Moers: Die Entdeckung der Langsamkeit Hüsch und seine Erben
VON SIMON PAKE - zuletzt aktualisiert: 18.05.2010Moers (RPO). Der Fahrradlenker wackelt hin und her, der Körper steht unter hoher Anspannung. Die meisten Fahrer steigen auf der Neustraße aus dem Sattel und stehen bloß noch auf ihren Pedalen. Die Bewegungen werden immer hektischer je weiter es vorwärts geht. Manchmal hebt das Vorderrad vom Boden ab. Für gewöhnlich müssen sich Radfahrer für die kurze Strecke von elf Metern nicht sonderlich anstrengen. Beim "Slowbiking-Rennen" ist das etwas anderes. Da geht es darum, eine Radstrecke so langsam wie möglich zu fahren.
Im Rahmen der Local Heroes Woche hat der Industriedesigner und Klangkünstler Kaspar König so eine Aktion initiiert. Stützräder sind nicht erlaubt, außerdem muss das Rad auf einer engen Spur gehalten werden. Zwischenzeitlich dürfen die Füße nicht den Boden berühren. Bei einem Fehler gibt es einen gnadelosen Pfiff vom Schiedsrichter. Das ist dann das Ende des Teilnehmers für diese Runde. Zum Glück besteht die Möglichkeit, es wieder zu versuchen. Denn die Teilnahme ist kostenlos und mitmachen kann jeder. Der Durchschnitt liegt für die Strecke etwa eineinhalb Minuten. "Der Rekord liegt bei 6,40 Minuten", erzählt König, der die Idee des Slowbiking in China entdeckt hat. Jeder Lauf wird von konzeptioneller Musik begleitet, die mehrere Musiker situationsbedingt gestalten. Die Instrumente Trompete, Schlagzeug, Posaune, Horn, Saxophon und ein Performance-Künstler sorgen für ein buntes Klangbild bei den Läufen. Dabei sind auch der Moerser Improviser in Residence Sanne van Hek und der Improv-Posaunist Wolter Wierbos aus den Niederlanden. Gerade wenn ein Teilnehmer mal länger auf dem Fahrrad in der Strecke sitzt, muss er Ruhe bewahren. Da wird die Musik auch mal schneller, fordert ihn indirekt auf, weiter zu fahren. Von Leerlauf keine Spur. Es hat sich bereits eine Fahrradschlange vor der Startlinie gebildet. Die elf Meter lange Strecke ist zu beiden Seiten von gut gelaunten Zuschauern gesäumt, die die Radler anfeuern. Bis zum Abend wurde der Wettbewerb zur Förderung der Langsamkeit ausgetragen.
MOERS (lang) "Wahnsinn! Man läuft hier durch und denkt dabei, hier hat er mal seine Turnschuhe vergessen." Ein Hüsch-Abend in der Aula des Gymnasiums Adolfinum: Wo anders hätte eine solche Veranstaltung besser hingepasst? Hier war Hanns Dieter Hüsch zur Schule gegangen, und so spürte nicht nur Piet Klocke bei seinem Gastauftritt zu Ehren Hüschs einen Hauch von dessen Geist durch die Stuhlreihen wehen. "Hüsch und die Erben" hieß der Eröffnungsabend der Moerser Local Heroes Woche, mit der die Stadt einmal mehr ihren großen Ehrenbürger würdigte. Besser gesagt, sich selber würdigen ließ, denn diesmal kam er gut eine Stunde auf der Leinwand persönlich zu Wort. Locker im Hüsch-Stil moderierend präsentierte Joachim Henn in Filmausschnitten eine exemplarische Auswahl von Live- und Fernsehauftritten des Kabarettisten.
"Wo alles stimmt, weil alles nicht stimmt" lautete der Untertitel des launigen Abends, dessen kabarettistischer Schwerpunkt auf Hüschs Lieblingsthema, der Mentalität des "Niederrheiners an sich, " lag. In der Tat hat es bisher niemand wieder geschafft, diesem bodenständig verschmitzten Menschenschlag ein so humorvolles und sympathisches Denkmal zu setzen. Und so hörte man die Besucher denn auch immer wieder lautstark lachen oder doch zumindest verhalten kichern, wenn auf der Leinwand zum Beispiel von dem jungen, gescheiten Messdiener die Rede war, der eigentlich hätte Papst werden können, wenn er nicht jeden Abend ab 18 Uhr "kerzengerade, hochbegabt und sturzbesoffen" bei Lindemann am Tresen gestanden hätte. Dazu lieferte der Komponist Malte Pagen zwischendurch auf dem Harmonium kleine Zwischenspiele, bevor dann nach einer gut 20-minütigen Pause Piet Klocke als "Hüschs Erbe" den zweiten Teil des Abends gestaltete. Während sein Vorgänger die Zuschauer im ersten Teil vor allem mit den unvergleichlichen Marotten ihrer Nachbarn amüsierte hatte, tat das Piet Klocke in Teil zwei mit seinen skurrilen und stets unbeendeten Beschreibungen seiner eigenen Weltsicht. "Das hätte Hanns Dieter Hüsch sicherlich auch gefallen", meinte eine Besucherin am Ende, womit sie wahrscheinlich Recht hatte.
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