Kamp-Lintfort: "Chemieunfall" war Reizgas-Attacke
VON CHRISTIAN SCHROEDER - zuletzt aktualisiert: 17.02.2009Kamp-Lintfort (RPO). Das dürfte ein teurer, ein sehr teurer "Streich" für die beiden 15-jährigen Realschüler gewesen sein: Gestern Morgen um 10.15 Uhr, der Biologieunterricht im ersten Stock der Realschule in der Sudermann hatte gerade begonnen, sprühten sie im Klassenzimmer mit Tränengas. "Plötzlich tränten mir die Augen, und ich musste fürchterlich husten", erinnert sich Achtklässlerin Jenny. 19 weitere Klassenkameraden klagten ebenfalls über Reizungen der Schleimhäute.
Ob einige dieser Schüler mitbekommen hatten, wie die beiden Jungen das Gas sprühten, steht nicht eindeutig fest. In der Schule ging jedenfalls die Nachricht, 20 Jugendliche würden husten und könnten nichts mehr sehen, wie ein Lauffeuer umher. Die über Telefon alarmierten Rettungskräfte gingen daher zunächst davon aus, im Chemieunterricht sei ein Versuch missglückt. Entsprechend groß war das Aufgebot, das an der Realschule eintraf: rund 15 Kranken-, Feuerwehr- und Sanitätswagen sowie mindestens zehn Streifenwagen. Polizisten sperrten den Bereich um die Realschule ab. Die nicht betroffenen Schüler drängten sich an den Scheiben der Klassenzimmer, beobachteten Kameraleute und Polizisten auf dem Schulhof. Was für ein Schauspiel!
Vorsorglich wurden die 20 Achtklässler im Alter zwischen 13 und 15 mit Rettungswagen in Krankenhäuser gebracht oder vor Ort behandelt. "Für andere Schüler hat zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr bestanden", beruhigte Polizeipressesprecher Josef Wißen beunruhigte Eltern, die zur Schule geeilt waren. "Meine Tochter hatte mich sofort über Handy angerufen, da bin ich hierher gekommen", erzählte Schülermutter Sandra Heller.
Zu diesem Zeitpunkt saßen die beiden 15-jährigen Achtklässler bereits auf der Kamp-Lintforter Wache und wurden vernommen. Sehr schnell hatten Polizei und Feuerwehr gemerkt, dass kein Chemieunfall Auslöser der Reizungen gewesen sein konnte. Denn es war im Unterrichtsraum nicht mal eine Versuchsapparatur aufgebaut gewesen. Die in Verdacht geratenen Schüler waren offenbar geständig. "Der eine soll den anderen dazu gedrängt haben, das Gas zu versprühen", so Wißen. Auf die beiden dürfte jetzt eine Anzeige wegen Körperverletzung zukommen. www.rp-online.de/moers
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