Kamp-Lintfort: Der Riese wird gesprengt
VON ANJA KATZKE - zuletzt aktualisiert: 26.06.2010Kamp-Lintfort (RPO). Es ist soweit: Der letzte Weiße Riese soll fallen. Die Sprengung soll für Ende Oktober terminiert werden. Die mit dem Abbruch der Hochhäuser beschäftigten Baufirmen sind zurückgekehrt. Die Stadt rechnet mit Sprengtouristen.
Jetzt wird es spektakulär: Während ein Abbruchunternehmen die ersten beiden Weißen Wohntürme im Herbst vergangenen Jahres Stück für Stück zurück gebaut hatten und ihnen mit Ungetümen wie einem Longfront-Bagger mit 50-Meter-Auslader an die Substanz gingen, wird jetzt die Sprengung des dritten Gebäudes geplant. Die mit dem Abbruch der Weißen Riesen beschäftigten Baufirmen sind inzwischen zurückgekehrt. Knapp vier Monate, nachdem Investor Ten Brinke das dritte Hochhaus erworben hatte, haben in diesen Tagen die vorbereitenden Arbeiten für den Abbruch begonnen. Zunächst galt es, die rund 50 im Hochhaus lebenden Haushalte sozialverträglich umzusiedeln.
Einkaufszentrum
Auf dem Gelände der ehemals drei Weißen Riesen will der Investor Ten Brinke ein Einkaufszentrum bauen. Die Eröffnung des Einkaufszentrums mit dem Namen EK 3 ist weiterhin für den Herbst 2012 vorgesehen. Ein weiteres Großprojekt ist der Bau der Hochschule Rhein-Waal.
Evakuierungsplan wird erstellt
Die Entmietung verlief laut Stadtverwaltung Kamp-Lintfort, bislang äußert zufriedenstellend. Seit dem 1. März hat das Diakonische Werk vor allem durch die soziale und pädagogische Beratung und Betreuung der betroffenen Haushalte in großem Maße dazu beigetragen, allen Mietern in kurzer Zeit neuen Wohnraum zu vermitteln und damit den Weg frei zu machen für die Sanierung und den Abbruch des letzen Weißen Riesen. Bis Anfang Juli sollen die vorbereitenden Außenarbeiten für den Abbruch, insbesondere das Roden einiger Sträucher sowie das Abräumen der Tiefgarage abgeschlossen sein. Im Anschluss daran wird laut Stadtverwaltung die Tiefgarage abgebrochen sowie das Gebäude komplett entkernt und von Schadstoffen wie Asbest und künstlichen Mineralfasern befreit. Um die Außenfassade zu entkleiden, wird wie schon bei der Sanierung der Moerser Straße 278 eine mobile Hebebühne eingesetzt. Um den dritten Weißen Riesen für die Sprengung vorzubereiten, werden etwa acht Wochen benötigt. In dieser Zeit sollen im Gebäude so genannte statische Vorschwächungen getroffen, im Außenbereich ein Fallbett sowie ein Schutzwall erstellt werden. Die Entscheidung zu sprengen, trafen die verantwortlichen Ingenieure vor allem aus Gründen der Sicherheit, da die Randbebauung einen Abstand von weniger als fünf Metern zum Hochhaus aufweist und aufgrund der Höhe des Hochhauses von etwa 54 Metern, die einen Rückbau wirtschaftlich erschwert.
Für den Tag der Sprengung selbst werde von der Stadt ein Evakuierungsplan erstellt, heißt es in einer städtischen Pressemitteilung. Geplant werden Sperrbereiche, Verkehrsumleitungen, die Evakuierung der Bewohner im direkten Umfeld sowie ein Zuschauerbereich in der Nähe des Alten Rathauses für die Bürger und die "Sprengtouristen", mit denen die Stadt offenbar rechnet. "Da bereits der konventionelle Rückbau der beiden ersten Gebäude für sehr großes öffentliches Interesse gesorgt hat, gehe ich davon aus, dass die Sprengung dieses bisherige Interesse nochmals deutlich übertrifft", gibt sich Bürgermeister Dr. Landscheidt gespannt. Details hierzu sowie Hinweise an die Bevölkerung werden rechtzeitig bekanntgegeben, ebenso mit zunehmendem Baufortschritt der genaue Sprengtermin.
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