Kamp-Lintfort: Der Mann, der gegen Siemens siegte
VON CHRISTIAN SCHWERDTFEGER - zuletzt aktualisiert: 31.12.2007Kamp-Lintfort (RPO). Manche mögen ihn als eine Art letzten Mohikaner bezeichnen. Andere als Mann mit Prinzipien. Michael Gerber ist in der Tat ein besonderer Mensch. Ein Mann, der sich nicht alles gefallen lässt, der für seine Überzeugung und die Gerechtigkeit eintritt. Der 57-Jährige ist trotzdem einer von so vielen, die vor gut einem Jahr bei BenQ ihre Arbeit verloren haben und plötzlich auf der Straße standen. Auch ein Jahr nach der Insolvenz des Mobiltelefonherstellers sind immer noch ein Drittel der Belegschaft ohne neuen Arbeitgeber. Auch Gerber gehört zu ihnen.
Im Gegensatz zu seinen Leidensgenossen schlug Gerber aber einen anderen Weg ein. Er ging nicht in die Peag-Transfergesellschaft, sondern zog gegen Siemens vor Gericht. Vor dem Arbeitsgericht Wesel klagte er gegen den Betriebsübergang der Handysparte von Siemens zu BenQ im Oktober 2005 und auf Wiedereinstellung beim Münchner Konzern. Das Arbeitsgericht gab der Klage statt. Gerber zur Folge sei dies das erste Urteil gegen Siemens, das in dieser Sache bundesweit vorliegt. Auf den ersten Blick sicherlich ein großer Erfolg. Aber auch nur ein Anfang. Gerber opferte viel, um diesen Schritt gehen zu können. Aufgrund seiner Klage, wurde er nicht in die so genannte Transfergesellschaft aufgenommen, sondern musste sich umgehend arbeitslos melden.
Da er bis heute noch keine neue Anstellung gefunden hat, wird er demnächst von Hartz IV leben müssen. Ab Januar nämlich schon. Entbehrungen, die er gerne in Kauf nehme, wie er meint. „Ich mache das nicht nur für mich, sondern möchte mit dieser Klage anderen Menschen Mut machen, sich nicht alles gefallen zu lassen, sei der Gegner auch noch so übermächtig“, fasst Gerber seine Beweggründe zusammen.
Wie es weiter gehen wird, entscheidet sich 2008. Siemens hat Bereits Berufung eingelegt. Gerber bleibt zuversichtlich: „Ich werde das durchfechten.“
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