, die nebenan eine Änderungsschneiderei hat, befürchtet das Schlimmste: „Ich lebe von meinem Geschäft, verdiene mein Brot damit. Nächstes Jahr bin ich 20 Jahre hier. Ich habe Angst um die Zukunft. Aber es wird mir wohl nichts anders übrig bleiben, als dicht zu machen. Ich verstehe nicht, wieso die Stadt noch nicht auf uns zu gekommen ist. Die lässt uns kleine Geschäftsleute ziemlich im Regen stehen.“
Kai Prondzinsky ist der Inhaber des Fitnessstudios „Fit und Fun“. Der 37-Jährige ist gleicher Meinung: „Von Seiten der Stadt und des Investors hat keiner mit uns gesprochen. Nur unser Vermieter informiert uns.“ Prondzinsky macht sich aber keine großen Sorgen: „Ich habe hier noch lange einen Mietvertrag. Darüber haben sich die Verantwortlichen wohl noch keine Gedanken gemacht. Ich könnte mir vorstellen, dass es soweit kommen könnte, dass die Mieter hier auf Einhaltung ihrer Mietverträge klagen. Darauf bin ich mal gespannt.“
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