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Kamp-Lintfort: Bürger kämpfen gegen "Giftberg"

VON CHRISTIAN SCHWERDTFEGER - zuletzt aktualisiert: 20.08.2009

Kamp-Lintfort (RPO). Die Straßen tragen Namen wie Erle und Buche. Blumen zieren die Vorgärten. Die Hecken sind sauber geschnitten. Es ist ruhig. Selten fährt mal ein Auto durch die kleine Siedlung. Ein Vorstadtidyll, in dem es sich aushalten lässt – sollte man meinen. In nicht einmal 500 Meter Luftlinie Entfernung liegt der Eyller Berg – und damit auch die Sonderabfalldeponie.

Viele Anwohner leben dort deswegen in großer Sorge, besonders wenn es windig ist. Denn dann legt sich der nach Ansicht vieler Anwohner gefährliche Staub der Abfalldeponie – je nach Windrichtung – auf die Dächer und Gärten der Siedlung. Viele Menschen, die in unmittelbarer Nachbarschaft zum "Giftberg" wohnen, seien in den vergangenen Jahren an Krebs erkrankt, sagt Otto Sartorius, Sprecher der neu gegründeten Bürgerinitiative "Giftberg", die das Ziel hat, die geplante zusätzliche Abfallbeseitigungsanlage auf dem Eyller Berg zu verhindern. Ob die Erkrankungen aber in Zusammenhang mit der Sondermülldeponie stehen, konnte bisher nicht bewiesen werden.

Wolfgang Giesen von den Grünen in Neukirchen-Vluyn hat mit einem Tele-Objektiv Bilder von der Anlage gemacht. Die Aufnahmen (die Bilder liegen unserer Redaktion vor) beweisen, dass die Abfälle teils ungeschützt auf der Ladefläche liegend, also ohne Schutzplane, auf die Deponie gekarrt werden. "Allein dadurch staubt es ungemein", sagt Uli Blauert, ebenfalls Sprecher der Bürgerinitiative. Die auf drei Monate befristeten Luftmessungen der Stadt Kamp-Lintfort haben allerdings keine beträchtliche Staubemmission ergeben. "Die Messung war völlig sinnlos, weil sie in den Wintermonaten, wenn es nicht staubt, durchgeführt wurde und zudem zeitlich begrenzt war", meint Uli Blauert von der Initiative "Giftberg".

Seit vielen Jahren kämpft Otto Sartorius, der auch unweit der Deponie in einem Einfamilienhaus wohnt, nun schon gegen die Betreiber der Abfallentsorgungsanlage. Besonders ärgert er sich über die Bezirksregierung Düsseldorf, die als oberste Aufsichtsbehörde die Sondermülldeponieanlage zu überwachen hat. Diese Wächterfunktion werde aber von der Bezirksregierung nach Ansicht der Bürgerinitiative nur sehr spärlich wahrgenommen. "Die sind so schwerfällig wie ein 600 000-Tonnen-Öltanker. Bei denen bewegt sich nichts – und wenn dann nur mit Jahren Verzögerung."

So sei die Abfallanlage am Eyller Berg immer noch nicht vollständig mit massiven Gitterzäunen umschlossen. Die Umweltaktivisten der Bürgerinitiative vermuten, dass Lobbyarbeit seitens des Abfallentsorgers für die langsame Entscheidungsfindung verantwortlich sein könnte. Auch die Stadt Kamp-Lintfort wird von der Bürgerinitiative kritisiert. "Die haben tatenlos mit angesehen, was der Abfallentsorger auf dem Eyller Berg macht", meinen die Sprecher der Bürgerinitiative. Ausdrücklich loben Sartorius und Blauert aber die Haltung der Kreisverwaltung.

Quelle: RP

 
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