Moers: Beraten und verkauft?
VON CHRISTIAN SCHROEDER - zuletzt aktualisiert: 17.11.2008Moers (RPO). Der Verbraucherzentrale laufen Bankkunden, denen Lehman-Zertifikate verkauft wurden, die Türen ein. Auch am RP-Telefon klagen Leser, sie seien bei Anlagegeschäften fehlberaten worden. Die Citibank weist die Vorwürfe zurück.
Die Stimme klingt verzweifelt. „Wir haben ausdrücklich gesagt, wir wollen nur eine ganz sichere Anlageform, nichts Spekulatives“, berichtet der RP-Leser am Telefon. „Dennoch hat die Citibank in Moers beständig versucht, uns kursabhängige Fonds zu verkaufen“, so der Senior.
Klagen wie diese über offenbare Falschberatungen durch Banken sind in der derzeitigen Finanzkrise an der Tagesordnung. (Nachvollziehbarer) Frust über Anlagenverlust und die bereits am Pranger stehenden Banken als willkommener Buhmann? Nein, sagt Heidi Böckle von der Verbraucherzentrale Moers, in der Geballtheit der Klagen zeige sich, dass hinter den Falschberatungen eine Systematik stecke. Auf NRW-Ebene behält sich die Verbraucherzentrale sogar vor, gerichtlich gegen die Citibank vorzugehen. Das Kreditinstitut habe Anlegern bewusst die Risiken von Lehman-Zertifikaten verschwiegen, so der Vorwurf.
Verbraucherzentrale
Ratschlag Unentschlossene Anleger sollten ihr Geld auf Tages- und Festgeldkonten parken, bis mehr Klarheit über die weitere Entwicklung der Finanzmärkte herrscht, rät die Verbraucherzentrale NRW. Servicenummer Die unabhängigen Finanzberater der Verbraucherzentrale beantworten unter Tel. 08 00 66 48 58 8 Fragen besorgter Privatanleger.
Zertifikate für alte Leute
Heidi Böckle in Moers hat den Eindruck, dass diese Lehman-Papiere ganz gezielt älteren Menschen über 60 verkauft worden sind. „Es sind jedenfalls sehr viele, die deshalb verzweifelt zu uns kommen“, sagt sie. Könne dem entsprechenden Kreditinstitut eine bewusste Falschberatung nachgewiesen werden, stünden die Chancen für die Käufer von Lehman-Papieren nicht schlecht, über den Klageweg eine Entschädigung zu erhalten.
Zunächst hören sich die Verbraucherberater die individuellen Geschichten an und „sortieren“ dann die erfolgversprechenden Fälle an. „Ohne Klage kommen diese Leute aber nicht weiter“, erklärt Heidi Böckle, die dann zur Beratung an einen Anwalt übergibt. Manch alte Leute, die finanzielle Verluste erlitten haben und durchaus Chancen auf Entschädigung haben, würden aber dennoch resignieren. Böckle: „Eine über 80-Jährige sagt zum Beispiel, eine Klage würde sie nicht durchhalten.“
Die Citibank widerspricht den Vorwürfen der Verbraucherzentrale. „Jeder Kunde erhält beim Kauf alle Informationen über die Chancen, die ein Papier bietet, aber ebenso ausführliche Hinweise auf die Risiken, die mit einem Investment verbunden sind“, so ein Sprecher. Die Lehman-Zertifikate seien für den Käufer als Fremd-Produkt erkennbar gewesen. Das Grundberatungsgespräch in der Verbraucherzentrale kostet 26 Euro, die Einschaltung des Anwalts noch einmal 18 Euro.
Info Die Anmeldeliste in der Unterwallstraße 5 (Tel. 0 28 41 22 20 1) ist über Wochen ausgebucht.
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