Moers: Beifall für Wehner
VON HERIBERT BRINKMANN - zuletzt aktualisiert: 02.10.2006Moers (RPO). 16 Jahre nach seinem Tode und zum 100. Geburtstag erschien die erste umfassende Biographie des SPD-Politikers Herbert Wehner. Siggi Ehrmann und Jürgen Schmude würdigten ihn jeweils auf ihre eigene Art.
Die größte Überraschung der Wehner-Lesung in der Zentralbibliothek war die Nebenbemerkung, dass Greta Wehner mal für ein halbes Jahr bei der Arbeiterwohlfahrt in Moers gearbeitet hat. Heute ist es vor allem Ex-Bundesminister Jürgen Schmude, der den freundschaftlichen Kontakt mit Greta Wehner, der Witwe Herbert Wehners, aufrecht erhält. Auf Schmudes 70. Geburtstagsfeier im Juni traf Mark Rosendahl, stellvertretende Vorsitzender der SPD Rheinkamp, den Historiker Dr. Christoph Meyer wieder, der seit 1998 das Herbert-Wehner-Bildungswerk in Dresden leitet. Die beiden kannten sich durch die politische Arbeit während ihrer gemeinsamen Studienzeit in Köln. Da Meyer zum 100. Geburtstag Wehners eine umfangreiche Biographie geschrieben hatte, war die Lesung in Moers schnell vereinbart. Als Veranstalter waren die Kreisverbände der SPD und des DGB ebenso schnell gefunden wie die Zentralbibliothek und die Buchhandlung Spaethe.
Leitspruch Wehners
Seine Frau Greta zitiert den Leitspruch Herbert Wehners so: „Helfen. Und arbeiten und nicht verzweifeln. Und auch die skeptischen Leute die Erfahrung erleben lassen, dass es mit Ehrlichkeit geht.“ Der Moerser Dr. Jürgen Schmude ist Sprecher des Freundeskreises Herbert-Wehner-Bildungswerk Dresden.
Protestantische Christen
Die Nähe kommt nicht von ungefähr. Wehners Eltern waren gläubige protestantische Christen und zugleich Sozialdemokraten. So nahm die Mutter ihren Sohn Herbert einfach zur Maikundgebung mit. Der Historiker Christoph Meyer, Jahrgang 1966, hat Wehner nicht mehr persönlich kennen gelernt. Zum ersten Mal hörte Meyer von ihm als Kommunionkind, als der Pfarrer von Wehner als einem Erzkommunisten sprach, vor dem man sich in acht nehmen müsse. Meyer musste seine Mutter erst mal fragen, was ein Erzkommunist sei. Bei seiner Lesung in Moers kam Wehners Zeit im Moskau Stalins nicht vor, dafür die Kindheit in Dresden. In einer seiner Thesen sieht Meyer Wehner als jemanden, der sich in Moskau schuldig machte, aber in der Hölle überlebte und geläutert wiederkam. Im Gefängnis in Schweden brach er mit dem Kommunismus.
Herbert Wehner war einer der umstrittendsten Politiker der alten Bundesrepublik. Es gibt viele Wehner-Bilder, die meisten seien zu korrigieren, meint Autor Meyer und schrieb eine eigene Biographie, die erstmals den privaten Briefwechsel auswertet. Meyer teilt die Etiketten „rätselhaft“, „zerrissen“ oder „dämonisch“ nicht. Siggi Ehrmann, heute für Moers im Bundestag, bewunderte nicht nur Wehners urgewaltigen Worte voller Emotionen, sondern auch dessen permanente Präsenz im Plenum.
Jürgen Schmude erinnerte sich, wie damals die Moerser Jungsozialisten Protesttelegramme gegen große Koalition und Notstandsgesetze nach Bonn geschickt hätten. Seine erste Begegnung mit Wehner im Dezember 1967 bei der Verleihung des Ehrendoktors an Justizminister Gustav Heinemann war so auch nicht sehr freundlich. Später habe er ihn als einen großartigen Politiker kennen gelernt. Und auch als Menschen, der ihm zur Geburt des Sohnes ein Päckchen schickte.
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