Moers: „Schlag ins Gesicht“
VON HERIBERT BRINKMANN - zuletzt aktualisiert: 10.02.2007Moers (RPO). Amar Azzoug, Vorsitzender des Bunten Tisches, kritisiert das Vorgehen des Ausländerbeirates in der unendlichen Frage der Richtlinien: Eine Extra-Behandlung bedeute eine positive Diskriminierung.
Ihm geht es ums Prinzip und die Qualität von Integration. „Wer gleich behandelt werden will, muss sich auch der Gleichbehandlung stellen.“ Alles andere, was ausländischen Vereinigungen eine Sonderrolle beimisst, ist für Amar Azzoug eine „positive Diskriminierung.“ Der Vorsitzende des Bunten Tisches fährt damit heftiges Geschütz gegen den Ausländerbeirat und seinen Vorsitzenden Cemil Mayadali auf. Im Ausländerbeirat sitzt Azzoug nur als beratendes Mitglied für den Flüchtlingsrat. Was er dort in dieser Woche erlebte, verschlug ihm die Sprache.
Ruhe vor dem Jubiläum
Jetzt hat er sie wieder gefunden. Der Ausländerbeirat habe hervorragende Arbeit geleistet, aber sei schon lange in den 80er Jahren steckengeblieben. Eine Politikerin wie Erika Scholten (SPD), die schon bei der Geburt des Ausländerbeirates dabei war, setze jetzt vor allem auf Beruhigung der erhitzten Gemüter. Denn in einem Monat soll das 25-jährige Bestehen des Ausländerbeirates gefeiert werden. Da könne man keinen Streit gebrauchen.
Amar Azzoug sieht im Ausländerbeirat ein grundsätzliches Problem. Der Wunsch der Politik vor 25 Jahren, ein Gremium zu bekommen, das die Interessen der Migranten repräsentiert, werde heute nicht mehr erfüllt. Der Ausländerbeirat werden von einer Minderheit dominiert. Nur 17 Prozent der Migranten in Moers, so Azzoug weiter, habe an den Wahlen zum Ausländerbeirat teilgenommen. Dagegen stehen 83 Prozent der Moerser Migranten, die den Ausländerbeirat entweder nicht kennen oder nicht als Gremium anerkennen. So sei es dazu gekommen, dass nur türkische Migranten, hauptsächlich aus den Moscheevereinen, im Ausländerbeirat vertreten seien.
Azzoug will aber keinesfalls die Legitimität des Ausländerbeirates in Frage stellen. Er kritisiert aktuell das Verhalten oder die Einstellung plus die Reaktion der Politiker darauf. Wenn Mayadali gegenüber der Verwaltung einen Dialog auf Augenhöhe einfordere, sei das keine Einbahnstraße. Richtlinien und die Gemeindeordnung gelten für alle. Auch Migranten müssten mit den gleichen Maßstäben gemessen werden. Es sei gang und gebe, dass Geldgeber klare Richtlinien hätten und einen Nachweis über die Verwendung von Zuschüssen bräuchten. Eine Sonderbehandlung für Ausländer zu verlangen, empfindet Azzoug als „Schlag ins Gesicht“ aller Migranten. Zwei Jahre lang hatte der Bunte Tisch Wochenendseminare zur Vereinsarbeit angeboten. Gekommen sind nur Deutsche, Libanesen und Togolesen.
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