Moers: Der Prinz als Schweinehirt
zuletzt aktualisiert: 23.06.2008Moers (RPO). Was passiert, wenn ein Prinz, dessen Reich kaum größer als eine Gartenlaubenparzelle ist, um die Hand eines reichen, verzogenen Kaisertöchterchens anhält? Die Antwort ist klar: Sie lässt ihn natürlich abblitzen. Wie sie der Prinz – noch dazu als verkleideter Schweinehirt – dennoch dazu brachte, ihn zu küssen, und wie die ganze Sache schließlich sogar fast noch in einer Katastrophe endete, war jetzt unter dem Titel „Der Schweineprinz“ auf der Bühne des Moerser Adolfinum Gymnasiums in einer Erstaufführung der dortigen Theater AG der Jahrgangsstufen fünf bis sieben zu sehen.
Knapp ein Jahr lang hatten die 22 Mitglieder des jungen Schultheater-Ensembles mit den beiden Lehramtsanwärtern Dina Achtermeier und Christopher Lee Watkins sowie der diesjährigen Abiturientin Roksareh Emami und Lehrerin Regine Meyering an der Aufführung gearbeitet und dabei ein ungewöhnlich witziges, äußerst sehenswertes Stück auf die Beine gestellt.
Während die meisten Märcheninszenierungen die Unwirklichkeit ihrer Inhalte oft ganz ausdrücklich betonen, hatten die jungen Adolfiner Theatermacher mit ihrer Interpretation des von Hans Christian Andersen stammenden Schweinehirtenmärchens eine eher gezielt satirischen Form der Darstellung gewählt, ohne dabei allerdings den märchenhaften Aspekt gänzlich aus den Augen zu verlieren. So lebte der schrecklich gelangweilte Kaiser zwar jenseits aller außerhöfischen Weltlichkeit, stimmte der Einstellung des vermeintlichen Schweinhirten aber nur als Schwarzarbeiter ohne Steuerkarte zu. Auch die so sehr begehrte Prinzessin war alles andere als ein liebenswertes Geschöpf. Umgeben von eintausend katzbuckelnden, gleichzeitig aber hoch intriganten Hofdamen, die in diesem Fall stellvertretend von fünf ganz wunderbar affektierten Mitspielerinnen dargestellt wurden, hatte sie in ihrer ausschließlich aus Schmeicheleien bestehenden Wirklichkeit jedweden Kontakt zur Realität verloren und war dabei zu einer wenig charmanten Shopping-Tussi mutiert, die sogar bereit war, für einen Musik trällernden Kochtopf des Schweinehirten den Erfinder mit zehn und für eine Spieluhr voller Tanzmelodien sogar mit hundert Küssen zu bezahlen. Kein Wunder also, dass sie ihr anfänglicher Bewerber anschließend nicht mehr haben wollte, und dass auch ihr kaiserlicher Vater sie nicht mehr als standesgemäß betrachtete und verstieß.
Doch solch ein Ende hätte selbst Hans Christian Andersen bei einer so witzigen und intelligenten Schultheateraufführung nicht hingenommen. Also spulte man das Ganze zum Schluss noch einmal zurück.
Info Die zweite Aufführung des „Schweineprinzen“ findet heute um 19.30 Uhr wiederum in der Aula des Moerser Gymnasiums Adolfinum statt.
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