Moers: Das Jahr des Museums
VON ANJA KATZKE - zuletzt aktualisiert: 31.12.2007Moers (RPO). 2008 ist das Jahr des Grafschafter Museums im Moerser Schloss: Es wird 100 Jahre alt. Die Initiative zur Gründung eines Museums in der Grafenstadt ergriff der damalige Amtsgerichtsrat Hermann Boschheidgen.
Museumsverein
Die volkskundliche Sammlung des Museums- und Geschichtsvereins ist der Stadt Moers in Form eines Leihgabevertrages übertragen und bildet den Grundstock der Ausstellungsstücke des Museums im Moerser Schloss. Der Verein sieht in der Unterstützung der jeweiligen Museumsleitung und der Erweiterung der Sammlung seine satzungsgemäße Aufgabe.
Hermann Boschheidgen war ein Mann mit Weitsicht: Auf einem alten Grafschafter Bauernhof, dem Hagenschen Hof in Niep, geboren, erkannte er schon früh, dass die Industrialisierung die bäuerliche Kultur allmählich verschwinden lassen würde. Anfang des 20. Jahrhunderts engagierte er sich für die Einrichtung eines Museums in der Grafschaft. Ob er es sich hat träumen lassen, dass dieses Museum 100 Jahre später noch Bestand haben würde? Eröffnet am 29. Juni 1908, wird das Grafschafter Museum im Schloss Moers 2008 tatsächlich 100.
Verein ins Leben gerufen
Hermann Boschheidgens Engagement reicht vier Jahre weiter zurück. 1904 gründete sich auf Initiative des Amtsgerichtsrats, der nach seinem Studium als Assessor an das Amtsgericht in Moers gekommen war, der „Verein für Heimatkunde“, dem heutigen Museum- und Geschichtsverein, der 2004 seinen 100. Geburtstag feierte. Auf Drängen des neu gegründeten Vereins erwarb die Stadt 1905 das Schloss und ließ einen Teil der Räume für Museumszwecke einrichten. „Was Boscheidgen vorschwebte, war ein Museum, in dem Geologie, Vorgeschichte, Kulturgeschichte einer Region als Gesamtheit vorgestellt werden und der Betrachter seine Heimat unter verschiedenen Aspekten zu verstehen lernt“, schrieb die frühere Museumsleiterin Christine Knupp-Uhlenhaut in einem Beitrag für das Buch „Moers, Burg, Schloss – Kulturzentrum“, das 2004 zum 100. Geburtstag des Museums- und Geschichtsverein erschien.
Schon wenige Jahre nach seiner Gründung hatte der noch junge Verein für Heimatkunde eine beachtliche kultur- und regionalgeschichtliche Sammlung zusammen getragen. Die Geschichte des 20. Jahrhunderts ging am Grafschafter Museum nicht spurlos vorüber: So wollten die Nationalsozialisten das Museum zu einem „Haus der Heimat“ ausbauen. Das Schloss, das noch das Stadtbauamt beherbergte, wurde für das Museum freigemacht. Spuren dieser Zeit finden sich noch heute: Erst vor wenigen Jahren wurde das Wand füllende Mosaik „Der Altkreis Moers“ des Künstlers Hein Hoppmann frei gelegt, das die Grafschaft aus dem Blickwinkel und in der Ästhetik des Nationalsozialismus zeigt.
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Sammlung des Museums auf die Festung Ehrenbreitenstein bei Koblenz ausgelagert, heißt es auf der Homepage des Grafschafter Museums. 1950 wurde es in Teilabschnitten, 1953 wieder komplett eröffnet. Das Jubiläum 2008 steht im Zeichen der Erweiterung: Die Stadt Moers will die ehemalige Wasserburg der Grafen von Moers zum historisch-kulturellen Zentrum ausbauen. Der Anbau, der Ende 2008 fertig gestellt wird, soll dem Kulturprogramm neuen Raum geben für erlebbare Archäologie, attraktive Sonderausstellungen und Schlossfeste. Das Raumprogramm sieht eine Erweiterung des Theaterfoyers vor. Dazu kommen ein Raum für Sonderausstellungen, einer für die Museumspädagogik, ein Forum für Veranstaltungen und weitere Ausstellungen. Die umfangreiche bauliche Investition wird mit Mitteln der nordrhein-westfälischen Städtebauförderung realisiert. Die Gesamtfläche des Neubaus mit integrierter Ausgrabungsfläche beträgt 670 Quadratmeter, die Hauptnutzungsfläche 425 Quadratmeter.
Der Geburtstag soll das ganze Jahr über gefeiert werden. Die heutige Museumsleiterin Diana Finkele schreibt zum 100. Geburtstag ein Kinderbuch, in dem Tiere, die rund ums Schloss leben, die Protagonisten sind. „Schlosspark-Hase Moritz von Oranien und seine Freunde“ ist der Arbeitstitel. Geplant sind Konzertreihen als Forum für junge Künstler und ein Open-Air-Kino.
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