Neukirchen-Vluyn: „MGG handelt nicht korrekt“
zuletzt aktualisiert: 26.03.2007Neukirchen-Vluyn (RPO). Der Neukirchen-Vluyner FDP-Fraktionsvorsitzende Norbert Gebuhr zu aktuellen Themen wie Wahl der neuen Beigeordneten, Absprachen zwischen den Parteien, Umlagerungsbauwerk, neue Bürgergemeinschaft und Zukunft des Niederberg-Geländes.
Ein Blatt vor den Mund genommen hat Norbert Gebuhr noch nie. Im Gespräch mit RP-Redakteur Ulrich Joppich nimmt der FDP-Fraktionsvorsitzende im Neukirchen-Vluyner Stadtrat Stellung zu aktuellen Themen.
Herr Gebuhr, in Neukirchen-Vluyn ist zurzeit viel in Bewegung, wichtige Entscheidungen und Weichenstellungen stehen an. Was steht auf Ihrer Liste auf Platz eins?
Norbert Gebuhr Die Wahl der beiden neuen Beigeordneten sehe ich als das brennendste Problem. Zwei neue Leute in zwei sehr wichtigen Jobs. Gemeinsam mit dem Bürgermeister bestimmen sie auf der Verwaltungsseite die Geschicke der Stadt für die nächsten 15 Jahre. Deshalb muss man sehr genau abwägen, wer auf Dauer auf diese Stellen passt.
Stationen
Norbert Gebuhr (60) wurde in Oberbayern geboren, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Seit 1976 lebt er in Neukirchen-Vluyn, schon zwei Jahre vorher gründete er in seinem damaligen Wohnort Sankt Katharinen im Westerwald einen FDP-Ortsverband. Ab 1989 war er Vorsitzender des Stadtsportverbandes Neukirchen-Vluyn und ist seit September 1999 Ratsmitglied und FDP-Fraktionsvorsitzender.
Es gibt sowohl für den technischen Bereich als auch für die Stelle des Kämmerers Bewerber aus dem eigenen Rathaus.
Gebuhr Das ist richtig und auch legitim. Allerdings hat sich in einem Fall jemand beworben, der nicht die geringste Qualifikation für eine der beiden Stellen hat. Das halte ich für eine Unverschämtheit. Der Bürgermeister muss dafür sorgen, dass die Leute ihre Arbeit tun und nicht für unnötige Bewerbungsverfahren Zeit vergeuden.
Im Vorfeld der Beigeordnetenwahl scheint sich eine Allianz zwischen CDU und den Grünen abzuzeichnen?
Gebuhr Das hat mir von Anfang an missfallen. Dass CDU und Grüne seit 2004 eine Art Koalition haben, ist bekannt. Für Gelegenheiten wie jetzt die Wahl der Beigeordneten halte ich eine solche Kooperation jedoch für falsch. Es sollte nach Qualifikation und nicht nach Parteibuch oder Parteiabsprachen entschieden werden. CDU und Grüne haben die Ausschreibung dieser Stellen beantragt und den Ausschreibungstext mitgeliefert. Darin ist die Residenzpflicht formuliert. Das halte ich für sehr wichtig. Der Erste Beigeordnete ist Stellvertreter des Bürgermeisters und muss daher nah beim Volk sein. Die Bürger müssen ihn aber auch verstehen.
Apropos „nah beim Volk“. Die neue Bürgergemeinschaft wirft den Altparteien vor, den Bürgerwillen ignoriert zu haben. Als Beispiele werden die Zedernfällung und das Umlagerungsbauwerk genannt. Sieht die FDP eine Konkurrenz in der Bürgergemeinschaft?
Gebuhr Keineswegs. Wir sehen in „NV Auf gehts“ keine Konkurrenz und auch nicht in der Bürgergemeinschaft. Die Leute bewerben sich für Ratsmandate. Das können sie gerne tun. Wir werden weiterhin unseren konsequenten Weg auf sachlicher und menschlicher Ebene gehen. Das bedeutet, dass man bei Konflikten wie zum Beispiel der Fällung der Zeder auf dem Vluyner Platz Farbe bekennen und auch mal das Kreuz breit machen muss. Ich stehe nach wie vor zu der Entscheidung. Der Baum war in der Abwägung zu dem Bauprojekt zur Stärkung des Vluyner Ortskerns verzichtbar.
Aktuell gibt es Bürgerproteste gegen das geplante Umlagerungsbauwerk auf dem Niederberg-Gelände. Wie steht die FDP dazu?
Gebuhr Die Informationspflicht der MGG als Grundstückseigentümerin hat nicht funktioniert. Ich kann nicht jemandem ein Haus verkaufen und dabei verschweigen, dass in allernächster Zeit ein bis zu 13 Meter hoher Hügel vor diesem Haus aufgeschüttet wird. Das ist nicht korrekt.
Wie steht die FDP zum Einzelhandelszentrum auf dem Niederberg-Gelände?
Gebuhr Das Thema ist durch das Acocella-Gutachten und nach dem Workshop vom Tisch. Die MGG kann darauf nicht länger herumreiten. Wir haben von Anfang an von einer Nahversorgung für das Wohngebiet gesprochen und wollten es auf maximal 800 Quadratmeter beschränken. Wenn sich drumherum andere Geschäfte ansiedeln, ist das in Ordnung, wenn dabei der Einzelhandel in den Ortskernen berücksichtigt wird.
Im September 2009 gibt es die nächste Kommunalwahl. Werden Sie oder ein anderer Vertreter der FDP für das Amt des Bürgermeisters kandidieren?
Gebuhr Ich habe bei der letzten Kommunalwahl ein sehr achtbares Ergebnis erzielt. Wenn CDU, SPD und Grüne jedoch den Amtsinhaber stützen, dann steht man auf verlorenem Posten. Wir waren aber der Auffassung, dass es nicht demokratisch ist, wenn nur ein Kandidat zur Wahl steht. Ich werde wahrscheinlich nicht noch einmal kandidieren. Ich bin dann 63 Jahre alt und finde, dass ich Platz für jüngere Kandidaten machen sollte.
Wie sieht das Verhältnis von Norbert Gebuhr zu Bürgermeister Bernd Böing aus?
Gebuhr Als Böing 1999 zum ersten Mal als hauptamtlicher Bürgermeister zur Wahl stand, war er mir zu Verwaltungs-orientiert. Als Parteiloser hatte er keinen politischen Hintergrund, das halte ich für sehr wichtig. Von den zur Wahl stehenden Kandidaten war er allerdings zweifelsohne der Bessere. Böing ist nicht der Macher. Er wartet ab und versucht zu lenken. Er müsste zupacken und die wichtigen Themen wie Niederberg und Wirtschaftsförderung mehr zur Chefsache machen. Das sind die Dinge, die ein Bürgermeister steuern muss.
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