Moers: Dalai Lamas Kundschafter
VON CHRISTIAN SCHROEDER - zuletzt aktualisiert: 31.01.2008Moers (RPO). Im Auftrag des tibetischen Oberhauptes besuchte gestern der Mönch Lama Jamphal das St.-Josef-Krankenhaus. Er holte sich Anregungen für den Bau eines Krankenhauses, das der deutsche Verein „Roter Lotus“ vorantreibt.
Der Patient im Krankenbett, der über die Gänge geschoben wurde, wunderte sich und dachte: „Dieser Mann dort, der sieht ja aus wie ein tibetischer Mönch!“ Tatsächlich war er eben auf dem Flur des St.-Josef-Krankenhauses dem Chefbeauftragten des Dalai Lama begegnet: Venerable Lama Jamphal besucht derzeit auf Weisung des tibetanischen Oberhauptes Duisburg und Moers. Beim Rundgang durch St. Josef holten Lama Jamphal und sein Sekretär sich Anregungen für den Aufbau eines modernen Krankenhauses.
Arztpraxis zerlegt
Dieses soll am Fuße des Himalajas gleich neben der ältesten Universität von Tibet entstehen. Lama Jamphal ist Direktor der Abteilung Gesundheit und Ausbildung. Hilfe beim Bau des dringend notwendigen Hospitals erhält er vom Verein Roter Lotus, den das Arztehepaar Dr. Hedda und Claus Blumeroth 2006 gegründet haben. Die Blumeroths haben bereits die Ausstattung ihrer Duisburger Arztpraxis nach Tibet verschifft. Die rund 5000 Einzelteile lagern im Kloster der Universität, bis das Krankenhaus fertig gebaut ist.
Richard Gere hilft
Bei Besuchen des tibetischen Klosters hat Familie Blumeroth auch den Schauspieler Richard Gere kennen gelernt. Gere ist Buddhist und hat Hilfe beim Bau des Krankenhauses zugesagt. Der Schauspieler hat in der Gegend des Klosters bereits eine Straße bauen lassen.
Bittere Armut
Von solch einer modernen Radiologie, die er sich gestern Nachmittag zeigen ließ, kann Lama Jamphal zunächst nur träumen. Erst einmal möchten sie in Tibet eine medizinische Grundversorgung anbieten. „Für Afrika wird so viel getan, für Tibet so wenig“, klagt Hedda Blumeroth, die mit ihrem Mann und ihrem Sohn die bittere Armut der indischen Bevölkerung, der Slumbewohner und der Exiltibeter kennen gelernt hat. Mit dem Bau sol bereits im März begonnen werden. Claus Blumeroth rechnet mit – vergleichsweise niedrigen – Baukosten in Höhe von 500- bis 700 000 Euro. Noch ist nur ein Teil des Geldes vorhanden. Die Initiatoren hoffen auf Spenden (www.roterlotus.org). Rund 100 Betten soll das Haus haben. Es sind Abteilungen für Chirurgie, Innere Medizin, Gynäkologie und Geburtsthilfe, Kinderklinik, Radiologie und Labordiagnostik geplant. „Das Hausdach soll mit einer Solaranlage ausgestattet werden. Die Stromversorgung ist nämlich sehr schlecht“, weiß Claus Blumeroth.
Mit dem Besuch in Deutschland wollen Lama Jamphal – und indirekt auch der Dalai Lama, der mit zum Krankenhauskomitee gehört – dem Verein Roter Lotus ihren Dank ausdrücken. „Der Dalai Lama sagt, dass die Tibeter sich die christlichen Orden und Missionare zum Vorbild nehmen sollen. Denn sie verkörpern angewandtes Mitgefühl“, so die Botschaft des hohen Besuchers.
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