Kamp-Lintfort: Die Bankerin
VON HERIBERT BRINKMANN - zuletzt aktualisiert: 11.07.2008Kamp-Lintfort (RPO). Zum ersten Mal leitet mit Arzu Civan eine Frau seit knapp einem Jahr die Dresdner Bank in Kamp-Lintfort. Die Chefin mit türkischen Wurzeln hat eine griechische Freundin, isst am liebsten italienisch und ist überzeugte Europäerin.
Das EM-Spiel Deutschland-Türkei erlebte sie mit Freunden in einer deutschen Kneipe in Köln. Sie trug ein türkisches T-Shirt und schwenkte eine deutsche Fahne. Mit dem Ergebnis kann Arzu Civan gut leben.
Die 29-jährige Bankkauffrau hat sich in Kamp-Lintfort gut eingelebt. Vor knapp einem Jahr übernahm sie von Ulrich Stangier die Leitung der Niederlassung der Dresdner Bank an der Moerser Straße. Vorher war sie sieben Jahre lang in der Kundenbetreuung der Dresdner Bank Düsseldorf an der Königsallee tätig, zuletzt als stellvertretende Leiterin des Kundencenters Kö. Dort initiierte sie einen Empfang zum türkischen Nationalfeiertag am 30. Oktober. Die 500 Gäste begrüßte der türkische Generalkonsul.
Dresdner Bank
Seit 1953 ist die Dresdner Bank am Standort Kamp-Lintfort vertreten, anfangs noch unter dem Namen Rhein-Ruhr-Bank. Seit 1957 firmiert sich auch in Kamp-Lintfort unter dem Namen Dresdner Bank. Arzu Civan ist die fünfte Leiterin der Filiale seit Bestehen an diesem Standort. Die Bankfiliale ist an der Moerser Straße 299 zu finden.
Von der Prachtmeile Königsallee an den platten Niederrhein? Den anfänglichen Kulturschock hat Arzu Civan schnell überwunden. Sie wollte aus Düsseldorf weg, in eine Kommune, wo es nur eine Dresdner Bank und nicht mehrere Filialen gibt. Leicht gemacht haben ihr das Einleben vor allem ihre sechs Mitarbeiter – und die Kunden. Ihr Vorname Arzu bedeutet Wunsch, und die Wünsche ihrer Kunden erfüllt sie gerne. „Es macht mir viel Spaß mit meinen Kunden.“ Sie schätzt die Mentalität des Niederrheiners. „Er ist sehr ehrlich und voll bodenständig.“
Für EU-Beitritt der Türkei
Kein Wunder, stammt sie ja selber vom südlichen Niederrhein. Geboren wurde sie in Meerbusch im Kreis Neuss, in Düsseldorf wuchs sie auf und ging zur Schule. Dort lernte sie an der Grundschule auch Türkisch. Sie spricht Hochtürkisch und keinen Dialekt. So ist Arzu Civan stolz darauf, in der Türkei als Türkin und nicht als „Deutschländerin“ durchzugehen. Doch Zeitungslesen auf Türkisch findet sie schwierig, und die Bücher von Nobelpreisträger Orhan Pamuk hat sie lieber auf Deutsch gelesen.
Ihre Eltern und ihr Bruder leben in Deutschland, aber sie hat auch noch Verwandte in Istanbul und Antalya. Engagiert tritt sie für einen EU-Beitritt der Türkei ein, wobei sie die gegenwärtige Politik eher rückwärts gewandt empfindet. In ihrem nächsten Urlaub fliegt sie nach Zypern, um ihre beste Freundin, eine Griechin, zu besuchen. Mit dem deutschen Pass sei es ein leichtes, auch den türkischen Nordteil der Insel zu besuchen. Sie liebt die türkische Küche – im Restaurant. Zum Kochen ist sie ihr zu aufwändig. Wenn sie selber in der Küche steht, kocht sie am liebsten Italienisch. Egal was, sei es nur Pizza, Pasta, Salate. Ab und zu joggt sie oder fährt mit dem Auto in der Gegend herum, um sie zu erkunden. Mit ihrer Filialleitung und ihrem Parallelstudium der Betriebswirtschaft an der Fachhochschule Mönchengladbach ist ihre Freizeit eher knapp bemessen. Aber auch das steckt sie mit einem Lächeln weg.
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