Moers: Denkmalschutz wird amtlich
VON HANS-ULRICH KRESS - zuletzt aktualisiert: 09.09.2006Moers (RPO). Vorentscheidung in der Rathausdebatte: Zumindest in Teilbereichen soll das alte Rathaus
unter Schutz gestellt werden. Dabei geht es weniger um den Turm als vielmehr um den Bogengang.Eine Vorentscheidung in der Moerser Rathausfrage ist offensichtlich ohne größeren Entscheidungseinfluss der Politiker oder Bürger gefallen. Dies zeigte sich bei der jüngsten öffentlichen Sitzung des Ortsvereins Moers der SPD. Brandaktuell berichtete Bürgermeister Norbert Ballhaus aus einem Gespräch mit Vertretern der Denkmalschutzbehörde vom Vortag. Der Tenor, so das Moerser Stadtoberhaupt, laufe darauf hinaus, das alte Moerser Rathaus zumindest in Teilbereichen unter Denkmalschutz zu stellen.
Als besonders schutzwürdig gelte dabei noch nicht einmal der das historische Mattorn nachempfindende und von der Moerser Bürgerschaft deswegen besonders geschätzte Turm, sondern der Bogengang links des Eingangs bis zum heutigen Standesamt. Dieser, so die Auffassung des Denkmalschutzes, sei für die Architektur der 50er Jahre typisch und deswegen erhaltenswert.
So teuer wird es
Als Kosten in der Rathausfrage nannte Kämmerer Thoenes für die erste Variante der Sanierung aller heutigen Rathaus-Standorte 35,5 Millionen Euro. Ein kompletter Rathausneubau würde die Stadt jedoch nur 24,83 Millionen kosten, während die Teilsanierung des alten Rathauses an der Unterwallstraße mit entsprechendem Neubau auf Kosten von 28,9 Millionen Euro käme.
Massig Kosten-Varianten
Als Fazit aus dem Gespräch mit dem Denkmalschutz erklärte Bürgermeister Ballhaus: „Das alte Rathaus ist in die Denkmalliste einzutragen. Flexibilität in Detailfragen und Teilbereichen ist uns jedoch zugesichert worden und lassen sich mit unseren Vorstellungen und Planüberlegungen in Einklang bringen“. Zuvor hatte der Moerser Kämmerer Wolfgang Thoenes in einem umfangreichen und detailgenauen Vortrag die verschiedenen Varianten und Kosten einer Komplettsanierung der bisherigen Rathaus-Standorte, des Neubaus und einer Teilsanierung mit Neubau am Standort des alten Rathauses Unterwallstraße erläutert. Daraufhin entwickelte Karl-Heinz Reimann einen Zeitrahmen zur Diskussion der Sachlage mit der Bürgerschaft und politischen Gremien bis zur endgültigen Entscheidung.
Axel Sandhofen mahnte schließlich an, dem Bürger handfeste Zahlen zu liefern, um die bestimmte Varianten die Stadt teurer kommen würden. „Kostet die eine Variante mit Sanierung des alten Rathauses vier Millionen Euro mehr an Baukosten und zieht weitere zehn Millionen Euro an Projektkosten nach sich, muss dem Bürger klar gemacht werden, was dies für bei der klammen Kassenlage für andere Dinge bedeutet“, so Sandhofen. Einig waren sich Politiker, Genossen und Gäste, dass die Rathausfrage nicht die Nummer eins in der Moerser Politik besetze. Diese sei für die Sanierung von Schulen und Straßennetz reserviert. Auf den Punkt brachte die Diskussion schließlich Mark Rosendahl mit seiner Feststellung, dass vor dem Hintergrund des Denkmalschutzes die Alternative eines kompletten Rathausneubaus an der Mühlenstraße oder der Standort Horten vom Tisch seien. „Mit dem Denkmalschutz ist uns die Mühlenstraße aus der Hand geschlagen. Auch der Standort Horten ist weg. Jede andere Nutzung des alten Rathauses als Verwaltungs-Standort ist allein aus Kostengründen nicht denkbar“, warf Rosendahl in die Debatte ein und stellte damit fest, dass damit wohl eine Vorentscheidung für das alte Rathaus gefallen sei.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum




