Moers: Criminale gegen KriMinale
VON CHRISTIAN SCHROEDER - zuletzt aktualisiert: 28.03.2008Moers (RPO). Ein Zusammenschluss von 500 deutschen Krimiautoren klagt vor dem Düsseldorfer Landgericht gegen die Stadt Moers. Denn ihr Krimifestival heißt (fast) genauso wie das in der Grafenstadt.
Noch vor einigen Wochen fühlte sich Autorin Gisa Klönne bei ihrer Lesung in Moers pudelwohl – jetzt klagen sie und ihr Verband gegen die Stadt. Die Krimischreiberin gehört dem „Syndikat“ an, einer Vereinigung von rund 500 Krimiautoren, die seit Jahren einmal im Jahr ein Lesefestival namens „Criminale“ veranstaltet. Klingt gesprochen wie „KriMinale“ – deswegen klagt Syndikat jetzt gegen Moers vor dem Düsseldorfer Landgericht.
Unterlassungsklage eingereicht
Mit der Unterlassungsklage solle erreicht werden, dass die niederrheinische Stadt ihr Literatur- und Krimifestival umbenennt, begründete das Syndikat am Donnerstag in Münster seinen Schritt. Die Bezeichnung „KriMinale Moers“ kopiere bewusst das jährlich an anderem Ort stattfindende Krimifestival „Criminale“ des Syndikats, so Syndikat-Sprecher Jürgen Kehrer. „Doch wir müssen die Einzigartigkeit der seit 20 Jahren stattfindenden Criminale schützen.“ Dass die Reihe in der Grafenstadt „KriMinale Moers“ heiße, sei nicht ausreichend, um sich zu unterscheiden. Denn es werde auch hier häufig lediglich von „KriMinale“ gesprochen und der Zusatz „Moers“ weggelassen. Klanglich falle dann jede Unterscheidbarkeit weg, sagt Kehrer, zum Beispiel im Radio, sagt Kehrer.
„Wir haben Moers bereits vor einiger Zeit einen Unterlassungs-Schreiben zugeschickt“, so der Krimiautor aus Münster. Aber der Brief sei ignoriert worden. Die Stadt Moers verweist vielmehr darauf, sich „KriMinale Moers“ als Wort- und Bildmarke geschützt zu haben. „Wir haben die Klage noch nicht bekommen, wissen also nicht, was wir unterlassen sollen“, erklärt Thorsten Schröder von der Pressestelle.
Die Stadt-Verantwortlichen seien betrübt, dass „Syndikat“ solch schwere Geschütze auffahre, schließlich verfolge das Krimi-Festival der Grafenstadt keinerlei finanzielle Interessen. Es sei eine relativ kleine“ Veranstaltungen mit jeweils etwa 30, maximal 200 Besuchern mit lokal-regionaler Reichweite. Mit Angeboten für Schulklassen und Jugendliche erhalte der Bildungsauftrag in Moers ein besonderes Gewicht. Das Moerser Festival, bei dem neben Gisa Könne auch einige andere Syndikat-Autoren zu Gast waren, weise nur wenig Parallelen zur Festivalform der „Criminale“ auf, sagte Schröder.
Bis die Streitereien geklärt sind, werden hier aber keine Syndikat-Autoren mehr mitmachen. Kehrer: „Wir haben sie aufgefordert, nicht mehr in Moers zu lesen.“
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