Moers: Das teure Schwimmvergnügen
VON CHRISTIAN SCHROEDER UND DIRK MÖWIUS - zuletzt aktualisiert: 08.09.2010Moers (RPO). Die DLRG in Rheurdt will das Hallenbad erhalten, indem sie einen Schwimmverein gründet. In Alpen arbeitet ein solcher Verein seit 16 Jahren erfolgreich. Neue Hallenbäder entstehen demnächst in Moers und Kamp-Lintfort.
Niederrhein Es war eine Notlösung. Man wollte eigentlich nur, dass es irgendwie weitergeht. Keiner dachte vor 16 Jahren in Alpen, dass der Schwimmverein einmal 2500 zahlende Mitglieder haben würde. Es kommt genug Geld zusammen, um das damals auf der Kippe stehende Hallenbad weiter zu betreiben. Die Gemeinde Alpen schießt nur rund 50 000 Euro jährlich zu – alles andere wuppen Dr. Werner Hübl, Vorsitzender des Schwimmvereins, und Mitstreiter allein. Sogar die meisten Reparaturen führen sie in Eigenregie durch.
So wollen's Kerstin Deselaers und die anderen von der DLRG Rheurdt auch am liebsten machen. Sie kämpfen für den Erhalt des Hallenbades, das viele Zuschüsse verschlingt, die die Gemeinde gerne einsparen möchte. CDU und FDP tendieren dazu, das Bad komplett zu schließen. Die Schwimmer möchten erst einmal erreichen, dass die Entscheidung über die Hallenbad-Zukunft verschoben wird. Die DLRG will am 13. September durch Rheurdt ziehen und für den Erhalt des Hallenbades demonstrieren.
Rheurdter Sparpaket
Knapp zehn Millionen Euro umfasst der Etat der Gemeinde Rheurdt. Gut 800 000 Euro fehlen zum Ausgleich in diesem Jahr, über eine Million im nächsten Jahr. 210 000 Euro sollen deshalb im Bereich Hallenbad eingespart werden.
"Dann haben wir mehr Zeit, intensiv an konkreten Alternativkonzepten zu arbeiten", meint Deselaers und verweist explizit auf das Modell Alpen. Auch in anderen niederrheinischen Orten konnten Bäder von neu gegründeten Vereinen gerettet werden. Die Bädervereine in Geldern (in der Ortschaft Walbeck) und Kevelaer arbeiten erfolgreich. Dort sind es allerdings die Freibäder, die durch vor der Schließung gerettet wurden.
Das Freizeitbad Neukirchen-Vluyn ist mit Mitteln des Konjunkturpaketes II energetisch saniert worden. Es stand zur Debatte, ob der Saunabereich geschlossen wird, doch die politischen Gremien stimmten dagegen. Nach den Herbstferien wird das Bad inklusive Sauna wieder eröffnen. Um das Bad werden sich in Zukunft die Sport- und Bäderbetriebe Moers (Enni) kümmern.
Die Stadt Kamp-Lintfort will demnächst ein neues Hallenbad mit verkleinertem Freibad errichten. Die Investitionen belaufen sich auf 8,5 Millionen Euro. 15,3 Millionen Euro werden am Sportzentrum Rheinkamp in Moers für ein neues Hallenbad und zwei Dreifachturnhallen ausgegeben. Derzeit gibt es in Moers nur ein Hallenbad, die Traglufthalle am Solimare.
Ob und wann dort ein komplett neues Bad mit oder ohne Wellnessbereich gebaut wird – Konzepttitel Solimare 2.0 – ist noch völlig offen. Für den Bau des Bades Rheinkamp wird gerade ein Generalunternehmer gesucht. "Die Ausschreibungen laufen europaweit, Anfang 2011 wird der Unternehmer feststehen", sagt SBB-Sprecher Holger Kleinekort.
In Rheinhausen ist kürzlich ein neues Hallenbad errichtet worden: Das Toepperbad ist seit Juli geöffnet. Zwei marode Hallenbäder in Rheinhausen beziehungsweise Rumeln stehen leer. Die Stadt Straelen hat sich vor ein paar Jahren ein neues Hallenbad geleistet. Der Zuschussbedarf ist viel höher als angenommen.
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