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Kamp Lintfort: BenQ: Galgenfrist bis Jahrsende

VON DIRK MÖWIUS - zuletzt aktualisiert: 02.10.2006

Kamp Lintfort (RPO). Die Insolvenz des Handyherstellers BenQ war auch am Wochenende bundesweit das zentrale Thema. Für die Mitarbeiter in Kamp-Lintfort gibt es zumindest eine Galgenfrist. Bis Jahresende soll weiter gearbeitet werden. Das kündigte Insolvenzverwalter Martin Prager an. Der Münchener Anwalt: „Wir haben drei Monate Insolvenzgeld. Die Voraussetzungen sind gut, dass wir weiter produzieren können. Aber das Unternehmen muss ab 1. Januar profitabel sein, sonst kann es der Insolvenzverwalter nicht fortführen.“ Sorgen bereite ihm die „verworrene patentsituation“. Ob das insolvente Unternehmen unter diesen Umständen gerettet werden könne, „darauf habe ich noch keine Antwort“, sagte Prager. Er will zunächst versuchen, das Unternehmen als Paket zu verkaufen.

Helfen durch Handykauf

BenQ-mobile-Chef Clemens Joos serklärte: „Wir sind zu 70 Prozent durch die Restrukturierung durch. Wir haben inzwischen eine sehr wettbewerbsfähige Produktsparte. Die gesamte Belegschaft hatte sich darauf gefreut, jetzt im Weihnachtsgeschäft die Früchte zu ernten.“ Dass der Mutterkonzern in Taiwan jetzt entgegen der Zusagen die Zahlungen eingestellt habe, habe auch ihn völlig überrascht. Joos rief die Verbraucher auf, durch Handykauf zur Rettung der bedrohten Arbeitsplätze beizutragen. Joos verteidigte Siemens gegen den Vorwurf der Gewerkschaften, die Handysparte mit dem Verkauf an BenQ kaltblütig ans Messer geliefert zu haben. „Ich weiß, dass Siemens damals befürchtet hat, dass das passiert, was jetzt passiert ist - und das war nicht gewünscht!“ sagte Joos.

Damit widerspricht er der Auffassung des Betriebsrates. Laut „Welt am Sonntag“ heißt es in einem Brief des Betriebsrates an den ehemaligen Arbeitgeber Siemens: „Offensichtlich handelte es sich lediglich um einen Deal zwischen der Siemens AG und BenQ, um 3000 Beschäftigte zu entsorgen.“ Das belege die Aufsplitterung des Siemenshandysparte in drei Gesellschaften: Eine, die Anfindungen der BenQ-Manager sichere, eine zweite, in der die Vemögenswerte eingebracht worden seien und die dritte mit den Mitarbeitern, die nun Insolvenz angemeldet habe.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos ging in der „Bild am Sonntag“ mit Siemens hart ins gericht: „Ich bin von den unternehmerischen Leistungen dort enttäuscht“, sagte er. Was Nokia geschafft habe, hätte Siemens auch schaffen müssen.

Die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ berichtete gestern, Siemens habe an BenQ erheblich mehr Geld für die Übernahme als „Mitgift“ bezahlt als bisher bekannt sei. Siemens wies dies gestern umgehend zurück.

Quelle: RP

 
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