Moers: Das fernbediente Konzert
VON ANJA KATZKE - zuletzt aktualisiert: 03.02.2009Moers (RPO). Stadtmusikant Simon Rummel traf am Sonntag zum ersten Mal auf sein Moerser Publikum. Beim Gesprächskonzert im Studio des Schlosstheaters nahm er es mit auf eine Reise in seine ganz eigene Welt der improvisierten Musik.
Simon Rummel aus der Position des Beobachters und Zuhörers heraus zu charakterisieren, ist nicht leicht: äußerst sympathisch, zurückhaltend, schüchtern vielleicht, ein bisschen Clown, ein bisschen Kind mit viel Sinn für Humor, aber auf jeden Fall: ein Musikbesessener. Ein Erfinder und Forscher in der improvisierten Musik, einer, der die Grenzen der Genres überschreiten will und die "Dinge gerne nur einmal macht": Den Aufwand, der nötig ist, dasselbe zu wiederholen, steckt er lieber in die Entdeckung von etwas Neuem. Das ist die Aura, mit der sich der neue Moerser Stadtmusikant umgibt, der zum 1. Februar die Nachfolge von Angelika Niescier angetreten hat. Nach dem Gesprächskonzert, zu dem Moers-Festival-Chef Reiner Michalke in das Studio des Moerser Schlosstheaters eingeladen hatte, nahmen die Zuhörer eine Ahnung davon mit, was sie 2009 aus dem Haus an der Kleinen Allee Überraschendes zu erwarten haben.
Simon Rummel
Der Kölner Multi-Instrumentalist und Komponist war neben seiner Arbeit als freischaffender Künstler acht Jahre Organist und Kantor einer evangelischen Kirche sowie Chorleiter und Band-Coach an der offenen Jazzhausschule Köln. Mit seinem Ensemble "Fantasmofonika", das er 2003 mit improvisierenden Künstlern gründete, realisiert er einen Großteil seiner Kompositionen. Rummel wird am 29. Mai das Moers Festival eröffnen.
Richtiger Moerser Bürger
Eine kleine Kostprobe hatte Simon Rummel, der durch John Taylor, ein bekannter Pianist aus London, zum Studium an der Musikhochschule Köln motiviert worden war, zum Gesprächskonzert vorbereitet: "Remote Concert" nannte er das, was sich letztendlich als ein fernbedientes, amüsantes Improvisieren mit dem Publikum herausstellte. Im Vorfeld hatte der Multi-Instrumentalist improvisierte Miniaturen am Flügel gespielt, die einzelnen "Schnipsel" zwischen 20 Sekunden und zwei Minuten zusammengeschnitten und auf CD aufgezeichnet. Die Miniaturen tragen Titel wie "Arktische Uhr", "Weltraumkreisel, eingesperrt", "Klavier im Pazifik", "Uhr in der Tropfsteinhöhle" oder "Glocke in Moers". Im Schlosstheater-Studio standen auf dem Flügel zwei CD-Player, die die Zuhörer mit der Fernbedienung in Gang setzten und so zwischen den einzelnen Titel wählen konnten. Rummel selbst reagierte am Flügel auf die Stückchen, versank regelrecht traumwandlerisch in sein Instrument. Obwohl von zwei Seiten beschallt, habe er doch viele seiner kleinen Improvisationen wieder erkannt, erklärte er später im Gespräch mit Reiner Michalke. Er versuchte, dem Musiker Persönliches zu entlocken. Wie er zur Musik gekommen sei, wollte er wissen. Und Rummel erzählte – von seiner Kindheit in Trier, dem Blockflöten-Spiel und von den Besuchen im Trierer Jazzclub: "Ja den gibt es dort tatsächlich", sagte der junge Künstler verschmitzt. Und er erzählte von seiner Zeit an der Musikhochschule, als er schnell merkte, dass der Jazz allein nicht ausreicht, seine Ideen zu realisieren. "Ich habe mir dann alles an der Hochschule angeguckt." In die Wohnung an der Kleinen Allee ist er noch nicht eingezogen. "Aber bald. Ich löse meine jetzige Wohnung in Frechen auf und werde richtiger Moerser Bürger, mit Eintrag im Personalausweis und so", betonte Simon Rummel.
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